Kleve: Erste Klimaschutzsiedlung in Kleve

Kleve: Erste Klimaschutzsiedlung in Kleve

Das große Studentenwohnheim mit drei Bauten an der Briener Straße ist Kleves erste Klimaschutzsiedlung in Passivhaustechnik. 115 Studenten sind in der vergangenen Woche eingezogen und freuen sich übers Leben am Wasser.

Daniel Kaufmann hat einen der begehrten Plätze im nagelneuen Studentenwohnheim an der Briener Straße bekommen. Zimmer 304 im orangen Block ist seins. Helle Holzmöbel und genügend Raum zeichnen die Studentenbuden aus — und ein schniekes "Designerbad". Die Gemeinschaftsräume im Parterre haben Rasen vor der Tür (der muss allerdings noch sprießen) und auf der anderen Seite des Radweges liegt der Kanal, die Häuser der Hochschule sind in Rufweite. "Die Lage ist einfach super", sagt Kaufmann, der im zweiten Semester International Taxation studiert und von Kempen nach Kleve gezogen ist.

Daniel Kaufmann in seiner Studentenbude. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Das große Ensemble von drei Häusern ist als erste Klimaschutzsiedlung in Kleve vom Land zertifiziert und wurde in den vergangenen Wochen bezogen. Weiß liegt es mit moderner Fassade von den Hamburger nps-Architekten gezeichnet unmittelbar neben dem Hafencampus. Ausgeführt haben die Klever Architekten Hülsmann und Thieme den Bau, die Zeit- und Kostenrahmen eingehalten haben. Der Außenraum wurde von den Landschaftsarchitekten Junker und Kollegen gestaltet. Es war das gleiche Team, wie beim Bau der Hochschule. Die 102 Wohneinheiten für 115 Studenten auf 2633 Quadratmeter Wohnfläche waren auf Anhieb vermietet. 90 Studenten stehen noch auf der Warteliste. "Wir haben für die drei Gebäude ein eigenes Energiekonzept entwickelt", erklärt Architekt Friedhelm Hülsmann. Das fängt bei der Passivhaustechnik für den Bau an und endet bei den Photovoltaik-Flächen auf dem Dach. Warmwasser wird nicht gespeichert, sondern in Untertischgeräten erhitzt, mit dem Strom, den das Haus selbst erzeugt.

Es gibt sogar einen Raum für eine Batterie. Dort könnte künftig der "überfällige" Strom gespeichert werden, der jetzt noch ins Netz geht, wenn er nicht gebraucht wird. Die Räume werden kontrolliert be- und entlüftet, die schicken Bäder kamen in einem Stück aus der Schweiz und wurden fertig in den Bau eingebaut, erklären die Architekten.

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Selbst die "Bubbles", jene weißen Blasen auf den Glasgeländern der Fenster, die sich auch als Schmuck durchs ganze Haus ziehen, sind mehr als Dekoration. "Wir haben genau ausrechnen müssen, wie viel Sonnenenergie durch die Fenster in die hoch gedämmten Räume fallen darf, ohne dass sich die Zimmer aufheizen", sagt Hülsmann. Also wurden die Gläser, die als Geländer vor den Fenstern stehen, bedruckt. Und sie stehen so nahe am Fenster, dass keine Bierflasche dazwischen passt. "Kühlen soll man im Kühlschrank", sagt Hülsmann trocken. Hülsmann&Thieme haben auch noch Ideen, wie man Energiesparen im Wohnheim didaktisch an der Hochschule auswerten kann. "Aber dafür muss hier erst der Alltag eingekehrt sein", sagt Hülsmann.

Damit die Wände nicht irgendwann zur Leinwand für mehr oder minder hässliche Graffiti werden, sind sie zum Schmuck mit Computer-Strichcodes bedruckt. Jeder Bau in einer eigenen Farbe: Orange, Grün und Gelb. Und auf jedem Flur steht ein Spruch, den Heinz-Walter Pfeiffer, Abteilungsleiter Studentisches Wohnen/Bau und Technik vom Studentenwerk Düsseldorf, ausgesucht hat, erzählt Christian Thieme. Das reicht von Artur Schopenhauers bitterem: "Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt können keine herstellen" bis hin zu Einsteins humoristischen Einwurf: "Das, wobei unsere Rechnungen versagen, nennen wir Zufall".

Betreut werden die Häuser vom Studentenwerk Düsseldorf in Kleve von Klaus Junghenn, der die Schlüsselgewalt hat. Ein Lieblingshaus unter den Studentenwohnheimen hat er nicht: Die haben alle ihren eigenen Charakter", sagt er diplomatisch. Daniel Kaufmann wiederum mag Kleve und sein Heim am Kanal: Er glaubt, dass es nicht mehr lange dauert, bis studentisches Leben in Kleve noch mehr spürbar wird.

(RP)
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