Kalkar: Eine Frage des Standorts

Kalkar : Eine Frage des Standorts

Wasserkraft am Wunderland Kalkar – das ist eine schöne Idee. Doch das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg hat zwei Bedenkpunkte. Und die lauten: zu wenig Strömung, zu viele Schiffe auf der Bundeswasserstraße Rhein.

Wasserkraft am Wunderland Kalkar — das ist eine schöne Idee. Doch das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg hat zwei Bedenkpunkte. Und die lauten: zu wenig Strömung, zu viele Schiffe auf der Bundeswasserstraße Rhein.

Theorie gut, Praxis mangelhaft — so niederschmetternd fiel das Urteil von Birgitta Beul zwar nicht aus. Aber die Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg-Rhein hatte zwei entscheidende Punkte entgegen das geplante Flusskraftwerk in Kalkar am Rhein zu setzen. "Zum einen handelt es sich beim Rhein um eine Bundeswasserstraße mit bis zu 600 Schiffen pro Tag.

Zum anderen ist die Strömung am Rand — gerade hier am unteren Niederrhein — mit 1 bis 1,2 Meter pro Sekunde nur gering." Und genau auf diese kommt es an. Denn je mehr Fließbewegung, desto mehr Energie kann der Generator des Flusskraftwerkes erzeugen, wie auch Heinrich Schmidt von Energie Handel GmbH (EHG) im Wunderland Kalkar erörterte.

Das ehemalige Atomkernkraftwerk und heutige Hotel und Freizeitzentrum im Ortsteil Hönnepel hatte gemeinsam mit der SPD Kalkar zu einem Infoabend geladen. Gekommen waren etwa 100 Interessierte, die sich im Konferenzsaal "Kontrollraum" einfanden. Dort berichtete Schmidt über seine Erfahrungen mit einem Flusskraftwerk auf der Elbe in Magdeburg — ein Pilotprojekt, das vor gut einem Jahr an den Start ging.

Ein ähnliches Projekt würden die Kalkarer Sozialdemokraten auch gerne am Wunderland Kalkar realisieren. Der Vergnügungspark selbst wäre ebenfalls mit im Boot. "Wenn das geplante Flusskraftwerk wirtschaftlich tragbar ist, machen wir mit. Absolut. Schließlich möchte sich das Wunderland Kalkar vom Atomkraftwerk zum Bioenergiepark entwickeln", so Geschäftsführer Han Groot Obbink.

Nun stellt sich allerdings die Frage, ob Kalkar überhaupt ein geeigneter Standort ist. Denn um auf eine jährliche Leistung von eine Million Kilowattstunden zu kommen, benötigt das EHG-Wasserkraftwerk mit einer Kapazität von bis zu 130 Kilowatt pro Stunde ein Strömungstempo von mindestens zwei Meter pro Sekunde.

Und daran krankt es selbst an der Elbe, die im Schnitt 1,6 Meter pro Sekunde fließt. Das macht etwa 25 Kilowatt pro Stunde und nur 220000 Kilowatt pro Jahr. "Kalkar bedarf also einer ganz genauen Standortanalyse", sagt auch Schmidt, der zwar aus Duisburg stammt, aber noch nie am Wunderland war.

Ein weiterer Faktor sind die Kosten. Denn das Flusskraftwerk, das seit 2010 auf der Elbe in Sachsen Anhalt schwimmt, kostet bisher etwa 500 000 Euro. "Dabei handelt es sich allerdings um ein Pilotprojekt. Wenn wir in Serie gehen, wird sich der Preis auf geschätzte 70 000 Euro einpendeln", so Schmidt.

(RP/jul)