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Kleve-Kellen: Ein Klever bediente die Stars seiner Zeit

Kleve-Kellen : Ein Klever bediente die Stars seiner Zeit

Theodor Kock aus Kleve-Kellen gelangte über zwei Weltreisen nach Amerika, wo er als Chef-Kellner eines Luxus-Hotels Stars wie Marlene Dietrich, Greta Garbo und Max Schmeling bediente. In den USA fand er auch privat sein Glück.

Wer träumte früher nicht davon, einen Onkel in Amerika zu haben. Für die fünf Geschwister Kleinmanns aus Kellen wurde dieser Traum Wirklichkeit. Theodor Kock, ein Bruder ihrer Mutter Paula Kleinmanns, geborene Kock, hatte ein besonderes, arbeitsreiches Leben jenseits des Atlantiks. Schon als kleiner Junge fragte er seine Mutter, ob er den Tisch decken dürfte. Und mit einer eleganten Handbewegung legte er das Tischtuch auf und dekorierte Porzellan und Besteck. Seine Berufung zum Kellner schien somit schon im Kindesalter vorgezeichnet.

Er lernte das Fach im renommierten Breidenbacher Hof in Düsseldorf und in den Niederlanden. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, kam er als Kellner über Holland auf große Schiffe und umrundete damit zweimal die Welt. Neben seinem Geschick kam ihm in seinem Beruf seine ausgesprochene Sprachbegabung zugute, denn er beherrschte sieben Sprachen. 1918 kehrte er nach Kellen zurück. Jahrzehntelang arbeitete er in Amerika. Es dauerte lange, bis er den amerikanischen Pass bekam, doch sein beruflicher Ehrgeiz kannte keine Grenzen. In seiner neuen Heimat heiratete er eine deutsche Frau, Tante Hattie, und fand einige deutsche Freunde, darunter Angehörige der Familie Hortmann aus Kellen und der Familie van Gelder aus Kleve. Sein Wohnsitz war auf Long Island. Den Höhepunkt seiner beruflichen Karriere erlebte Onkel Theo als Chefkellner im Luxus-Hotel "Pierre" in New York.

Dort war er Chef von 72 Kellnern. Er war Vorkoster beim Essen des amerikanischen Präsidenten und bediente namhafte Persönlichkeiten aus der ganzen Welt. So war der äthiopische Kaiser Haile Selassie (1892-1975) Gast im Hotel Pierre. Kontakte hatte er durch seinen Beruf mit Größen aus dem Boxsport, beispielsweise mit Max Schmeling (1905-2005) und Joe Louis (1914-1981).

Auch Barbara Hutton (1912-1979), eine US-amerikanische Kaufhaus-Erbin, die sieben Mal verheiratet war und als reichste Frau der Welt galt, wurde von ihm bedient. Er durfte den weltberühmten Filmschauspielerinnen Greta Garbo (1905-1990) und Marlene Dietrich (1901-1992) das Essen servieren. Auch in anderen namhaften Hotels in New York arbeitete er als Oberkellner, so im "Waldorf Astoria" und im "The Sherry-Netherland".

Eine besondere Auszeichnung erfuhr Theodor Kock, bevor er nach Amerika auswanderte, als Kellner des deutschen Kaisers Wilhelm II., der sich seit 1920 im niederländischen "Huis Doorn" im Exil befand. Da der Kaiser von Geburt an einen gelähmten, kürzeren linken Arm hatte, musste Theodor Kock Seine Majestät seitenverkehrt bedienen. Eine kaiserliche Dankes-Urkunde bezeugte seine Dienste auf Schloss Doorn.

Zahlreiche Autogramme und Dankschreiben prominenter Gäste konnte er sein Eigen nennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen von Onkel Theo und Tante Hattie Hilfspakete aus Amerika zur Familie Kleinmanns, deren Haus beim Bombenangriff am 7. Oktober 1944 völlig zerstört wurde.

Dann endlich, nach 36 Jahren, kam 1954 der Onkel zum Familienbesuch nach Kellen. Eine der drei Kleinmanns-Töchter, Martha, besuchte ihre Verwandten 1957 in Amerika.

Der Onkel starb unerwartet im Alter von 72 Jahren in New York.

(RP)