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Bedburg-Hau: Einzug ins "Erziehungscamp"

Bedburg-Hau : Einzug ins "Erziehungscamp"

Am Wochenende wird der erste von acht mehrfach straffällig gewordenen Jugendlichen in die Einrichtung "Haus Ausblick" in Till kommen. Minister Laschet sorgte Anfang Januar für Verwirrung, als er vom "ersten Erziehungscamp in NRW" sprach. Die Bürger bleiben gelassen.

In der "Dorfschmiede", der einzigen Kneipe im 820-Einwohner-Dorf Till in der Gemeinde Bedburg-Hau, ging's gestern hoch her. Tills Senioren feierten Karneval. Höhepunkt des Tages - der Einmarsch von Tulpenprinzessin Kira1. aus Hasselt.

Einen Gast anderer Art erwarten nur einige hundert Meter von der "Dorfschmiede" entfernt Mitarbeiter der Jugend- und Familienhilfe der Kaiserswerther Diakonie. Das erste von acht mehrfach straffällig gewordenen Kindern im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren wird am Wochenende ins "Haus Ausblick" - einen in knapp drei Monaten umgebauten ehemaligen Bauernhof -einziehen. NRW-Familienminister Laschet (CDU) hatte das Projekt, dessen Erziehungskonzept die Diakonie als Träger unter das Motto "Menschen statt Mauern" gestellt hat, Anfang des Jahres als "erstes Erziehungscamp in NRW" angekündigt - und damit für reichlich Aufregung und Verwirrung gesorgt.

"Es ist ein 14 Jahre altes Mädchen", teilt Diakonie-Sprecher Ulrich Schäfer mit. Weitere Angaben will er nicht machen - "zum Schutz des Kindes". Alle in Till betreuten Jugendlichen seien "Intensivtäter", die mehrfach Raubüberfälle, schwere Körperverletzungen und Erpressungen begangen hätten. Bis zur offiziellen Eröffnung am 25.April sollen alle acht Kinder in Till eingezogen sein.

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Ein streng strukturierter Alltag wartet

Im "Haus Ausblick" erwartet die Jugendlichen, die von acht Pädagogen, einem Psychologen und einem Handwerksmeister rund um die Uhr betreut werden, ein streng strukturierter Alltag: Nach dem Wecken gegen 6.15Uhr muss das Frühstück gemacht werden. Danach heißt es: spülen und Küche aufräumen. Schulunterricht und Arbeitstraining in der Hof-Werkstatt oder im Garten folgen.

An das Mittagessen schließen sich betreute Freizeitangebote an. Immer wieder führen die Betreuer gezielte Einzelgespräche mit den Jugendlichen. Nach dem Abendessen heißt es ab 21 Uhr: "Nachtruhe". Verlassen dürfen die Kinder das Hofgelände, das weder eingezäunt noch videoüberwacht ist, nur in Begleitung eines Betreuers. Mit der Polizei ist ein Sicherheitskonzept vereinbart.

(RP)