Kleve: Es bleibt die Traurigkeit

Kleve: Es bleibt die Traurigkeit

Nach 83 Jahren schließt die Klebstoff-Fabrik an der Kalkarer Straße. 50 Mitarbeiter arbeiten dort noch bis zum Ende des Monats. Wie es für sie weitergeht ist ungewiss. Gleiches gilt für die entstehende Industriebrache.

Die Wut hat sich gelegt, geblieben sind Traurigkeit und Unverständnis. Diese Woche wurde im ehemaligen Klebstoff-Werk von National Starch in Kleve zum letzten Mal produziert. Große Teile der Technik und eine ganze Reihe von Mitarbeitern sind an die Henkel-Standorte in Düsseldorf, Porta Westfalica und Süddeutschland verlagert worden. In Kleve arbeiten bis Ende diesen Monats noch 50 Mitarbeiter. Danach werden es nur noch zwölf sein.

Nach vorne sehen

"Aus unserer Sicht haben wir alles getan, was wir tun konnten – wir sind am Ende unserer Möglichkeiten", sagt Noch-Betriebsratsvorsitzende Karin Wilhelm. Aufgegeben habe man nicht, aber alle würden jetzt nach vorne sehen. Wie es für die inzwischen 50-jährige Chemielaborantin und Industriemeisterin dann weitergeht, weiß sie noch nicht. Sie wird mit den letzten Mitarbeitern am 30. Juni in die Transfergesellschaft Bonner Wirtschaftsakademie "wechseln".

Ursprünglich war die endgültige Schließung des Werkes auf Ende diesen Jahren terminiert, war dann aber immer weiter vorgezogen worden. Jetzt ist Mitte des Jahres schon Schluss. Bei den zwölf Handwerkern, die so lange noch bleiben, wird noch viel Herzblut fließen. Denn die langjährigen Mitarbeiter sind mit dem Werk und seiner Produktion verwurzelt – trotz der zahlreichen Besitzerwechsel, die die Fabrik in ihrer 83-jährigen Geschichte erlebt hat. Jetzt sorgen sie dafür, dass die letzten Rohstoffe sicher entsorgt und alle Maschinen richtig stillgelegt werden, denn an der Kalkarer Straße stand immerhin ein Chemiebetrieb.

"Es bleibt dabei, sie haben das falsche Werk geschlossen", ist Wilhelm überzeugt. Das Werk habe so gut dagestanden wie noch nie. Und die moderne Technik wurde ja nicht einfach aufgegeben, sondern kostspielig an anderer Stelle wieder aufgebaut. So dankbar die Betriebsratsvorsitzende Henkel für jedes Angebot an die Mitarbeiter ist, bleiben dabei aus ihrer Sicht zu viele auf der Strecke. Und Niederrheiner sind auch nicht so einfach zu verpflanzen. So weiß Karin Wilhelm von Produktionsmitarbeitern, die jetzt im Henkel-Werk in Porta Westfalica arbeiten und am Wochenende zu ihren Familien am Niederrhein pendeln.

Bleibt abzuwarten, was aus dem Firmengelände wird. Zunächst wird es sich wohl in die Klever Industriebrachen einreihen. Die Herzen der Mitarbeiter werden wohl an der Kalkarer Straße 81 bleiben.

(RP)