1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Evangelisches Jugendhaus Kalkar feierte 20. Geburtstag

Kalkar : Jugendhaus Kalkar feierte 20. Geburtstag

Viele Gäste, darunter auch einige ehemalige Jugendhaus-Besucher, waren zum Aktionstag in die Birkenallee gekommen. Es gab Kreativangebote, internationale Köstlichkeiten und einen Einblick in die Arbeit der Einrichtung.

„Hier wurde ich immer mit offenen Armen und offenen Ohren in Empfang genommen“, so spricht Yvonne Viljehr über das evangelische Jugendhaus an der Birkenallee in Kalkar. Die 29-Jährige verbrachte hier die Nachmittage ihrer Kindheit und Jugend, nun hilft sie, wie sie Zeit hat, als Betreuerin in der Einrichtung, weil sie bewusst „etwas zurückgeben möchte.“

Zur Feier des 20. Geburtstages der Einrichtung schminkte sie kleine und große Besucher. Am Aktionstag waren die Räumlichkeiten des Jugendhauses sehr gut besucht. Viele Kinder nutzten die Angebote zum Basteln und Spielen. Sie bemalten Tassen oder durften im Computerraum nach Herzenslust „zocken“. Die Wände des Gruppenraums wurden verschönert mit einem überdimensionalen Logo. Dazu war Graffiti-Künstler Simon H. aus Emmerich gekommen und führte diejenigen, die auch einmal mit der Sprühdose „malen“ wollten, an die Technik heran.

„Heute sind auch viele Ehemalige hier zu Besuch“, sagte Ilona Kania, Sozialwissenschaftlerin und Leiterin des Hauses. Sie war von Anfang an dabei. Zusammen mit Thomas Hagen, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kalkar, erinnerte sie sich, wie es Mitte der 90er Jahre zu vielen Konflikten unter Jugendlichen gerade in Altkalkar kam.

Kurden und Rußlanddeutsche seien aufeinander losgegangen. „Wir mussten etwas tun“, sagt Thomas Hagen und so engagierte sich die Kirchengemeinde seit 1997 zunächst in den Räumen der Turnhalle an der Birkenallee. Dort war es irgendwann zu eng, die Kirchengemeinde kaufte den Imbiss „Hexenkessel“ gleich gegenüber. Dort wurde umgebaut und Platz geschaffen für eine professionell geführte offene Kinder- und Jugendarbeit. „Zuerst war es ein Schonraum, jetzt machen wir viele Projekte wie Ferienspaß, Kreativangebote, Mädchentreff. Täglich kommen zwischen 20 und 30 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren zu uns“, erzählt Ilona Kania. Mit ihr arbeiten noch zwei Erzieher im Jugendhaus, Annika Neuhaus und Ulrich Kremer. „Ich bin seit 17 Jahren dabei, es ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Kremer.

Besonderheit beim evangelischen Jugendhaus ist auch, dass die Mitarbeiter zur Hälfte für die Kirchengemeinde und zur Hälfte für die Stadt Kalkar arbeiten. Deren Jugendeinrichtung befindet sich gleich nebenan. Weiter betreibt die Stadt Kalkar auch noch eine Jugendeinrichtung Am Bollwerk.

Pfarrer Hagen betont, die Kirchengemeinde sei stolz auf das bisher Geleistete, die anfängliche Konfliktlage habe sich deutlich entschärft. „Hier können sie lernen, Streitigkeiten gewaltfrei zu lösen. Wir fördern die Kinder, und sie kommen auch aus eigenem Antrieb zu uns, wollen sich fördern lassen“, sagte er. Nie sei die Jugendarbeit von der Kirchengemeinde aus finanziell beschnitten worden, sie stehe ganz oben an. Er betonte auch, dass die Arbeit konfessionsunabhängig ist.

Zur Feier des Tages gab es ein buntes „Multikulti“-Buffet, das die bunte Mischung der Besucher spiegelte. Süße Baklawa aus Anatolien waren neben Marmor- und Käsekuchen im Angebot. Eine ganze Woche hatten die Mitarbeiter mit den Kindern an den Vorbereitungen zum Fest gearbeitet. Irina Helm-Schatilow hatte frische Blinis gebacken, eine russische Pfannkuchen-Spezialität aus Buchweizenmehl. Helm-Schatilow ist als Sport-Betreuerin beim Jugendhaus im Einsatz. Hierzu gehören unter anderem Ausgleichsgymnastik, Volleyball und Bewegungsspaß für die Kleinen.

Das umfangreiche Programm des evangelischen Jugendhauses erstreckt sich von montags bis donnerstags von 15 bis 18 Uhr für die Sechs- bis Zwölfjährigen. Hier können sie auch in Ruhe ihre Hausaufgaben machen. Abendangebote für die Älteren gibt es in Form von Computer- und Internetcafé, offenem Jugendtreff und Sportstunden. Weitere Informationen zum Jugendhaus an der Birkenalle 1a finden sich im Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinde.