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Kranenburg: Erster Warnschuss für Christdemokraten

Kranenburg : Erster Warnschuss für Christdemokraten

Auf der konstituierenden Sitzung des Rates der Gemeinde Kranenburg wurden reichlich Glückwünsche ausgesprochen. Stellvertreter von Bürgermeister Günter Steins sind jetzt Hans-Ulrich Heiden (CDU) und Tatjaana Kemper (SPD).

Viele geschüttelte Hände sowie ausgesprochene Glückwünsche nahmen einen großen Teil der konstituierenden Ratssitzung der Gemeinde Kranenburg ein. Es wurde gratuliert, was die Tagesordnung an Amtseinführungen hergab. Nach der Verpflichtung der Ratsmitglieder durch Bürgermeister Günter Steins ging dieser auf eine Glückwunschtour durch den Ratssaal. Per Handschlag wurde jeder Volksvertreter begrüßt.

In Kranenburg legt man eben besonderen Wert auf ein konstruktives Miteinander. Allein in der Sache will man harte Auseinandersetzungen führen. Das erste bedeutende Duell stand nach den formalen Akten auf dem Programm. Bei der Wahl zum ehrenamtlichen Stellvertreter von Steins standen zwei Kandidaten auf der Liste. Gegen Hans-Ulrich Heiden, den die CDU nominiert hatte, trat Tatjaana Kemper für die SPD an. Aufgrund der veränderten Mehrheitsverhältnisse im Rat, die CDU hat erstmals seit dem Krieg keine absolute Mehrheit mehr, hätte es zu einem spannenden Duell werden können. Die Christdemokraten haben 13 Ratsmitglieder und kämen mit der Stimme von Bürgermeister Steins auf 14. SPD, Bündnis 90/Grünen und FDP besitzen zusammen 15 Sitze im Rat. Bitter für die Sozialdemokraten war, dass ihnen ein Mann fehlte. Peter Welsing war beruflich in Berlin unterwegs und schaffte es nicht, an der Sitzung teilzunehmen. Demnach hätte es höchstens, falls Heiden allein die CDU-Stimmen erhalten hätte, zu einem Patt kommen können. Nach dem Ergebnis dürfte sich ein Ratsmitglied, das nicht der CDU angehört, für Hans-Ulrich Heiden entschieden haben. Denn mit 15 Stimmen wurde der Nütterdener zum 1. Stellvertreter von Steins gewählt. Demnach hätte auch die eine Stimme von Welsing der SPD-Kandidatin nichts gebracht. Bei dieser Abstimmung sind die Christdemokraten ohne Kratzer aus der Nummer herausgekommen. Doch dass dies nicht so bleiben muss, machte Kranenburgs FDP-Chef Theo Elbers deutlich, der klarstellte: "Die CDU kann froh sein, dass sie einen gefunden hat, der für ihren Kandidaten gestimmt hat. Ich verspreche für die weitere Ratsarbeit, dass wir uns immer von Fall zu Fall entscheiden werden, um unsere Vorstellungen durchzusetzen."

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Nachdem Steins die letzten Glückwünsche des Abends an seine Stellvertreter ausgesprochen hatte, ging es zum Abschluss der Sitzung um den Energiehunger der Nachbarn. In den Niederlanden ist geplant, Erdgasvorkommen mit der Fracking-Methode zu erschließen. Diese neue Art der Energiegewinnung will der Rat nicht allein in Grenzen halten, sondern verhindern. Die CDU hatte den Antrag gestellt, die Verwaltung solle den zuständigen Behörden in den Niederlanden eine schriftliche ablehnende Stellungnahme der Gemeinde zukommen lassen. Die Antwort auf die Frage, ob sich die niederländische Regierung davon mächtig beeindrucken lässt, ist ungewiss. Es ging dem Rat darum, klar Stellung zu beziehen. Die Verwendung von Chemikalien, die zusammen mit Wasser und Sand kilometertief ins Erdreich gepresst werden, kann Umwelt und vor allem das Trinkwasser gefährden. Der SPD ging der Antrag nicht weit genug. Manfred Maas forderte: "Die Bürgermeister diesseits und jenseits der Grenze müssen sich zusammensetzen, um dieses Projekt zu stoppen. Eventuell muss eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof eingereicht werden." Steins konnte Maas beruhigen, auf einer Beamtenkonferenz sei die ablehnende Haltung bereits formuliert worden. "Auch die Landesregierung hat sich klar gegen Fracking ausgesprochen", sagt Steins. Einstimmig wurde der CDU-Antrag angenommen.

Nach dem ernsten Thema aus dem Untergrund wurde der gemütlichere Teil eingeleitet. Wasser und Wein gab's im Foyer des Rathauses. Feierabend war angesagt.

(RP)