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Kleve: Ein Sparclub ohne Geld

Kleve : Ein Sparclub ohne Geld

In der Klever Gaststätte "Marställchen" wurde ein Jahr fleißig Geld in die Spardöschen gesteckt. Als der Tag der Ausschüttung kam, fehlte der Hauptkassierer mit der gesamten Einlage.

Ein Jahr lang hatten die Mitglieder des Sparclubs der Klever Gaststätte "Marställchen" fleißig Banknoten in einen an der Wand hängenden Kasten gedrückt. In der vergangenen Woche sollte es zur großen Ausschüttung kommen. Doch kippte die Stimmung bei den Sparern einen Tag bevor die gut gepolsterten Briefumschläge über den Tresen geschoben werden sollten.

Knapp 25 000 Euro weg

Der Kassierer des Clubs hatte einem Mitglied einen Brief geschrieben und diesen bei ihm eingeworfen. Sinngemäß stand dort geschrieben: Es tue ihm furchtbar leid, er habe jetzt wohl viele Freunde verloren. Er müsse sich auch entschuldigen, aber das Geld sei weg. Doch werde er versuchen, dies zurückzuzahlen.

Weg waren in dem Fall etwa 25000 Euro. Ein Mitglied des Clubs sagte der RP: "Für den hätte ich meine Hand ins Feuer gelegt." Einmal in der Woche wurde der Inhalt der Spardosen geleert, der Kassenwart hatte die Beträge mitgenommen. Normalerweise werden diese dann auf das Konto des Clubs eingezahlt. Das Ehepaar Hilde und Gerd Ebel, die Gastronomen des Marställchen, hatten den Hauptkassierer häufiger auf das Sparbuch angesprochen. "Der hatte es immer gerade dann vergessen, wenn ich nachgefragt hatte", sagt Gerd Ebel. Gestern erhielt Ebel noch ein Einschreiben vom ehemaligen Kassenwart. In dem steckte der Schlüssel für den Sparkasten versehen mit dem Hinweis, dass es gar kein Sparbuch gebe. Der Wirt selbst muss 630 Euro abschreiben. 22 Sparer hatten sich ein Jahr an die Regeln des Clubs gehalten und regelmäßig ihr Kästchen mit Geld gefüttert. Völlig umsonst. Ein Sparer hatte 3300 Euro gesammelt. Er wollte seiner Frau und sich mit der Spareinlage zum 50. Geburtstag eine Kreuzfahrt schenken. Doch wollen die Mitglieder die Gelder nicht einfach abschreiben (siehe Info-Kasten).

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Neben dem Tag der Auszahlung, der einen unerwarteten Verlauf nahm, gibt es im Club auch immer ein Sparfest. Dort werden die Strafen vertrunken und ordentlich gegessen. Für den Zweck hatte der Kassierer dem Verein noch großzügig 1000 Euro überlassen. Der Ruhepuls einiger Partygäste dürfte auf der Veranstaltung seine normale Bahn verlassen. Hier helfen wohl höchstens noch so Gedanken aus der Serie: "Hauptsache, die Familie ist gesund".

Wenn man die Gaststätte in der Klever Innenstadt betritt, sind neben dem Sparkasten die Regeln des Klubs an der Wand angebracht. In einer heißt es: "Die Auszahlung erfolgt bei der Leerung am Jahresende." Ausnahmen bestätigen die Regel.

(RP)