Kalkar: Ein Poker um Wasser und Geld

Kalkar: Ein Poker um Wasser und Geld

Die Stadtwerke Kalkar wollen für 30 Jahre Wasser aus der Wassergewinnungsanlage Obermörmter fördern. Das befristete Schöpfungsrecht läuft zum Jahresende aus. Das Unternehmen hat deshalb bei der zuständigen Bezirksregierung in Düsseldorf einen Antrag gestellt, weiterhin Trinkwasser zu fördern.

Düsseldorf entscheide über das Begehren, aber in diesem Verfahren werde auch die Stadt Xanten gehört, sagte gestern der Prokurist der Stadtwerke, Franz-Josef Boenke, im RP-Gespräch. Nun hat Xanten mit einem Ratsbeschluss Widerspruch gegen den Plan des Unternehmens eingelegt. Als ein Grund wird angeführt, dass die Bedarfsprognose der Stadtwerke nicht richtig sei. Denn der überwiegende Teil des geschöpften Wassers diene zur Versorgung der Xantener Ortsteile Obermörmter, Vynen und Marienbaum.

180 000 Kubikmeter

"Das stimmt nicht, weil im vergangenen Jahr die drei Ortsteile mit 180 000 Kubikmetern versorgt worden sind", so Boenke. Beantragt sei bei der Bezirksregierung aber ein Schöpfungsrecht von 650 000 Kubikmetern jährlich. Die Wassergewinnung sei wichtig, um Kalkar zu versorgen. Außerdem seien nur 15 Prozent des Bodens, aus dem Wasser geschöpft werde, in Xanten – 85 Prozent in Kalkar.

Die Xantener Ablehnung ist offensichtlich damit begründet, dass der Konzessionsvertrag zur Belieferung von Obermörmter, Vynen und Marienbaum zwischen Stadtwerke und Xanten zum Jahresende ausläuft. Die Nachbarstadt will sich wohl im Poker um Wasser und auch Geld gute Karten verschaffen. Xanten glaubt, eine Scharte von 1997 auswetzen zu können. Damals ist nach Vorstellungen des Bürgermeisters Christian Strunk das Leitungsnetz zum Ertragswert veräußert worden, der Rückkauf jedoch zum höheren Wiederbeschaffungswert vereinbart worden. Dieses vermeintliche Ass soll nun als Trumpfkarte im Spiel um die Vertragsverlängerung eingesetzt werden.

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Xanten muss kaufen

Doch Boeneke widerspricht der Auffassung aus Xanten. Die Stadt habe 1997 nicht Anteile am Wassernetz, sondern an der Gesellschaft "Wasserersorgung Kalkar-Xanten" an die Stadtwerke Kalkar veräußert. "Wenn Xanten den Konzessionsvertrag zur Belieferung von Obermörmter, Vynen und Marienbaum nicht fortführen will, muss die Stadt sogar das Netz zum Substanzwert kaufen", erklärte der Prokurist.

Xanten hat vor 13 Jahren für das Geschäft 600 000 Mark bekommen. Für den Erwerb der Leitungen wären nach Experten-Schätzungen bis zu sieben Millionen Euro fällig. Beide Seiten haben nun einen Gutachter eingeschaltet, der den Wert des Netzes ermitteln wird.

Die Stadtwerke Kalkar haben auch ein Interesse an einer Einigung. Denn ein langfristig gesichertes Wassereinzugsgebiet steigert den Marktwert des Unternehmens.

(RP)