Dürre 2018: Klever Landwirt erinnert sich an Trockenheit im Sommer 1976

Landwirt erinnert sich an Dürre 1976 : „Ich habe Schilf vom Klever Kanal an die Kühe verfüttert“

Landwirt Josef Peters aus Kleve erinnert sich noch gut an den Dürresommer 1976. Damals gerieten viele landwirtschaftliche Betriebe in Not. Die Situation heute sei vergleichbar mit damals, sagt er.

Der Sommer 1976 - daran erinnert sich Landwirt Josef Peters (67) aus Kleve, als sei es gestern gewesen. Damals gerieten viele Landwirte wegen einer anhaltenden Dürre im Frühjahr und Sommer in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Damals war Josef Peters 25 Jahre alt und hatte bereits den Betrieb von seinem Vater übernommen. Peters ist Milchbauer. „In diesem Jahr hat es auch im Frühjahr nicht geregnet, dann kam ein trockener, heißer Sommer.“ Futter für die Tiere war rar. Aber Not macht erfinderisch: „Ich graste alle Wegränder ab und sammelte Schilf am Kanal in Kleve, das ich auf die Wiese streute, damit die Kühe es fressen“, erzählt Peters. Trotzdem wurde das Futter knapp.

„Wir mussten Futter im Wert von 1200 D-Mark pro Hektar zukaufen - vor allem Mais.“ 1200 D-Mark - das sei ein horrender Preis gewesen. Nicht nur Peters ging es so, sondern auch anderen Landwirten. Viele gerieten in finanzielle Not. „Aber wir haben es überstanden“, sagt Peters.

Die derzeitige Situation erinnert ihn an das Jahr 1976. Bauernverbände und Politik sind mittlerweile über die Folgen der Trockenheit besorgt. Die Erträge der Getreideernte sind gering, Trockenschäden gibt es bei Kartoffeln und Mais. Viele Viehhalter haben Not, ihre Tiere zu versorgen, weil Gras als Futter fehlt. Auch jetzt müssen Landwirte Futter für den Winter für ihre Tiere zukaufen. Winzer und Apfelbauern hingegen blicken der Ernte zufrieden entgegen. Der Bauernverbandschef fordert daher, eine Milliarde Euro Hilfe für betroffene Landwirte und Steuerentlastungen. Den Notstand auszurufen, wird auch diskutiert.

Josef Peters, Landwirt und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve. Foto: RP/Stade, Klaus-Dieter

Doch von den Vorschlägen hält Peters wenig. „Wir Landwirte sind Unternehmer. Wir müssen mit Wetterkapriolen umgehen“, sagt der Klever Landwirt im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wenn ich in einem Jahr nichts verdiene, muss ich auch keine Steuern zahlen.“ Peters ist auch Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve. Er macht andere Vorschläge.

  • Peters fordert, dass der Lebensmitteleinzelhandel die Lieferverträge mit den Bauern nachverhandelt. Dann hätten Bauern die Möglichkeit, ihre Kostensteigerungen in der Produktion durch höhere Preise für ihre Produkte auszugleichen. „Die Preise wurden im Mai verhandelt, als die Folgen der Trockenheit gar nicht absehbar waren.“
  • Außerdem schlägt Peters vor, dass Landwirte die von der EU vorgeschriebenen Grünflächen ausnahmsweise für den Futteranbau nutzen dürfen. Die EU-Agrarreform sieht vor, dass Landwirte bestimmte Anteile ihrer Fläche als Dauergrünland belassen. Die Wiesen seien mittlerweile abgeblüht. Sie seien zwar teilweise auch vertrocknet. „Aber jeder Halm nutzt uns etwas“, sagt Peters.

Hält die Dürre an, wonach es derzeit aussieht, wird Peters einige seiner Tiere schon früher zum Schlachter bringen. „Doch das wird sich unter Umständen auch auf die Preise auswirken“, sagt Peters. Und selbst wenn es in absehbarer Zeit länger regnen würde, würde das nicht mehr viel helfen. „Regen nutzt jetzt nur noch den Zuckerrüben und Grünflächen“, sagt Peters.

Wann es im Sommer 1976 schließlich wieder regnete - daran kann sich Peters nicht mehr erinnern.

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