Bedburg-Hau-Moyland: Eine Entdeckungsreise um die Welt

Bedburg-Hau-Moyland : Eine Entdeckungsreise um die Welt

"Around the World. Farbfotografie vor 1914" heißt die neue Ausstellung in Moyland, die heute, 18 Uhr, eröffnet wird.

Ernst schauen sie ins Bild, blinzeln in der Regel gegen das Licht: Männer und Frauen, Soldaten und Arbeiter. Oder Bauern, gezeichnet von der Arbeit. Meist stehen sie aufgereiht, etwas steif, weil die Belichtungszeiten so lang waren. Hinter ihnen die kaukasische Steppe, norwegische Fjörde, irische Mäuerchen oder die pittoreske Enge der Wiener Judengasse. Sie posieren überall auf der Welt für die Fotografen, die die Welt in Bildern zurück nach Frankreich bringen sollten. Zurück zu ihrem Auftraggeber Albert Kahn. Der war ein reicher Bankier, der zur Jahrhundertwende die "Inventarisierung der Welt" in Auftrag gegeben hatte. Der andere Auftraggeber war Zar Nikolaus, sein Anliegen ein klein wenig bescheidener: Er wollte ein "Inventar" seines riesigen Reiches haben. Damit er es wenigstens in Bildern kennenlernen konnte.

Stereokarten aus der Sammlung des Museums Schloss Moyland. Foto: Gottfried Evers

Ein Stück dieses Inventars ist jetzt in Museum Schloss Moyland zu sehen: Rund 150 Bilder aus der Zeit, als die Fotografie die Farbe entdeckte. Als Männer und Frauen mit ihren Kameras loszogen, von der Weite der Welt zu berichten, von den Menschen, von ihrer Arbeit und von ihren Häusern. Oder von den Landschaften. Wobei Kahn als Auftraggeber wohl auch dokumentieren wollte, dass das Leben der Menschen durchaus friedlich bestimmt war.

Die Fotografen schwirrten aus und trugen rund 72 000 farbige Diapositive zusammen. Rund Zweidrittel der in Moyland gezeigten Fotos stammen aus der Sammlung Kahn, ein weiteres Drittel sind Fotos von Sergei Prokudin-Gorskii für den Zaren. Zusätzlich hat Moyland die Ausstellung, die in Bonn und Berlin noch als Blick in die Welt unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu sehen war, um Fotos aus der eigenen Sammlung und um "Gerätschaften" und "Guckkästen" erweitert, die Landschaften und Menschen möglichst detailgetreu auch in 3D simulieren sollten.

Zusätzlich haben die Kuratoren der Moyländer Ausstellung, Alexander Grönert und Nina Schulze, Wert auf einen interaktive Ausstellungsaufbau gelegt. So können die Stereobilder aus der Moyländer Sammlung vor die Nase gehalten werden, kann der Besucher auch ein altertümliches Porträt von sich machen lassen. So, als würden drei Fotoplatten in blau, grün und rot nacheinander belichtet werden. Außerdem kann man von Moyland aus in das komplette Kahn-Archiv eintauchen. "Wir habe die Ausstellung als Reise vom Niederrhein aus konzipiert", sagt Alexander Grönert. Über Wien geht's Richtung Venedig, nach Paris und Irland, man blickt auf Cornwall und reist weiter über den Balkan in die Welt.

Es ist eine faszinierende Reise in Bildern, die teils modern wirken, teils aber auch von längst vergangenen Zeiten erzählen, in der die Welt auf den Fotos noch in relativer Ordnung erschien. Grönert betont, dass diese Bilder schon allein aufgrund der aufwendigen Technik keine Schnappschüsse sind, dass sie durchkomponiert wurden. Und doch die Wirklichkeit abbilden sollten. "Das ist ein unglaublicher Bilderschatz von historischer und ethnologischer Bedeutung", sagt Moylands künstlerische Direktorin Dr. Bettina Paust. Moyland habe die zunächst auf den Ersten Weltkrieg zugeschnittene Ausstellung neu konzipiert und an den eigenen Moyländer Sammlungsbestand angedockt und mit einem neuen Namen versehen, der das beschriebt, was es auch zu sehen gibt: eine Entdeckungsreise rund um die Welt in schönen, faszinierenden Bildern.

Die Fotos wurden neu abgezogen, werden aber auch, wie historisch praktiziert, wie ein Dia an die Wand geworfen. Grönert und Schulze haben sie in Gruppen geordnet, die große Halle in Sektionen unterteilt und dazwischen die Apparaturen aus der Sammlung von Prof. Werner Nekes gestellt. Die präsentieren in ihrem Inneren auch gar Grausliches, wie Stiche vom Erdbeben in Lissabon - ein Panoptikum, das die Ausstellung abrundet.

(RP)
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