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Kolumne „Aus dem Klassenzimmer“: Die „Angst“ der Lehrer vor Prüfungen

Kolumne „Aus dem Klassenzimmer“ : Die „Angst“ der Lehrer vor Prüfungen

Für Lehrer Ewald Hülk stehen die Abiturprüfungen an. Genau wie seine Schüler sieht er den Klausuren mit Nervosität entgegen.

Morgen um halb 9 in unserer Schule: Rund 90 angehende Abiturienten versammeln sich vor den Prüfungsräumen. Aus ihren Taschen schauen neben persönlichen Glücksbringern von Mama oder dem besten Freund noch einige Lernzettel. Manche überfliegen diese noch hastig. Devise: Man weiß ja nie, ob nicht genau das wichtig ist. Allen gemeinsam ist die Nervosität. In 30 Minuten starten die Leistungskurs-Klausuren.

Und wir Lehrer? Ehrlich: Auch wir sind etwas nervös. Eine gewisse Anspannung beim Betreten des Schulleiterzimmers vor Prüfungsbeginn ist in uns. Erst jetzt lernen wir die Aufgaben kennen. Logo, wir meinen, unsere Schüler gut vorbereitet zu haben, waren bis zum letzten Schultag für Fragen offen, hoffen (typisch Lehrer), dass alle die freien Tage zum gescheiten Wiederholen genutzt haben und ihre zuvor gezeigten Leistungen halten oder gar verbessern. Böse Überraschungen gab es an unserer Schule eigentlich noch nie. Aber man weiß ja nie.

Unser Schulleiter wird uns in seinem Dienstzimmer aufmunternd begrüßen. Die gesiegelten Umschläge mit den Kopien der Aufgaben und dem Erwartungshorizont – alles unter größter Geheimhaltung gedownloadet und vervielfältigt und an einem geheimen Ort wie die Kronjuwelen gehütet– liegen nun bei ihm auf dem Tisch. Dann bekommen wir Lehrer die Umschläge, halten die Aufgaben mit den Texten und Materialien in der Hand und was fast noch wichtiger ist: den Erwartungshorizont, in mit weisen Worten formulierte und mit 100 Punkten versehene Musterlösung.

Knapp 30 Minuten haben wir Zeit, alles zu überfliegen und abzugleichen, ob die Themen von uns gut vorbereitet wurden und machbar für die Schüler sind. Durchatmen ist dann hoffentlich angesagt.

Raus aus dem Schulleiterzimmer, rein in den Prüfungsraum. Da sitzen dann unsere „Schäflein“, deren Augenpaare treu und mitunter sogar schon etwas Hilfe suchend auf uns gerichtet sind. Wie wirken wir? Gechillt? Oder doch besorgt? Die letzten Worte nach dem Austeilen: Viel Erfolg und gutes Gelingen! Jetzt hilft nur noch Daumendrücken.

Ewald Hülk ist Studiendirektor am Berufskolleg Liebfrauenschule in Geldern und berichtet von seinem Leben als Lehrer. Foto: Hülk