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DSDS 2019: Für Lukas Kepser aus Kranenburg ist der Traum geplatzt

DSDS-Kandidat aus Kranenburg : Aus der Traum vom Superstar

Das Spiel ist aus. Lukas Kepser bekam bei der ersten DSDS-Show zu wenig Stimmen. Der Kranenburger ist gefasst, wir waren vor Ort.

Jetzt sind es nur noch acht: Lukas Kepser hat nach der ersten Live-Show der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ keine Chance mehr, die 16. Staffel zu gewinnen. „Es war ein richtig cooler Auftritt, aber ich bin vielleicht nicht der Prototyp eines Superstars. Ich bin niemand, der immer aufgedreht in einer Gruppe auffällt“, sagt Kepser nach der Entscheidung. Während der Recalls in Ischgl und Thailand ist der 24-Jährige aus Kranenburg immer mühelos von Runde zu Runde geeilt, nun aber fällt nicht mehr die Jury um Poptitan Dieter Bohlen das Urteil, sondern der Zuschauer mit seinem Anruf.

Schon lange vor Sendestart kocht die Stimmung in der Arena über. Alle zehn Kandidaten haben ihre Fans mitgebracht, die sich in selbstgestalteten T-Shirts sehen ließen. Auch Kepsers Gefolgschaft macht Eindruck. Knapp 60 Kreis Klever sind schon am Nachmittag per Bus angereist. Dieser hat direkt vor dem Eingang des Studios – das Kennzeichen „KLE“ als Kampfansage – geparkt. In schwarzen Trikots mit der Aufschrift „Team Lukas Kepser“ sind seine Freunde und Angehörige unübersehbar, zudem haben sie hölzerne Tennisschläger gebastelt. „Ich glaube, das ist die größte Gruppe, die ein Kandidat mitgebracht hat“, sagt Mutter Gabriele Kepser. Auch Tischtennis-Legende Timo Boll hat sich unterstützend an den Nachwuchs-Künstler gewandt: „Wenn er nur ansatzweise so gut Tischtennis spielt wie er singt, kann ich aktuell einpacken.“

Wer das MMC-Studio am Coloneum in Köln betritt, der wird eingehüllt in ein Dickicht parfümierten Kunstnebels. Als wolle man den knapp 1600 Fans vermitteln: beruhigt euch. Ein Tanzlehrer und selbsternannter „Trend Scout“ der Marke Marktschreier schwört das Publikum auf die Rahmenbedingungen der Live-Show ein. Schließlich müssen nicht nur die Superstar-Aspiranten auf der Bühne, sondern auch das Publikum davor funktionieren. Er wolle während der Sendung keinen Applaus sehen, sondern „enthemmte Ekstase“, dazu „wabernde Lenden“. Pünktlich zur Prime-Time sind die Fans auf Betriebstemperatur. Taktvoll schunkeln diese mit Knicklichtern in der Hand zum Gruppen-Song „We Have a Dream“.

Es sind bereits zwei Auftritte vergangen, ein Werbeblock vorüber, da bittet Moderator Oliver Geissen Lukas Kepser auf die Bühne. Ein Einspieler zeigt ihn als Tennistrainer im Schlosspark des LTK Moyland. Dramatisch inszeniert das Privatfernsehen eine Hüftverletzung, die die Tennis-Karriere des Kranenburgers stoppte. In Zeitlupe und mit lautem Knall fällt Kepsers Tennisschläger auf den harten Aschenboden. Auch seine Freundin Julia Szuster wird vorgestellt. „Es ist schon komisch, wenn ihm so viele junge Mädchen schreiben. Aber er vernachlässigt mich nicht“, sagt die Kleverin, die ihren Partner während eines seiner Konzerte kennenlernte. Dann ist es so weit: Kepser singt zum Motto „Chartbreaker“ den Song „Happier“ von Marshmello feat. Bastille. Stimmlich sind keine Makel zu vernehmen, auch tänzerisch glänzt er im Zusammenspiel mit den Berufs-Profis auf der Bühne. „Lukas, Lukas, Lukas“, rufen die Zuschauer im Anschluss. Auch das Urteil der Jury fällt positiv aus: „Du machst das richtig gut, Lukas, genieß es“, sagt Xavier Naidoo. Pietro Lombardi spricht über „Gänsehautmomente in der Kopfstimme“, Bohlen über Tennis: „Ich finde, du triffst wie beim Tennis die Töne sehr genau. Du hast sehr viel Gefühl, und es ist wichtig, dass man den Ball mit Gefühl trifft. Aber bei den Bigpoints musst du noch mehr Druck haben.“ Auch Oana Nechiti zeigt sich angetan: „Ich hoffe, dass deine Karriere noch weit nach oben geht.“

Doch daraus wird zumindest an diesem DSDS-Abend nichts. Einzeln bittet Geissen die Kandidaten nach Schließung der Telefonleitungen zu sich, der BWL-Student wird gleich zum „Wackelkandidaten“ erklärt. So steht er final mit Momo Chahine und Angelina Mazzamuro auf der Bühne. Nur einer von ihnen würde weiterkommen, die Wahl der Fernsehzuschauer fällt auf Chahine.

Dass Kepser aber bei Publikum und Gesangskollegen hoch im Kurs steht, zeigt sich nach Sendeschluss. Trauben von Menschen versammeln sich um ihn, trösten ihn, klopfen ihm auf die Schulter. Kepser zieht sich zurück in einen glanzlosen Backstage-Raum abseits des Hochglanz-Studios. Weiß-graue Wände, karge Holztische, dazu die beiden Verlierer des Abends im Mittelpunkt. Doch während Mazzamuro minutenlang enthemmt weint, wirkt Kepser gefasst. „Ich kann stolz auf meinen Auftritt sein. In den letzten Monaten habe ich so viel gelernt. Mit Angelina hatte ich die wenigsten Follower in sozialen Netzwerken. Daran könnte es gelegen haben“, sagt er. Vocal-Coachin Juliette Schoppmann herzt Kepser, ihr kommen die Tränen. Auch hätten seine guten Kritiken die Anhänger vor den Bildschirmen womöglich dazu bewogen, nicht anzurufen. Frei nach dem Motto: „Der ist ja eh weiter.“

Keine Zweifel aber hat der 24-Jährige daran, dass es für ihn musikalisch weitergehe: „Das ist mein Leben und an die Erfolge bei DSDS werde ich anknüpfen.“