Kleve: Ein Iglu und die Zahlen der Natur

Kleve : Ein Iglu und die Zahlen der Natur

In der Kurhaus-Ausstellung über Konrad und Dorothee Fischer gibt es Werkgruppen, die wichtige Positionen der Kunstgeschichte ebenso beleuchtet, wie sie das Werk einzelner Künstler der Nachkriegsmoderne abbildet. So wie Mario Merz. Mittwoch ist eine Führung für Freunde.

Der Iglu ist das Haus des italienischen Arte-Povera-Künstlers Mario Merz. Er ist Ort der Heimat und der Zuflucht ebenso wie vorübergehendes Bauwerk, Lagerplatz eines Nomaden. Merz baute seine Iglus in der Regel aus gebrochenen Glasscheiben, die er mit Klemmen an einem halbrunden Stahlgestell befestigte. Merz' Iglus sind so berühmt, dass sie heute in kaum einem Museum für Moderne Kunst fehlen dürfen. Mit der Ausstellung "Dorothee und Konrad Fischer: Archiv einer Haltung", hat das Klever Museum auch wieder einen Iglu.

Fibonacci-Zahlen

Mit Mario Merz, dessen Kunst eine bedeutende Position nicht nur in der Nachkriegsgeschichte internationaler Kunst einnimmt, sondern auch in der Sammlung Fischer breiten Raum findet, kommt ein alter Bekannter in die Schwanenstadt. Das Klever Museum widmete seinem Bestiarium eine große Einzelausstellung und zeigte anfangs aus der Sammlung Ackermanns große Installationen des Italieners. Eine davon, mit den typischen Reisigbündeln und der Fibonacci-Zahlen, ist jetzt sogar wieder zurück im Kurhaus.

Merz' Werke haben quasi einen Raum für sich in der überbordenden Fischer-Ausstellung. Im abgetrennten Oberlichtsaal sind sie zu einer respektablen Gruppe versammelt, die auf knappen Raum einen tiefen Einblick über 30 Schaffensjahre in Merz' Werk gibt. Markenzeichen des Iglus ist die schmale, lange, orangerot leuchtende Neonröhre, die ihm den Namen gibt. "Zeus-Lanze" heißt der Iglu deshalb. "Mario Merz stellte zum ersten Mal im Frühjahr 1970 noch in Konrad Fischers Raum in der Neubrückstraße aus — und zwar mit den Inkunabeln seiner Kunst, einem Iglu mit der Folge rapide anwachsender Zahlen", sagt Dr. Roland Mönig, kommissarischer Leiter des Museums Kurhaus.

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Der jetzt im Kurhaus gezeigte Iglu trägt diese Zahlenfolge nicht — dennoch sind sie aber hier präsent: Aufgeschrieben in einer Zeichnung oder leuchtend aus Neonzahlen. Es ist die Folge des mittelalterlichen Mathematikers Fibonacci, der damit versucht, das explosive Wachstum in der Natur zu verdeutlichen, genau genommen beschrieb er damit das Wachstum einer Kaninchen-Population. Dabei ergibt sich die nächste Zahl aus der Addition der letzten beiden, so dass die Zahlen schnell groß werden: 1 1, (1+1) 2, (2+1) 3, (3+2) 5, (5+3) 8 . . .

Mönig ist stolz: "Das ist ein veritables Panorama der Kunst des großen Italieners".

(RP)
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