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Die Lehrer-Kolumne: Ewald Hülk über das Coronavirus im Unterricht

Die Lehrer-Kolumne : Die Pandemie als Unterrichtsstoff

Was macht man, wenn die Corona-Pandemie kein Ende nimmt? Man baut sie in den Unterricht ein. Zumindest, wenn man Biologielehrer ist. Und als Französischlehrer? Dann auch.

Man muss das Beste aus der Pandemie machen! Das ist die Devise von uns Lehrern. Je nach Fach hat man sogar das Glück, das Thema in seinem Unterricht aufgreifen zu können. Als Biolehrer hat man da einen klaren Vorteil. Denn noch nie konnte ich in meiner nunmehr doch schon recht langen Zeit als Lehrer so viele Dinge tagesaktuell erarbeiten lassen.

Aufbau von Viren und deren Vermehrung, Immunantwort sowohl auf zellulärer als auch auf humoraler Ebene, Wirkungsweise von Antigen-Schnelltests, die Verschiedenartigkeit von Impfstoffen und deren mögliche Nebenwirkungen sind Themen aus der Immunbiologie.

Und dann die Genetik, die für manchen Schüler auch immer ein Stück abstrakt daherkommt. Hier lässt sich anhand der mRNA-Impfstoffe verdeutlichen, welchen Stellenwert die Boten-RNA im Rahmen der Proteinbiosynthese (in diesem Fall der Spike-Proteine vom Covid-19-Virus) besitzt und wie Genübertragung mit Hilfe von Vectoren (wie beim Vector-Impfstoff) realisiert werden kann. Auch für die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (kurz PCR), die ansonsten sehr theoretisch wirkt, wird durch die PCR-Tests eine neue Anwendungsmöglichkeit aufgezeigt. Nicht zuletzt bietet es sich an, die Weiterentwicklung, sprich das Mutieren, von Viren zu vertiefen und in die synthetische Theorie der Evolution zu integrieren.

Und mein zweites Fach Französisch? Auch hier lohnt sich im Unterricht ein Blick über die Grenze. Denn was in Deutschland vielerorts beklagt wird, ist in Frankreich alles andere als besser. Von Beginn an schaut man dort recht neidisch auf uns, da wir mit der Pandermie besser klarkommen.

Deutlich wird dabei: Deutschland steht allen Unkenrufen zum Trotz in der Coronabekämpfung noch gut da. In allen Ländern wird natürlich um den besten Weg gerungen. Gefunden hat diesen Weg freilich niemand. Das mag ein Trost sein, ändert aber nichts an der Tatsache: Wir alle, Lehrer wie Schüler, sehnen uns händeringend nach der alten Normalität.

Ewald Hülk unterrichtet als Studiendirektor die Fächer Französisch und Biologie am Berufskolleg Liebfrauenschule in Geldern. Foto: Hülk