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Ein Wochenende auf Tour in der Region mit dem Wohnmobil

Kreis Kleve : Mit dem Wohnmobil im Kreis Kleve unterwegs

Von Kranenburg bis Kerken, von Rees bis Kevelaer – der Kreis Kleve ist ein El Dorado für Reisemobilisten. Unser Autor Marc Cattelaens war ein Wochenende lang auf Tour – und begeistert. Per Wohnmobil erlebte er die Region auf ganz neue Weise.

Seit 43 Jahren ist Kleve meine Heimat. Man könnte sagen, ich kenne die Region wie meine Westentasche. Deswegen bin ich auch ein bisschen skeptisch, ob es eine gute Idee ist, das erste Wochenende meines Sommerurlaubs im Kreis Kleve zu verbringen – und zwar mit dem Wohnmobil. Doch schon nach den ersten Kilometern wird klar: Der Perspektivwechsel – in der Regel bin ich mit dem Fahrrad unterwegs – hat einen enormen Reiz. Die hiesigen Städte und Gemeinden  lassen sich ganz neu erleben, wenn man das eigene Bett und Wohnzimmer dabei hat. Gerade im Rückblick, nach 14 Urlaubstagen an der Ostsee, wird deutlich: Die Heimat ist wie geschaffen für Reisemobilisten. Die meisten Stellplätze liegen landschaftlich reizvoll und zugleich zentral. Angst davor, keinen Platz mehr zu bekommen, muss niemand haben, auch nicht in der Hauptsaison. Und – im Gegensatz zu den touristischen Top-Zielen – ist die Übernachtung auf allen Stellplätzen im Kreis Kleve ein erschwingliches Vergnügen.

Etwa in Wachtendonk, eine der beiden Destinationen, die wir uns für das Wochenende ausgesucht haben. Sieben Euro zahlen wir für eine Nacht auf dem Stellplatz „Achter de Stadt“, Frischwasser und Strom kommen extra. Das Geld für die Übernachtung legen wir in einen Briefumschlag, den wir in einen verschlossenen Kasten werfen. Der Eindruck, dass jemand kontrolliert, ob wir bezahlt haben, drängt sich nicht auf. Irgendwie finden wir es toll, dass eine solche „Vertrauensbeziehung“ zwischen Reisemobilisten und Anbietern heute noch funktioniert. Wir sind begeistert, welch tolle Lage sich die Gemeinde für ihren Stellplatz ausgesucht hat. Der Name täuscht, denn der Platz liegt eher mittendrin als außen vor. Er bietet 24 Stellflächen auf ebenem, geschotterten Untergrund. Nachdem wir die Stromstecker in die Ladesäule und unser Wohnmobil eingesteckt haben, holen wir die Räder vom Fahrradträger und rollen in die City. Schnell merken wir: Zu Fuß wäre es genau so gut gegangen. Im Ortskern haben wir sofort einen „Wow-Effekt“. 120 denkmalgeschützte Häuser reihen sich aneinander. Quasi der ganze Ort ist historisch bedeutsam, und die vielen alten Häuser faszinieren uns. Wir lassen uns durch die Straßen und Gassen, die erstmals im 16. Jahrhundert verzeichnet wurden, treiben. Unsere Radtour führt uns vorbei an der alten Pfarrkirche Sankt Michael, am Bürgerhaus „Altes Kloster“ und am Pulverturm.  Wir statten dem altehrwürdigen Haus Püllen mit dem Naturparkzentrum des Naturparks Schwalm-Nette einen Besuch ab und gelangen zur ehemaligen Burganlage der Festung Wachtendonk. Unser Eindruck: Hierhin müssen wir unbedingt noch mal kommen und etwas mehr Zeit mitbringen. Dann lohnt sich auch eine Kanutour auf der Niers oder eine längere Radwanderung durch den Naturpark.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf in Richtung Rees, um dort noch mehr in die Geschichte der Region einzutauchen und die älteste Stadt am gesamten Niederrhein zu erkunden. Der Reisemobilstellplatz „Ebentalstraße“, 400 Meter vom Stadtzentrum gelegen, ist rein größenmäßig eine andere Hausnummer als der in Wachtendonk. 46 Stellflächen auf Schotterrasen bieten reichlich Platz. Die acht Euro pro Tag inklusive Strom sowie Ver- und Entsorgung werfen wir in einen Automaten. Da die hochsommerliche Hitzewelle Fahrt aufnimmt, freuen wir uns über Schatten spendende Bäume. Dass dafür die Satellitenschüssel auf dem Dach unseres Wohnmobils keinen Sender findet, weil die Bäume den Empfang verhindern, stört uns überhaupt nicht – wer will schon fernsehen, wenn er den Abend auf der Rheinpromenade verbringen kann? Und genau das machen wir, aber erst, nachdem wir uns die City angeschaut haben. Erneut sind wir beeindruckt, wie viel Historisches heute noch erlebbar ist: Die alte Stadtmauer, die Kasematten oder der Mühlenturm. An der Rheinpromenade lassen wir den Tag bei einem Glas Wein ausklingen und schauen den dicken Containerschiffen dabei zu, wie sie im Sonnenuntergang langsam ihre Bahnen ziehen.

Dann ist das Wochenende auch schon wieder vorbei, und es zieht uns in den hohen Norden. Noch gerne denken wir an die beiden Tage mit dem Wohnmobil im Kreis Kleve zurück und stellen fest: Das Gute liegt manchmal so nah.