Kleve: Falscher Weg für neuen Straßennamen

Kleve: Falscher Weg für neuen Straßennamen

Bürgermonitor: Der Adolfsweg wird in Herzog-Adolf-Weg umbenannt. Anwohner ärgert die Vorgehensweise der Stadt.

Straßen tragen in erster Linie Namen, um die Orientierung zu erleichtern. Ein schöner Nebeneffekt ist dabei, dass man mit ihnen auch verdiente Personen oder Ereignisse würdigen kann. Die Stadt Kleve hat sich im vergangenen Jahr für die Umbenennung einer Straße entschieden. Darüber ärgern sich die Anwohner, und bei Historikern ruft der Akt Kopfschütteln hervor. Es ist ein misslungener Versuch, dem Willen einer Bürgerin zu entsprechen, ohne dabei die Betroffenen in die Entscheidung mit einzubinden.

So wird der Adolfsweg, der am Ende der Gruftstraße von dieser abzweigt, in Herzog-Adolf-Weg umbenannt. Eine Niederländerin hatte Probleme damit, dass immer wieder Leute "die Stirn runzelten", wenn sie ihre Adresse nannte, da sie oft nicht wüssten, welcher Adolf hier gemeint sei. Ihrer Ansicht nach handele es sich hier um Graf Adolf, der am 28. April 1417 zum Herzog erhoben worden sei. Sicher ist das allerdings nicht. Aufgrund des historischen Kenntnisstandes kann nicht abschließend geklärt werden, welcher Adolf hier der Richtige ist. Selbst die Recherche des Stadtarchivs kommt zu keinem eindeutigen Ergebnis, da sich der Ursprung des Namens Adolfsweg nicht klar belegen lässt. Naheliegend sei die Benennung nach Herzog Adolf, der mehr als 50 Jahre lang regierte. Er wurde 1373 geboren und trat 1394 als Graf Adolf II. die Herrschaft an. Nach seiner Erhebung in den Herzogstand 1417 regierte er bis zu seinem Tod im Jahre 1448 als Herzog Adolf.

Der Adolfsweg führt Richtung Tiergartenwald und ist eine Sackgasse. Am Ende der Straße wohnt Klaus Heckner in einer Villa aus dem Jahr 1900. Heckner ist 89 Jahre alt und lebt hier ebenso lange. Für ihn ist der Namenswechsel nicht nur unverständlich, sondern auch mit erheblichen Mühen verbunden. Heckner hat sich mit der Geschichte der Straße beschäftigt, die seiner Familie und ihm sogar einst gehörte. "Man weiß überhaupt nicht genau, woher der Straßenname stammt. Im 19. Jahrhundert tauchte er erstmals auf", sagt Heckner. Was den Klever auch stört, ist, dass die Anwohner nicht gefragt wurden. "Sicherlich, die Stadt darf das machen. Aber nicht alles, was man darf, sollte man auch tun. Das ist eine Frage des guten Tons und Benehmens."

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Doch ist es für den 89-Jährigen und die Nachbarschaft nicht damit getan, auf ein neues Namensschild am Anfang der Straße zu schauen. "Ich muss jetzt zu Behörden, um etwa meinen Personalausweis ändern zu lassen. Ich kann schlecht laufen und weiß nicht, wie ich dahin kommen soll. Auch muss ich etliche Schreiben an Versicherungen oder zur Bank schicken, um die Änderung anzumelden. Aus meiner Sicht ist das nicht zumutbar." Für den Kenner der Klever Geschichte wäre das Problem ganz einfach zu lösen gewesen. "Es gibt so viele Straßenschilder mit einer zusätzlichen Hinweistafel. Auf der wird erklärt, um wen es sich genau handelt. Das hätte man hier auch machen sollen."

Welche Umstände die Umbenennung verursacht, erfuhr Herbert Jöken (56). Er musste seinen Personalausweis verlängern lassen, weil er in den Urlaub fuhr. Doch durfte er auf diesem noch nicht den neuen Straßennamen eintragen lassen. Daraus folgt, dass er mit dem neuen Ausweis in ein paar Wochen noch zum Amt muss, um den nächsten zu beantragen.

Klaus Heckner jun. (55) hat einen Brief an die Verwaltung geschrieben mit der Bitte, den Beschluss zu überdenken und rückgängig zu machen. Seine direkten Nachbarn haben die Eingabe mit unterschrieben. Ein Wunsch um den den Erhalt eines Straßennamens. Wohin wird das in Kleve führen?

(jan)