Caritas Geldern: Wenn Jugendliche in die Schuldenfalle tappen

Caritas Geldern berät : In die Schuldenfalle getappt

Junge Leute sind besonders gefährdet, sich zu verschulden – auch wegen teurer Handy-Verträge und Werbung auf sozialen Medien. Das Caritas-Team gibt Tipps, um nicht in die Schuldenspirale zu geraten.

Manchmal ist es nur eine scheinbar kleine Rechnung, 40 Euro für den Handy-Vertrag, die sich nach und nach zu einem großen Problem entwickelt. Mahngebühren, Inkasso-Kosten und Verzugszinsen können sich nach und nach zu einem unbezwingbaren Berg auftürmen. Das weiß das Team der Caritas Geldern nur zu gut. Andrea Verhoeven von der Insolvenzberatung kümmert sich auch um Jugendliche und junge Erwachsene, die sich damit schwer tun, ihre Finanzen in den Griff zu bekommen.

Oft beginnen die Probleme mit dem Start ins Berufsleben oder mit dem Studium, berichtet Andrea Verhoeven. „Es fließt das erste eigene Geld“, sagt die Schuldnerberaterin. „Aber es kommen auch neue Verpflichtungen auf einen zu.“ Eine eigene Wohnung, ein Auto, Versicherungen. Für die Kosten des alltäglichen Lebens haben Jugendliche, die bei ihren Eltern wohnen, oftmals kein Gefühl, sagt Alexander Jaegers, der für die Caritas Präventionsarbeit in Schulen leistet. „Die Wünsche und die Verlockungen sind oft viel größer als das Budget“, sagt Andrea Verhoeven. Die Frage sei immer, ob man in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Wer das nicht mehr schafft, ohne die eigene Grundversorgung zu gefährden, gilt als überschuldet.

Oft müsste es gar nicht so weit kommen, wenn sich die Betroffenen früher helfen lassen würden, sagt Verhoeven. Viele kommen erst zur Beratung, wenn sie bereits hilflos vor dem Schuldenberg stehen. Wichtig sei dann, dass sich die jungen Schuldner erst einmal einen Überblick über ihre Einnahmen, Ausgaben und ihre Schulden machen. Das Team der Caritas hilft beim Erstellen der Listen. Dann geht es darum, an den richtigen Stellen etwas zu verändern, um den Schuldenberg nach und nach abzuarbeitem. Gibt es Ausgaben, die sich reduzieren lassen? Teure Verträge oder verzichtbare Versicherungen? Kann man zusätzliche Geldeinnahmen schaffen – ein zusätzlicher Job, eine Studienförderung?

Besonders gefährlich seien Mobilfunkverträge. „Oftmals wünschen sich Jugendliche die neueste Technik“, sagt Alexander Jaegers. „Diese Verträge können dann langfristig sehr teuer werden.“ Aus seiner Arbeit mit den Schülern weiß er, dass einige aus Unwissenheit sogar mehrere Verträge abschließen, die sie dann bezahlen müssen. „Sie denken dann, sie könnten kündigen, beachten aber die Fristen nicht“, sagt der Schuldnerberater. „Dabei ist dann der neue Vertrag mit den attraktiveren Konditionen schon abgeschlossen.“ Die Konsequenzen seien vor allem Jugendlichen oftmals nicht bewusst. „Eine nicht bezahlte Handy-Rechnung kann zu einem Schufa-Eintrag führen, und der kann wiederum verhindern, dass man eine Wohnung bekommt“, sagt Verhoeven.

Mit dem Präventionsprojekt „Money Check“ wollen Alexander Jaegers und Andrea Leene-Dicks dafür sorgen, dass junge Leute gar nicht erst in diese Schuldenspirale geraten. Mit Schülern der neunten und zehnten Klassen besprechen sie die Themen Konsum, Werbung, Haushaltsplan und Schuldenspirale.

Besonders hellhörig werden die Jungen und Mädchen, wenn es um soziale Medien und Influencer geht. „Den Schülern ist durchaus bewusst, dass Influencer für Werbung bezahlt werden“, sagt Jaegers. „Oftmals wissen sie aber nicht, was alles dahinter steckt.“ Die Influencer würden von den jungen Leuten als Experten auf Augenhöhe wahrgenommen, sie schaffen eine Vertrauensbasis. Dabei sind ihre bezahlten Beiträge oftmals bis ins Detail von den Firmen gesteuert, die sie engagiert haben. „Darum ist es gut, dass Werbung auch in sozialen Medien mittlerweile gekennzeichnet werden muss“, sagt Alexander Jaegers.

Ein Patentrezept für Eltern und Kinder gebe es nicht, sagen die Schuldnerberater. Aber reden helfe immer. „Nichts tun ist das Schlimmste, das man bei Schulden machen kann“, sagt Andrea Verhoeven. In der Familie offen über Geld zu reden, helfe auch in Notsituationen, damit sich betroffene Jugendliche schneller öffnen. Hilfreich könne auch sein, schon früh kleine Rückschläge zu erleben, sagt die Schuldnerberaterin. Oftmals bekämen Kinder und Jugendliche kein Taschengeld, mit dem sie selbst haushalten müssen. Sie bekommen stattdessen immer etwas zugesteckt, wenn es gebraucht wird. „Wer aber selbst einmal merkt, dass er nicht mit ins Kino gehen kann, weil einfach das Geld fehlt, wird es in Zukunft anders machen“, sagt sie. Und wenn für das neue Handy noch das Geld fehlt, müsse man auch mal dafür sparen.

Mehr von RP ONLINE