1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Eine Herberge für Weißbüscheläffchen

Kleve : Eine Herberge für Weißbüscheläffchen

Nach einem Jahr Planungs- und Bauzeit ist das "Tier-Hotel" im Tierpark Kleve fertig. Die Erdmännchen durften bereits im Sommer einziehen, nun folgten die Weißbüschelaffen. Der Bau kostete 50 000 Euro.

In Südamerika sind sie so weit verbreitet wie hierzulande Eichhörnchen oder Krähen. Und ihre Angst vor dem Menschen haben sie längst verloren: die Weißbüscheläffchen. Sie tummeln sich dort in Parks und auf Plätzen.

 Tierpflegerin Marie-Christine Kuypers,Betriebsleiter Dietmar Cornelissen, Sven Brunssen, Elke Vogel (beide Rilano Hotel) und Tierpark-Chef Peter Will.
Tierpflegerin Marie-Christine Kuypers,Betriebsleiter Dietmar Cornelissen, Sven Brunssen, Elke Vogel (beide Rilano Hotel) und Tierpark-Chef Peter Will. Foto: Stade, Klaus-Dieter (kds)

In Kleve sieht das ganz anders aus. Statt auf der Straße wohnen sie dort in einem 4-Sterne-Luxushotel mit Wellness- und Fitnessbereich. Zweimal am Tag lockt das Buffet. Rund 50 000 Euro hat sich der Tierpark die Anlage — in der auch die Erdmännchen untergebracht sind — kosten lassen. Als Sponsor hat das Rilano Hotel einen Beitrag im fünfstelligen Bereich gespendet.

"Ohne den Sponsor wäre das Projekt finanziell nicht zu stämmen gewesen", sagt Tierpark-Chef Peter Will und macht mit Bezug auf den Hotel-Neubau am Spoy-Kanal einen Scherz in Richtung Sven Brunssen, Leiter des Rilano Hotels, und Hotel-Managerin Elke Vogel: "Den großen Bruder unseres kleinen Hotels haben wir damit bei der Fertigstellung leicht überholt."

Größter Posten des Bauprojektes war die Heizanlage, die Wärme aus der Luft gewinnt. "Das ist besonders umweltfreundlich und kostengünstig. Zwar war die Anschaffung teuer, doch die Kosten amortisieren sich", erklärt Dietmar Cornelissen, Betriebsleiter des Tierparks. Bei steigenden Strompreisen sei eine übliche Heizungsanlage nicht wirtschaftlich gewesen. Die hochmoderne Anlage des Tierhotels kann bei Temperaturen von bis zu 20 Grad minus noch Wärme aus der Luft gewinnen.

  • Kleve : Der Tiergarten macht sich winterfest
  • Kleve : Umzug der Erdmännchen
  • Ein neues Zuhause für die Erdmännchen des Tiergartens Kleve

Das ist auch bitter nötig, denn die sonst im Regenwald lebenden Weißbüscheläffchen sind die kalten Winter in Deutschland nicht gewohnt. Bei durchschnittlich 18 Grad Zimmertemperatur lassen es sich die Primaten in Kleve gut gehen. Tierpflegerin Marie-Christine Kuypers erklärt die Vorzüge der Herberge: "Das Gehege ist gut 16 Quadratmeter groß und hat eine Deckenhöhe von fast drei Metern, da sich die Tiere meist in den Ästen aufhalten. Das ist der Fitnessbereich. Wellness haben sie unter Wärmelampen und auf der Heizfläche." Nicht zu vergessen: das Buffet, das zweimal täglich aufgebaut wird. Morgens gibt es Bananen, Paprika, Möhren, Kartoffeln, Fenchel und mehr, am Nachmittag dürfen die Weißbüscheläffchen Harz aus präparierten Baumrinden schlecken und sich über den Brei hermachen. "Mit denen haben wir hier den größten pflegerischen Aufwand", so Kuypers.

Sieben Äffchen an der Zahl genießen zurzeit den Komfort — alles Männchen. "Hätten wir Weibchen dabei, käme es zu vermehrtem Territorialverhalten und Revierkämpfen", erklärt Cornelissen. Doch für die Zukunft sei nicht ausgeschlossen, dass die ein bis drei Jahre alten Tiere eine Dame ins Nest gesetzt bekommen. Auch ein Außengehege ist in Planung. Die dafür erforderlichen Schiebetüren gibt es bereits.

(RP/ac)