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Kleve: Erneut jüdische Gedenktafel in Kleve beschmiert

Kleve : Erneut jüdische Gedenktafel in Kleve beschmiert

Diesmal ist der ehemalige Synagogenplatz betroffen. 2017 gab es laut Polizei 16 rechtsradikale Taten im Nordkreis.

Ein Unbekannter hat die Gedenktafel am Aufgang zum Klever Synagogenplatz beschmiert. Der Täter hatte mit schwarzer Farbe ein Wort (der Redaktion bekannt) auf die Tafel geschrieben. Die Schmiererei wurde der Polizei bereits am Montag gemeldet, inzwischen haben Mitarbeiter der Stadt sie wieder entfernt. Der polizeiliche Staatsschutz in Krefeld hat die Ermittlungen übernommen, Hinweise nimmt er unter Telefon 02151 6340 entgegen. Es ist der dritte Fall in zwei Wochen, dass der Staatsschutz wegen Nazi-Schmierereien im Kleverland ermitteln muss.

Ende April war bereits eine Tafel zur Erinnerung an das sogenannte Judenhaus in Kleve mit antisemitischen Parolen beschmiert worden. In der Nacht zu Sonntag wurde die Elisabethkirche in Louisendorf mit Hakenkreuzen besprüht. Die beiden Klever Fälle machen jedoch einen anderen Anschein als der in Bedburg-Hau. Während in Kleve gezielt jüdische Denkmäler geschändet wurden, haben die Täter in Louisendorf großflächig randaliert. Neben den Schmierereien wurden dort auch Scheiben einer Grillhütte eingeschlagen oder Mülleimer verbogen. Zeugen hatten Jugendliche beobachtet, die mit Kapuzenpullovern auf Fahrrädern flüchteten.

Ron Manheim ist erster Vorsitzender des Vereins "Haus der Begegnung - Beth HaMifgash", dessen Hauptziel ist, "einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Miteinander im Kleverland leisten". Der Vereinsvorsitzende ist bestürzt über die Nachricht, dass erneut eine Gedenktafel für Juden in Kleve beschmiert wurde. "Ich habe den Eindruck, dass das sehr gezielte Aktionen sind, keine Bubenstreiche", sagt er. Er gehe davon aus, dass es sich um die Taten von "einem oder mehreren deutschen Antisemiten" handele. Manheim: "Wundern tut mich das, was jetzt erneut passiert ist, allerdings nicht. Der Antisemitismus macht sich wieder öffentlich breit."

Polizeiangaben zufolge ist es im Nordkreis Kleve im vergangenen Jahr zu 16 rechtsradikalen Taten gekommen. Elfmal handelte es sich dabei um Verstöße gegen den Paragrafen 86 oder 86a des Strafgesetzbuches, also das Verbreiten von Propagandamitteln oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Man nehme jeden Fall ernst, wie es von der Kreis Klever Polizei heißt. Im Vergleich zu anderen Kommunen gebe es quantitativ aber keine Auffälligkeiten. In NRW gab es laut Landesregierung 3764 rechtsradikale Fälle im Jahr 2017 und 324 gezielt antisemitische.

(RP)