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Auch bei Jugendlichen im Kreis Kleve stehen Podcasts hoch im Kurs

Schöne (neue) Podcastwelt : Einfach mal was erzählen

Was früher Hörspiele waren, sind heute Podcasts. Bloß spontaner und damit aktueller. Man kann sie überall hören und mit relativ wenig Aufwand sogar selbst produzieren.

Ihr kennt das sicher alle: Mit Kopfhörern vor dem PC sitzen heißt für genervte Eltern: Das Kind macht wieder irgendwelche hirnlosen Computerspiele, statt ein Buch zu lesen oder sich an der frischen Luft zu bewegen. Das mag öfter mal so sein, aber es kann auch etwas anderes bedeuten. Ich habe nämlich ein neues Hobby: Podcasts aufnehmen. Ich bin mir sicher, viele wissen, was das ist, aber keine Sorge, ich werde das auch noch mal erklären. Grundsätzlich ist es nichts anderes als eine vorher aufgenommene Unterhaltung oder, wenn’s einer alleine macht, ein Vortrag. Der Wortbeitrag wird dann von Anbietern wie Spotify, Apple Podcast oder Amazon Prime verbreitet. Gehört werden sie, wie ich recherchiert habe, von Millionen Leuten. Sie selbst zu produzieren, ist gar nicht so schwer.

Das Ganze ist extrem vielfältig, was die Themen und Möglichkeiten und damit auch die Adressaten angeht. Zunächst einmal gibt es viele verschiedene Arten von Podcasts. Manchmal wird über ein bestimmtes Thema geredet, manchmal einfach nur so vor sich hin. Vor allem die letztere Art ist weit verbreitet, da geht’s eben um Unterhaltung. Was nicht heißt, dass die Beiträge deshalb total flach sein müssen. Die Themen, die sich aus den Gesprächen ergeben, sind oft sehr interessant. Manchmal fragt man sich, wie die Podcaster innerhalb von zwei Minuten von Mülltrennung zu Astrophysik kommen. Ganz ehrlich: Das ist für mich besonders spannend, denn so scheinen vor allem junge Gehirne zu funktionieren. Eins folgt auf das andere, und plötzlich sind da Fragen, die einfach mal gestellt werden müssen.

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Sehr spannend sind Geschichten aus dem jeweiligen Leben der Podcaster. Im Alltag steckt man ja immer ziemlich tief in seiner eigenen Welt, hat mit seinen Eltern, Freunden, Lehrern zu tun. Nur selten macht man sich die Mühe, mal über die Lebensbedingungen nachzudenken, mit denen andere zu tun haben. Womit sie klar kommen müssen, was sie beschäftigt oder belastet. Durch einen Podcast kann man sehr viel über die Personen, die ihn betreiben, erfahren, mancher hat offenbar wenig Hemmungen, sich gegenüber den anonymen Hörern zu öffnen. Unter uns: Ich bis deshalb auch gar nicht so scharf darauf, euch den Zugang zu meinem eigenen Podcast zu nennen. Sonst muss ich womöglich bei einer Begegnung auf der Straße plötzlich von Angesicht zu Angesicht erklären, warum ich so oder so denke. Lieber nicht.

Es ist weit verbreitet, dass Influencer oder andere ohnehin schon bekannte Leute einen Podcast starten. Der wird dann natürlich schneller gefunden als der von uns Normalos. An dieser Stelle würde ich gerne den Edeltalk vom Streamer Papaplatte (Kevin Teller) und seinem Freund Reez (Dominik Reezman) erwähnen. Dort erzählen die beiden viel aus ihrer Kindheit, und vor allem Kevin hat da viele sehr seltsame Storys aus seinem Leben beizutragen, während Dominik eher der Vernünftige ist. Zusammen sind sie jedenfalls sehr hörenswert und meine Favoriten.

Aber wie wird man zum Podcaster? Naja, eigentlich braucht man nicht viel: Einen PC, egal wie gut, ein halbwegs anständiges Mikrophon, am besten einen/eine Freund/in, und unbedingt Geduld! Denn man sollte als nicht bekannte Person nicht darauf hoffen, dass Spotify und Co. seinen Podcast sofort auf der Startseite anzeigt. Außerdem sollte man entweder Humor oder Ahnung von etwas Bestimmtem haben. Bloß Quatschen ist eben doch etwas zu wenig. Es gibt keine Regeln, wie man einen Podcast zu gestalten hat, Hauptsache, man nutzt keine Copyright geschützte Musik. Das kann Ärger geben beziehungsweise teuer werden.

Möchte man bestimmte Gruppen erreichen, sollte man auch irgendetwas Interessantes zu erzählen haben. Doch Inhalt beiseite, wie läuft das technisch ab? Als erstes braucht man ein Aufnahmeprogramm, das WAV- oder MP3-Dateien aufnimmt. Nimmt man das bei Windows vorinstallierte, muss man die Datei umwandeln. Hat man dann die beiden einzelnen Spuren der beiden Redner, muss man sie noch irgendwie zusammenfügen. Mein Tipp: Audacity. Das ist ein kostenloses Programm, mit dessen Hilfe man die beiden Dateien einfach und für jeden recht verständlich zusammenführen kann. Ist die Folge dann fertig, muss man sie nur noch ins Netz bekommen. Da hilft der Dienst LetsCast. Er bietet an, die ersten drei Folgen des eigenen Podcasts kostenlos auf die Anbieter-Plattform zu bringen. Danach hängt der Preis von der Menge an Downloads von dem Podcast ab. In den meisten Fälle dürfte er sich also im Rahmen halten.

Ab dann muss man hoffen, dass das, was man macht, der breiten Masse an potenziellen Zuhörern gefällt. Mir persönlich macht das Erstellen von Podcasts sehr viel Spaß, und ich denke, dass es vielen so gehen könnte. Sobald man die ersten aktiven Zuhörer hat, drängt es einen weiterzumachen. So ähnlich geht es wahrscheinlich Musikern oder Schauspielern auf der Bühne. Mit der ersten E-Mail von einem Zuhörer steigt das Engagement ins Unermessliche, und wenn die ersten 100 Downloads erreicht sind, darf man wirklich stolz auf sich sein. Positive Resonanz ist einfach unbezahlbar, aber man sollte natürlich auch mit Kritik umgehen können.

Ich selbst höre Podcasts vor allem beim Spazierengehen mit dem Hund und Warten auf den Bus. Am besten finde ich zurzeit Comedy-artige  Podcasts, denn durch sie  werde ich am Morgen schnell wach und bin fit für den Tag. Ein Tipp also: Versucht’s auch mal. Mit dem PC lassen sich echt coolere Sachen machen als zu zocken.