Kleve/Santa: Ein Klever macht Karriere in Bolivien

Kleve/Santa : Ein Klever macht Karriere in Bolivien

Der Bodenmikrobiologe Christian Bomblat aus Kleve leitet in Santa Cruz eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt. Studierenden der Hochschule Rhein-Waal will er Praxisstudiensemester auf dem 400 Hektar großen Betrieb anbieten.

Cruz Die weite Welt kennenlernen - diesen Traum hat sich Christian Bomblat erfüllt. In Kleve wurde er geboren, das Abitur hat er am Konrad-Adenauer-Gymnasium gemacht, danach zog es den heute 53-Jährigen in die Ferne. Erst absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderheim in Bolivien, dann studierte er in den USA Umweltwissenschaften.

Schließlich ging er wieder zurück nach Bolivien, wo es ihm so gut gefallen hatte. Der Bodenmikrobiologe nahm eine Stelle beim Zentrum für angewandte Ökologie Simón I. Patiño in Santa Cruz an. Als Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt ist er heute Herr über eine Fläche von mehr als 400 Hektar und Chef von 29 Mitarbeitern.

Christian Bomblat setzt auf Kooperation. Ein Beispiel: Bauern aus der Region lernen, wie Silage hergestellt wird. Foto: Centro de Ecología Aplicada Simón I. Patiño

Auf dem Betrieb setzt Bomblat voll auf nachhaltige Landwirtschaft. "Die Böden hier sind teils Millionen Jahre alt. Sie sind ausgelaugt und sehr empfindlich. Deswegen darf man nicht einfach weiter abholzen, sondern muss die Flächen vernünftig und vorsichtig bewirtschaften", sagt er.

Der Betriebsleiter lässt große Waldflächen auf dem Gelände bestehen, auch Brachflächen, damit sich die Natur erholen kann. "Wir beachten die Fruchtfolge, bringen Dünger aus", erläutert der Umweltwissenschaftler. Maniok, Mais, Sonnenblumen, Kartoffeln und Sojabohnen wachsen auf den Feldern. Auf den Weiden grasen Pferde und Rinder.

Christian Bomblat (53) aus Kleve arbeitet in Bolivien. Foto: Marc Cattelaens

Das Prinzip der Nachhaltigkeit wendet Christian Bomblat nicht nur im Anbau an. Ihm ist wichtig, dass die Bauern aus der Region von seinem Wissen profitieren. Auch er will von den Nachbarn lernen. So gibt es ein Netzwerk aus Einheimischen, die in der Nähe der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt leben. "Man hilft sich gegenseitig. Auf unserem Betrieb kann man Landwirtschaft von ganz klein bis riesengroß erlernen", sagt der 53-Jährige. Auch behinderte Schüler werden dort ausgebildet.

"Man kann hier so gut wie jedes Handwerk lernen. Wir machen alles selbst, auch Maurer- und Zimmererarbeiten", betont Bomblat. Umwelterziehung gehört zum Anbau des Zentrums für angewandte Ökologie. Regelmäßig finden so genannte Fledermausnächte, bei denen die Mitarbeiter Interessierten Wissenswertes über die geflügelten, nachtaktiven Tiere vermitteln, statt.

Junge Menschen aus aller Welt kommen nach Santa Cruz, um auf dem Betrieb zu arbeiten, zu forschen und nachhaltige Landwirtschaft zu lernen. Bomblat ist es ein Anliegen, dass auch die Menschen aus seiner Heimat Kleve das Zentrum für angewandte Ökologie kennenlernen. Deswegen ist der 53-Jährige regelmäßig in der Schwanenstadt - nicht nur, um seine Mutter und Freunde zu besuchen, sondern auch, um über seine Arbeit zu informieren.

So hat er mehrfach Vorträge bei der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Haus Riswick in Kellen gehalten. Vor einigen Tagen war er am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, um dort den letzten von drei Vorträgen über die landwirtschaftliche Versuchsanstalt zu halten. Erdkundeschüler der Oberstufe nahmen an den Vorträgen teil. Ebenfalls hatte er ein Gespräch mit Wissenschaftlern der Hochschule Rhein-Waal.

"Es gibt interessante Kooperationsmöglichkeiten in den Studiengängen Bio Science and Health, Bioengineering, Biological Resources, Sustainable Agriculture, Agrobuisiness, Qualität, Umwelt, Sicherheit, Hygiene und Lebensmittelwissenschaften", zieht Bomblat ein Resümee. Er bietet Studenten dieser Fachrichtungen an, auf seinem Betrieb in Bolivien ein Praxisstudiensemester zu machen.

(RP)
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