Eichenprozessionsspinner in Kita in Kleve - Kinder müssen drinnen bleiben

Kita in Kleve : Kinder müssen wegen Eichenprozessionsspinner drinnen bleiben

Das Außengelände der Kita St. Barbara in Kranenburg-Nütterden ist gesperrt. Sechs Bäume waren vom Eichenprozessionsspinner befallen. Mehrere Kinder hatten erhebliche gesundheitliche Probleme. Jetzt sollen die Eichen gefällt werden.

Der Sommer ist für die Kinder der Kita St. Barbara in Nütterden gelaufen. Seit Monaten dürfen sie nicht auf dem Außengelände der Kita spielen. Und das bei Rekordtemperaturen. Schuld sind „doofe“ Raupen.

Auf dem Gelände der Kita stehen insgesamt 15 Bäume. Sechs davon sind groß gewachsene Eichen, die alle vom Eichenprozessionsspinner befallen waren. Mit diesem Schmetterling haben Kinder und Erzieherinnen reichlich Erfahrung. Seit Jahren werden die Eichen vorsorglich gegen den Eichenprozessionsspinner gespritzt. Im vergangenen Jahr verlief das erstmals nicht erfolgreich. Als eine Firma die Nester entsorgte, wurde dabei das Erdreich kontaminiert. „Mehrere Kinder hatten erhebliche gesundheitliche Probleme. Dieser juckende Hautausschlag ist fast unerträglich“, sagt Kita-Leiterin Annegret Aengen-Eyndt. Die Folge: Der Spielplatz der Kita konnte mehr als ein halbes Jahr nicht genutzt werden.

Schon damals wollte die Kindergartenleitung die Eichen am liebsten fällen lassen. Doch nach einem Gespräch mit dem ausführenden Unternehmen, Vertretern der Kreisverwaltung Kleve und der Gemeindeverwaltung Kranenburg entschied sich der Träger der Kita, der Kirchenvorstand von St. Antonius Abbas, dagegen. Baumschutz und Natur gehen vor, so der damalige Konsens.

Damit das Malheur nicht noch mal passiert, wurde für das Jahr 2018 eine frühzeitige Vorbehandlung der Bäume beantragt. Das komplette Erdreich rund um den Kindergarten wurde abgetragen, der Rasen neu eingesät. 12.000 Euro kostete das, eine Versicherung übernahm den größten Teil.

Doch dann kam das Problem mit aller Macht zurück. Im Mai wurden mehr als 40 Nester in den Eichen rund um den Kindergarten entdeckt. „Dieses Mal war es wirklich extrem. Wohl auch wegen der Hitze“, sagt Pfarrer Jörg Monier. Viele Kinder wurden von ihren Eltern mit allergischen Reaktionen krank gemeldet. Sofort sperrte der Träger das Außengelände der Kita. „Anfangs haben wir noch den Spielplatz bei Netto genutzt. Das ging bis zu den Ferien mehr schlecht als recht. Jetzt sind aber die Zweijährigen da, mit denen können wir das Gelände nicht verlassen“, sagt Annegret Aengen-Eyndt.

Mitte Juli zog der Träger die Reißleine: Der Kirchenvorstand beschloss, dass die Eichen weg müssen. Die Bürger der Gemeinde wurden befragt, ob sie damit einverstanden sind. „Wir haben viel Zustimmung erfahren, doch es gab auch Gruppen, die sich dagegen ausgesprochen haben“, erinnert sich Pfarrer Monier. Weil das gesundheitliche Wohl der Kinder jedoch letztlich höher als die Liebe der Nicht-Betroffenen zu den Bäumen eingestuft wurde, beschloss man, die Eichen Fällen zu lassen.

Doch das ist nicht so einfach. Der Träger stellte einen entsprechenden Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kleve. Die Antwort: Eine Genehmigung der geplanten Fällung ist nicht notwendig, wohl aber ein Artenschutzgutachten. „Dabei wird geschaut, ob seltene Vögel oder Käfer vorhanden sind“, erläutert Pfarrer Monier. Die Ergebnisse des Gutachtens liegen zwar noch nicht vor, „aber es sieht ganz gut aus“, sagt der Geistliche. Sobald es grünes Licht gibt, kann mit der Fällung oder „Legung“ der Bäume, wie es offiziell heißt, begonnen werden. Dabei werden erst die Äste abgeschnitten, dann die Bäume abtransportiert. Auch der Boden muss wohl wieder dekontaminiert werden. „Was das kostet, wissen wir jetzt ja. Die Kosten müssen wir dieses Mal wohl selbst tragen“, sagt Pfarrer Monier.

„Meiden Sie die Larven und halten sich bitte auch von den Nestern fern.“ Pfarrer Jörg Monier hat für die Kirchengemeinde St. Antonius Abbas als Träger der Kita Warnhinweise an die Eichen gehängt. Foto: Marc Cattelaens

Mindestens bis Ende August werden sich die 66 Kinder der Kita und die neun Kinder der Tagespflege noch gedulden müssen, bis sie endlich wieder draußen spielen dürfen. Dann wird nämlich noch mal geprüft, ob eventuell Vögel in den Eichen brüten. Ist das nicht der Fall, dürfen sich die Kinder erstmals seit Jahren auf eine Allergie freie Zeit freuen.

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