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Erweiterung Einkaufsarena Kranenburg wegen Kiebitz vielleicht verzögert

Thema im Bauausschuss : Kiebitz kann Baubeginn verzögern

Die Gemeinde Kranenburg muss für die Erweiterung der Einkaufsarena am „Großen Haag“ naturschutzrechtliche Vorgaben erfüllen. Für größere Probleme sorgt dabei der Kiebitz. Die Population nimmt im Naturschutzgebiet immer weiter ab.

Die Planungen für die Erweiterung der Einkaufsarena laufen seit 2016. Damals wurde erstmals öffentlich darüber diskutiert, das Zentrum „am „Großen Haag“ zu vergrößern. An der Umgehungsstraße soll der zweite Teil der Frische-Arena entstehen. Es ist die Nähe zu den Niederlanden, die für den nächsten Schritt bei der Entwicklung sorgt. Das reichhaltige Angebot in Kombination mit den günstigen Preisen der Discounter und der Vergrößerung würden das Einkaufsparadies noch attraktiver machen. Die Geschäfte laufen weiterhin blendend.

Doch was eine schnelle Umsetzung des Bauvorhabens jetzt stören könnte, ist ein Vogel. Die Population des Kiebitzes nimmt seit Jahren im Kranenburger Bruch ab. Auf dem überplanten Grundstück brütet der Kiebitz nicht – aber unmittelbarer Nähe. Es gilt als sicher, dass er durch die bedrängende Wirkung der neuen Geschäftsgebäude dort vertrieben wird. Die Gemeinde muss Ausgleichsmaßnahmen schaffen, damit sich das Tier an anderer Stelle wieder niederlässt. Die dafür geschaffene Fläche liegt bei Niel.

Der Kiebitz könnte für eine Verzögerung beim Baubeginn sorgen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kleve reichte jedoch die Ausweisung des extensivierten Geländes alleine nicht. Neben dem Gebiet musste darauf zusätzlich eine Blänke (Stillgewässer) angelegt werden. Mit einem Dringlichkeitsbeschluss wurde die Kompensationsmaßnahme jetzt fertiggestellt. Doch besteht trotz der getroffenen Maßnahmen eine Gefahr für die schnelle Erweiterung der Einkaufsarena: Erst muss nachgewiesen werden, dass sich der Vogel in Niel auch niedergelassen hat. Die Maßnahme muss Wirkung zeigen, bevor das Projekt „Erweiterung Einkaufsarena“ fortgeführt werden kann. Bleibt der Vogel dem Gebiet in Niel fern, stoppt das Tier die Entwicklung am „Großen Haag“. Der Vogel kann die Bagger stoppen.

Bei Bürgermeister Günter Steins wird der Kiebitz in der Beliebtheitsskala der Tiere keinen vorderen Platz mehr einnehmen. „Was ich über den Vogel in den vergangenen Wochen gelernt habe, ist enorm. Ich könnte stundenlang darüber referieren“, sagt Steins. Für ihn ist es nicht nachvollziehbar, wie sich und mit welcher Komplexität das Naturschutzrecht in den vergangenen Jahren verändert hat: „Ständig neue Vorschriften und Belange, die dazu noch immer umfangreicher werden.“ Man wisse überhaupt nicht, ab welcher Entfernung das Tier von dem Bauvorhaben beeinträchtigt werde. „Sind es 100 Meter, 30 Meter? Wird das Vorkommen des Kiebitzes auf das gesamte Gemeindegebiet bezogen?“ Es sind die Grauzonen, die Steins auslaugen. Der Verwaltungsleiter hofft darauf, dass der bedrohte Vogel möglichst schnell in Niel heimisch wird. Noch hat Steins die Hoffnung, dass in der zweiten Hälfte des Jahres der Grundstein für das weitere wirtschaftliche Wachstum gelegt werden kann, nicht aufgegeben. Zudem will sich die Verwaltung rechtliche Unterstützung bei der Durchsetzung des Verfahrens einholen.

Dabei waren die Probleme bereits 2017 im Rahmen der Artenschutzprüfung bekannt. Die Untere Naturschutzbehörde hatte die Gemeinde darauf hingewiesen, dass geeignete Maßnahmen für den Kiebitz getroffen werden müssen. Die jetzt durchgeführten und abgestimmten Aktionen, bestehend aus der Extensivierung von Grünland und der Anlage der Flachwassersenke im Bereich Kleyen kann nach Ansicht der Fachabteilung des Kreises bereits im ersten Jahr erfolgreich sein. Einer, der dem Projekt skeptisch gegenübersteht, ist der Vorsitzende der Naturschutzbund -Station Niederrhein, Volkhard Wille. „Ich bin jetzt etwa 50 Jahre in der Düffel unterwegs. Dass sich der Vogel an der vorgesehenen Stelle niederlässt ist sehr unwahrscheinlich.“ Der Naturschützer hatte in einem Gespräch mit der Gemeinde andere Flächen vorgeschlagen, die wesentlich besser für das Vorhaben geeignet seien. „Man hat sich offenbar anders entscheiden“, sagt Wille.

So wie der Fachmann erklärt, wird sich in den nächsten zehn bis 14 Tagen zeigen, ob der Vogel das Gebiet bei Niel annimmt. Wenn nicht, ist ein Baubeginn in diesem Jahr nicht möglich.