DSDS 2019: Zuhause bei Kandidat Lukas Kepser

DSDS-Kandidat aus Kranenburg : Zuhause bei Lukas Kepser

Der 24-Jährige gehört in der aktuellen Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ zu den besten 20 Kandidaten. Am Samstag, wenn ein weiterer Teil des Auslands-Recall zu sehen ist, will er wieder eine Runde weiter kommen. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

„Hallo, ist da der Lukas Kepser“, sagt die alte Dame, „ich habe die letzte Sendung bei RTL gesehen. Hat wunderbar gesungen. Aber dass er sich uns mit Lumpenhosen präsentiert, das ist schreck-lich. Er soll mal vernünftige und heile Hosen anziehen, aber keine Lumpenhosen. Es grüßt herzlich Oma Janssen*. Tschüss.“

Lukas Kepser (24) lacht, er guckt zur Seite. Er ist ein bisschen stolz, ein bisschen verlegen, gerührt. Er kennt Oma Janssen, die an jenem Tag nach der Ausstrahlung seines ersten Auftrittes bei Deutschland sucht den Superstar (DSDS) auf den Anrufbeantworter seiner Eltern gesprochen hat, nicht.

Ein Ort, eine Straße: Wer durch Nütterden fährt, der muss über die B 9. Direkt an der Hauptverkehrsstraße liegt auch sein Zuhause. Foto: Markus van Offern (mvo)

Lukas sitzt am Küchentisch seines Elternhauses in Nütterden. Das ist ein 3000-Seelen-Dorf, das zur Grenzgemeinde Kranenburg im Kreis Kleve gehört. Dort gibt es eine Jugendherberge, einen Heimat- und Verschönerungsverein, eine Allgemeine Schützengesellschaft und die Freiwillige Feuerwehr. Sport wird beim SV oder bei Leichtathletik Nütterden getrieben. Lukas hingegen hat in seiner Jugend Fußball in Kranenburg gespielt. Seinem Opa zuliebe, der ein großer Fan des TuS 07 war. Tennis und Tischtennis trainiert er noch heute in Kleve.

In Nütterden ist er aufgewachsen, dort hat er die St.-Georg-Schule, eine katholische Bekenntnisgrundschule, besucht. Es folgt das Stein-Gymnasium in Kleve und das Abitur in Krefeld. Seit 2014 studiert er BWL in Essen, lebte zwischendurch in einer WG und wohnt jetzt aber wieder zu Hause. Dort ist er, dort lebt er, dort wohnt er, weil seine Familie dort ist. Seine Mutter Gabriele Natrop-Kepser (52), in der Region als Sopranistin und Musikgartenlehrerin bekannt. Sein Vater Martin (51), der jahrelang den Kirchenchor von St. Antonius Nütterden geleitet hat. Und seine beiden Brüder Vincent (21) und Johannes (18). Der eine studiert klassischen Gesang in Zwolle (Niederlande), der andere klassisches Schlagzeug in Hannover. Alle Kepsers singen, alle spielen Klavier. Anders als seine beiden Brüder hat Lukas jedoch nicht in dem ehemaligen, zweistöckigen Wohn- und Geschäftshaus (früher Post- und Lebensmittelladen, später Sparkasse), das direkt an der Hauptverkehrsstraße von Nütterden liegt, sondern in einem Haus am Königsgarten in Kleve das Licht der Welt erblickt. „Seit 1996 wohnen wir in Nütterden“, sagt seine Mutter.

Unter Brüdern im Kinderzimmer: Lukas spielt mit Vincent „Fifa“ auf der Playstation. Foto: Markus van Offern (mvo)

Sie steht an der Anrichte der modernen weißen Küche mit den alten braun-rötlichen Bauernfliesen auf dem Boden. Sein Vater hat wie Lukas am Küchentisch Platz genommen. Alle gucken glücklich drein. Alle wissen nicht so wirklich, was sie sagen sollen. Seit dem ersten TV-Auftritt von Lukas sind fünf Wochen vergangen. Fünf Wochen, in denen unheimlich viel geschehen ist. Lukas Kepser gehört mittlerweile zu den besten 20 Kandidaten des Musikwettbewerbes. Wer das Format verfolgt, der weiß, dass Chefjuror Dieter Bohlen auf seiner Seite steht, der ahnt, dass es Lukas noch ganz weit schaffen kann. Richtig realisieren, in Worte fassen kann der 24-Jährige das alles noch nicht. „Eine sehr schöne und interessante Zeit für mich im Moment. Ich gebe alles dafür, dass mein musikalischer Weg noch lange erfolgreich weiter gehen wird und bin sehr dankbar für das, was momentan passiert“, so schreibt er es jüngst in einem Facebook-Post. Dort erhält er enormen Zuspruch. Überhaupt spielen die sozialen Medien wie Instagram nun eine ganz andere Rolle in seinem Leben. Sein Smartphone ist sein ständiger Begleiter, es liegt vor ihm, Nachrichten poppen im Minutentakt auf. „Ich versuche alle Nachrichten zu beantworten“, sagt Lukas.

Doch auch die Welt zu Hause, aus die er vermeintlich ausbrechen möchte, ist unheimlich stolz auf ihn. „Ganz Nütterden fiebert mit“, hat jüngst ein Unbekannter zu seinem Vater an der Supermarkt-Kasse des Ortes gesagt. Karneval in Kranenburg, als Hunderte mit ihm ein Selfie machen möchten, war besonders extrem. Jüngst ist er sogar in Düsseldorf von einem Mann angesprochen worden. Negative Äußerungen von Kollegen aus der Klassik wie „Wie könnt ihr euren Sohn nur zu DSDS schicken?“ seien hingegen an einer Hand abzuzählen. Die Kepsers, die allen Musikrichtungen offen stehen, können Castingshows sogar viel Positives abgewinnen. „Durch diese Formate hat die Musik wieder einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Singen, ob allein oder in einem Chor, liegt im Trend. An Popmusik kommt man nicht vorbei“, sagt Gabriele Natrop-Kepser.

Lukas macht seit seinem 14. Lebensjahr Popmusik. „Er hat schon immer seinen eigenen Kopf gehabt“, sagt seine Mutter. Sein Vater beschreibt ihn als ehrgeizig und selbstständig. Vor einem Jahr haben sie noch gemeinsam in der Nimwegener Fußgängerzone Musik gemacht, im vergangenen Oktober hat er sich dann spontan fürs Casting bei Deutschland sucht den Superstar entschieden. „Musik ist meine Leidenschaft, das macht mir unglaublich viel Spaß, doch es musste jetzt auch einmal was passieren“, sagt er zu seinen Beweggründen. Sein Vater, so berichtet er, hat davon erst zwei Tage später erfahren. „Ich war übrigens gerade bei Bohlen“, hat er damals zu ihm am Telefon gesagt. Seine Antwort: „Mach das mal.“ Beide schauen sich an, lachen, sind zufrieden.

Übrigens: Lukas hat an diesem Tag wieder eine zerrissene Jeans an, dazu einen schwarzen Kapuzenpulli und weiße Turnschuhe. In seinem Kinderzimmer im zweiten Obergeschoss – Einbauschränke, knarrender Dielenboden, Schreibtisch, Fernseher und 1,40-Meter-Bett mit lilafarbener Bettwäsche – steht eine große Spardose. „Die hat mir Mama zum Geburtstag geschenkt, falls ich die 100.000 Euro gewinne“, sagt er stolz. Aber das ist Zukunftsmusik.

*Name von der Redaktion geändert.

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