Kleve: Ein Stück Geschichte

Kleve : Ein Stück Geschichte

Der "Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2010" wurde gestern druckfrisch in der Kreisverwaltung Kleve vorgestellt. Mit Chronik und vielen Geschichten aus der Geschichte.

Manchmal hat man das Gefühl, es weht ein Stück Vergangenheit herüber. Geschichten vom Gestern: Von den großen Kriegen, von Menschen, die auf Aalschockern fischen wie anno dazumal, vom großen Tannenbusch, der 1619 angepflanzt wurde. Oder von Schatten in Baugruben, die den Weg der alten Stadtmauer nachzeichnen. Der neue "Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2010", der gestern druckfrisch von Herausgeber Heinz Sack vom Klever Boss-Verlag und dem Redaktionsteam vorgestellt wurde, wühlt wieder tief in dieser Vergangenheit des Klever und Gocher Landes und hält Teile davon fest.

Die Briefbeiträge

In vielen Geschichten lassen das Team – Wiltrud Schnütgen, Wilhelm Diedenhofen und die Archivare Hans Joachim Koepp und Bert Thissen – und seine Autoren schlicht die Menschen aus dieser Zeit sprechen. Schön die Briefbeiträge aus dem Ersten Weltkrieg, der in Frankreich immer noch als der Große gilt. Oder das Tagebuch einer Gefangenschaft bei den US-Amerikanern. Schön auch die Schülererinnerung an den Künstler Hermann Teuber, der vor 25 Jahren starb und auf der Gaesdonck Zeichenlehrer war. So wie später Franz-Josef van der Grinten, dessen legendäre Radtour nach Paris jetzt auch ihren Niederschlag im Heimatkalender findet.

Interessant die Erinnerungen eines Engländers, der 1933 über Goch durch Deutschland wanderte und die niederrheinische Stadt ins westfälische verlegte, überall SA-Männer sah, die allerdings, so sein Eindruck, besser singen konnten als die heimische Rugby-Mannschaft. In Goch lernte er auch die Stock-Nägel kennen – jene kleinen Plaketten an den Spazierstöcken der wanderer, die es überall kostenlos gab.. Auch wenn die aus der Erinnerung geschrieben Zeilen, dem Mann wurde das Tagebuch gestohlen und er musste seine Notizen über Goch aus der Erinnerung notieren, einige Fehler enthält, wie Koepp nachweist.

Wunderbar wie Egon Riepe ein Stückchen von Kleve sucht – und ihm doch nur die Dinge einfallen, die Vergangenheit, die verloren sind. Wie die Sportvereine SC63 oder VfB03, wie Hotel Bollinger oder die Steine vom Opschlag, die auch schon ausverkauft sind . . .

Die Randnotiz

Doch bei aller Vergangenheit wäre dem Kalender beinahe die Gegenwart abhanden gekommen: Hätte Ralf Daute nicht an den alten Hafenmeister erinnert (lesenswert und sehr gut mit Getlinger-Fotos illustriert), wäre das Hauptereignis des Jahres lediglich Randnotiz im Kalendarium gewesen, neben dem ersten Spatenstich zum Bau einer Asia-Sauna am Emmericher Freizeitbad: Die Einrichtung der Hochschule Rhein-Waal.

Das Gleiche gilt für die Museen – die beiden Hauptmotoren des kulturellen Lebens im Klever Land, Moyland und Kurhaus, finden erst gar nicht statt (sieht man von der Chronik ab). Aber das sind die einzigen Wehrmutstropfen in einem Heimatkalender und das Team kann sich ja künftig kümmern. Denn ansonsten bringt der "Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2010" wieder ein gutes Stück Klever Geschichte und Geschichten – ein schönes wie griffiges Geschenk zu Weihnachten.

(RP)