1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Ehrenrettung durch Bruder

Kleve : Ehrenrettung durch Bruder

Falschgeldprozess "Il Nido": Der Bruder des angeklagten Wirtes sagt aus: "Mein Bruder und Kontakte zur Mafia? Der kann noch nicht mal Mafia schreiben. Der ist ein Angsthase." Und der Koch betrachtete das Falschgeld als Spielgeld.

War das feine Restaurant "Il Nido" im Kleve am Aussichtsturm in Wahrheit nur der Deckmantel für das verbrecherische Geschäft der Mafia? Vor dem Landgericht Kleve ging das am vierten Verhandlungstag des Prozesses gegen den Wirt, seinen Koch und zwei weitere Mitangeklagte vor allem um die Frage, ob die Aktivitäten des Gastronoms sich im Kern eher um die Zubereitung von Rinderfilet in Steinpilzsauce für 23,50 Euro oder um die Verbreitung von Falschgeld für Zehntausende von Euro drehten.

Wie ein Vater

Die Verteidigung hatte ihre große Stunde, als Rechtsanwalt Dr. Peter Lukassen Salvatore P. (42), den älteren Bruder des angeklagten Wirtes, befragen darf. Er hatte bereits beteuert, nichts von den Falschgeldgeschäften seines Bruders gewusst zu haben, und gesagt: "Ich war immer da, wenn er Hilfe gebraucht hat. Ich war wie ein Vater für ihn." Familie halt.

Salvatore half auch in der Küche aus und kann deshalb im Brustton der Überzeugung sagen: "Das Restaurant war keine Fassade für Schwerverbrechen." Voller Ehrfurcht berichtet er von den vielen "guten Leuten", die in dem Restaurant als Gäste gewesen seien und dort gut gespeist hätten. Er zeigt auf Rechtsanwalt Lukassen: "Ich habe auch Sie gesehen." Auch den Vorsitzenden Richter Jürgen Ruby will er unter den Gästen erkannt haben, ebenso den Chef der Volksbank.

  • Auf die Tore von Philipp Langer
    Fußball-Kreisliga A Kleve/Geldern : Der SV Sevelen will zurück in die Bezirksliga
  • Die Kleefse Jonges auf der Tribüne
    Fußball : Wie ein Fanklub den 1. FC Kleve unterstützt
  • Die nächste Impfkampagne im Kreis Kleve
    Aktuelles zur Pandemie : Das müssen Sie zu Corona im Kreis Kleve wissen

Die Aufzählung der Namen soll untermauern, dass im "il Nido" ein respektabler Restaurantbetrieb auf die Beine gestellt wurde. Salvatore: "Mein Bruder und Kontakte zur Mafia? Der kann noch nicht mal Mafia schreiben. Der ist ein Angsthase." Ganz ins Bild der Angeklagten passt auch eine Erklärung des Kochs, die dieser von seinem Anwalt André Birkner verlesen lässt. Demnach habe er sich aus Geldnot zu dieser einen Tat hinreißen lassen, die er nunmehr schwer bereue. Er möchte den Pfad der Tugend nicht mehr verlassen und nach seiner Freilassung aus der Haft wieder als Koch arbeiten.

Das Falschgeld, das bei der Festnahme in seiner Kleidung gefunden wurde, sei wegen schlechter Qualität unbrauchbar gewesen und ihm gewissermaßen als Spielgeld mitgegeben worden. Er hätte es besser wegwerfen sollen, so Birkner. Außerdem fanden die Ermittler beim Koch auch noch 3000 Euro Echtgeld, das aber keinesfalls aus Falschgeldgeschäften stamme, sondern eine Leihgabe seiner Tante gewesen sein.

Es hätte also ein guter Tag für die Verteidigung sein können, wenn da nicht zwei Schönheitsfehler gewesen wären. Zu Beginn des Prozesstages sagte ein Kripo-Kommissar aus. Er hatte dreimal die Vertrauenspersonen vernommen, durch deren Mitwirkung die vier Italiener überführt werden konnten. Der V-Mann, der sich als Zuhälter tarnte, hatte sich noch nach der Festnahme der drei Kurierfahrer mit dem Wirt im Restaurant getroffen.

Bei seiner Vernehmung durch die Polizei berichtete er, dass der Wirt keine große Angst gehabt habe, da abgesprochen sei, dass einer der drei alle Schuld auf sich nehme. Der einzige Umstand, der ihm ein wenig Sorge bereitet habe, sei die Tatsache, dass sein Koch dabei gewesen sei. Der Prozess wird am 25. Juli fortgesetzt.

(RP/jul)