Kleve: Edgar-Wallace-Krimi begeisterte in der Stadthalle

Kleve: Edgar-Wallace-Krimi begeisterte in der Stadthalle

Die Komödie am Altstadtmarkt aus Braunschweig gastierte in Kleve mit "Die toten Augen von London"

Wenn es richtig gruselig spannend ist, wirkt ein Witz oder eine lustige kleine Geschichte ganz besonders. Das bewies die Inszenierung des Krimiklassikers "Die toten Augen von London" durch die Komödie am Altstadtmarkt aus Braunschweig in Kleve. Der Londoner Nebel, rätselhafte Morde, unheimliche Blinde, viel Action, passende Musik und zwischen den Szenen fantasievolle Slapstick-Einlagen waren die Zutaten zu einem gelungenen Krimi-Abend in der Stadthalle.

Viele Klever waren gekommen, um das berühmte Kriminalstück des Großmeisters der Spannung, Edgar Wallace, zu sehen. 1961, mit Joachim Fuchsberger und Karin Baal in den Hauptrollen unter der Regie von Alfred Vohrer, war die spannungsgeladene Schauergeschichte um eine blinde Verbrecherbande im Untergrund von London die bis dato erfolgreichste Wallace-Verfilmung. "Hier spricht Edgar Wallace", diese Eingangsworte einer nicht gerade schmeichlerischen Männerstimme waren das Erkennungsmerkmal einer jeden Wallace-Verfilmung, und auch diese aktuelle Theaterfassung in der Regie von Oliver Geilhardt startete genauso. Das stimmige Bühnenbild, die bekannte Hintergrundmusik und vor allem das Spiel der sieben Schauspieler waren eine liebevolle Hommage an den "King of Thriller", wie Edgar Wallace schon zu Lebzeiten genannt wurde. Inspektor Larry Holt von Scotland Yard muss eine Serie mysteriöser Morde aufklären.

Wolfram Pfäffle überzeugt in der Rolle des schlagfertigen Inspektors, der zwar seine Aufgabe ernst nimmt, aber auch stets zum Flirt mit seiner hübschen neuen Assistentin Diana Ward, gespielt von Michaela Schaffrath, bereit ist. Die aus zahlreichen Fernsehproduktionen bekannte Schauspielerin hatte sichtlich Freude an der Rolle, die sie gekonnt übernahm. "Nicht vergessen, Herr Inspektor, ich bin nicht ihre Sekretärin!", weist die findige Detektivin, die sogar Blindenschrift entziffern kann und die Aufklärung der Morde entscheidend voranbringt, ihren Chef immer wieder in die Schranken. Schön schaurig ist der "blinde Jack", geheimnisvoll Beatrice Fago als blinde Elisabeth Finley, die am Ende ihr Gedächtnis wiedererlangt. Zwielichtig der Versicherungsagent Judd, bei dessen Unternehmen alle Toten versichert waren. Hohe Geldsummen gingen angeblich an wohltätige Einrichtungen. Kurz vor der Pause ist der Höhepunkt der Spannung erreicht, als Diana Ward in Lebensgefahr gerät.

Heldenhaft befreit Inspektor Holt seine Assistentin und zukünftige Verlobte. Gemeinschaftlich entlarven sie Reverend Dearborn als bösartigen Drahtzieher, der vor nichts zurückschreckt. Besonders unterhaltsam sind die Kulissenwechsel: die Schauspieler hüpfen, verkleidet mal als Bobbys, mal als unheimliche Mönche über die Bühne, tragen Stühle und Tische hin und her. Für die witzigen Pantomimen mit fantasievollen Choreographien gab es begeisterten Zwischenapplaus.

Auch die humorvollen Dialoge und gut platzierten Pointen brachten das Publikum oftmals zum Lachen. Edgar Wallace und Londons geheimnisvolle Seiten wurden an diesem Abend lebendig, der (britische) Humor aber kam nicht zu kurz. Langer Applaus.

(RP)