Frauen-Kolumne: Alleinerziehende – Danke schön!

Frauen-Kolumne : Alleinerziehende – Danke schön!

Alleinerziehende Eltern haben es auf vielen Ebenen schwerer als Paarfamilien. Es gibt aber Programme, die helfen.

Die Zahl der Ein-Eltern-Familien steigt stetig – mittlerweile ist jede fünfte Familie alleinerziehend. In 89 Prozent der Fälle sind es die Frauen, die die Verantwortung für die Versorgung ihrer Kinder übernehmen. Daneben gehen etwa 61 Prozent dieser Mütter einer Erwerbstätigkeit nach, vornehmlich in Teilzeit mit einem durchschnittlichen Stundenumfang von 29,5 Stunden pro Woche. Dabei ist erwähnenswert, dass dies fünf Stunden mehr sind als bei in Teilzeit arbeitenden Frauen, die in Paarfamilien leben.

Das Armutsrisiko dieser Alleinerziehenden und ihrer Kinder ist entsprechend hoch. Gut 42 Prozent gelten als arm- oder armutsgefährdet. Trotz der alarmierenden Zahlen und den daraus resultierenden Folgen wird dieser Problematik wenig Beachtung geschenkt. Vielmehr wird den Betroffenen auch hier ein Großteil der Verantwortung für ihre Situation selbst zugeschrieben und erwartet, dass sie ebenso wie Paarfamilien ihren Verpflichtungen nachzukommen haben. Oft genug sehen sich Alleinerziehende sogar in der Situation, dass bei ihnen in verstärktem Maße darauf geachtet wird, wie sie agieren. Anstelle von Respekt und Achtung gibt es ebenso oft Kritik.

Umso willkommener das seit Anfang 2018 hier im Kreis Kleve auf zwei Jahre angelegte Projekt „EFUS“ – Einelternfamilien fördern und stärken. Im Verlauf dieser sinnvollen und hilfreichen Maßnahme wurde in den Beratungen der Betroffenen sehr deutlich, dass es neben finanzieller Unterstützung auch um andere Probleme geht: Unterhaltszahlungen fließen nicht, Umgangskontakte zwischen Kindern und dem anderen Elternteil gestalten sich schwierig, Familie und berufliche Verpflichtungen sind nicht einfach in Einklang zu bringen, es mangelt an Betreuungsplätzen und bei den vorhandenen Einrichtungen sind die Randzeiten oftmals nicht abgedeckt, Frauen machen sich Sorgen um ihre Rentenansprüche, Alleinerziehende können kein Vermögen aufbauen, weil sie keine Eigenheimfinanzierung bekommen – und so weiter.

In diesem Sinne: ganz gerne noch mehr EFUS – auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Und bis dahin ein „Dankeschön“ an alle Alleinerziehenden.

Marion Claaßen ist Sozialarbeiterin bei der Frauenberatungsstelle Impuls in Goch. FOTO: IMPULS

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