Kleve/Kevelaer: Drogenschmuggler zwei Jahre beschattet

Kleve/Kevelaer : Drogenschmuggler zwei Jahre beschattet

Georg Ruffen aus Kevelaer soll drei Tonnen Marihuana geschmuggelt haben. Es gebe einen erheblichen Verdacht, räumt sein Anwalt Harald Gruhn aus Kleve ein. Dennoch sei er von der Unschuld seines Mandanten überzeugt.

Der 46-jährige Niederländer war in einem Hotel abgestiegen. Als die Polizei ihn dort festnahm, hatte er 100 000 Euro Bargeld bei sich und trug eine Armbanduhr in etwa demselben Wert. Dies bestätigte der Hagener Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli. "Er ist eine der Hauptfiguren", sagt Pauli. Der Mann soll Kopf einer Bande sein, die beim Versuch, drei Tonnen Marihuana nach Deutschland zu schmuggeln, im Dezember vergangenen Jahres aufflog und festgenommen wurde (die RP berichtete). Dass auch die anderen Verdächtigen nicht mittellos sind, dokumentierten die anschließenden Hausdurchsuchungen. Bei zwei von den derzeit vier inhaftierten Männern stand unter anderem ein Maserati in der Garage. Bei dem Kevelaerer Georg Ruffen (49) nicht. Er sitzt in U-Haft und ist einer der Hauptbeschuldigten. Doch soll er beim bandenmäßigen Drogenschmuggel nur eine Nebenrolle gespielt haben. Wenn überhaupt. So sieht es der Klever Anwalt Harald Gruhn (49), der den Kevelaerer vertritt. Für ihn gebe es keinen Grund, an der Unschuld seines Mandanten zu zweifeln. Der Unternehmer habe ihm glaubhaft dargelegt, dass er mit den Straftaten nichts zu tun habe. "Er hat auf die Vorwürfe entsetzt reagiert. Ich weiß, dass er Drogen immer abgelehnt hat. Auch vor diesem Hintergrund kann ich mir die Anschuldigungen nicht erklären", sagt der Jurist. Er weist darauf hin, dass Ruffen sich noch nichts habe zuschulden kommen lassen: "Er hat eine blütenweiße Weste."

Der 49-Jährige habe seiner Meinung nach naiv gehandelt. "Er wurde möglicherweise reingelegt", sagt Gruhn. Der Container, in dem die drei Tonnen Rauschgift gefunden wurden, sei lediglich an seinen Mandanten adressiert gewesen. Für ihn sei es um die Palmkernschalen gegangen. Mehr nicht. Doch räumt Gruhn ein, dass es ein Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gibt, welches einen erheblichen Anfangsverdacht gegen Georg Ruffen darstelle. "Wenn dem nicht so wäre, würde sich Herr Ruffen nicht in Untersuchungshaft befinden. Ich kenne den Akteninhalt und muss zunächst feststellen, dass die Anschuldigungen derzeit nicht von der Hand zu weisen sind. Als Profi kann ich nachvollziehen, dass er zunächst inhaftiert wurde", sagt der Jurist. Neben dem Vorwurf, Rauschgift geschmuggelt zu haben, ist die unerlaubte Einfuhr von Grundstoffen zur Herstellung von Drogen ebenfalls Bestandteil der Anklage. Diese sollen Ruffen zu einem früheren Zeitpunkt geschickt worden sein. Diese Lieferungen seien nach Ansicht des Anwalts aber "völlig legal" gewesen.

Aus der Ermittlungsakte, die 4000 Seiten umfasst, geht hervor, dass die Überwachungen sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren erstreckten. Die Vorwürfe basierten in erster Linie auf abgehörten Telefonaten und der jetzt beschlagnahmten Menge Marihuana, so der Anwalt. Der rechnet damit, dass erst im Juni das Hauptverfahren eröffnet wird. "Wenn ich die Chance auf Erfolg sehe, stelle ich einen Haftprüfungsantrag", sagt Gruhn.

Georg Ruffen, der in der Landwirtschaft und mit Biogasanlagen sein Geld verdient, versuchte in den vergangen Jahren, Bauprojekte in Serie im Kleverland umzusetzen. Dass das Geld aus Geschäften mit Drogen stammen könne, weist Gruhn entschieden zurück. Es gebe eine Erklärung für den plötzlichen Wunsch, Millionenvorhaben zu realisieren. Ruffen wollte diese nie alleine umsetzen. Da seien immer mehrere Person daran beteiligt.

Auch wenn nicht alle Pläne des Kevelaerers von Erfolg gekrönt waren, Kreativität sei immer ein Merkmal von Georg Ruffen gewesen, wie ein ehemaliger Geschäftspartner weiß. Auch die Drogenbande zeichnete sich jahrelang durch ihre schöpferische Art aus, wie Oberstaatsanwalt Pauli sagt: "Sie waren immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Rauschgift zu schmuggeln und für alles offen." Die verschiedenen Wege, auf denen die Drogen nach Deutschland eingeführt wurden, nötigte selbst den Zollbeamten Respekt ab.

Wie hoch die Summe des geschmuggelten Rauschgifts insgesamt ist, konnte Pauli nicht konkret beziffern: "Wir gehen davon aus, dass es an einen dreistelligen Millionenbetrag heranreicht."

(RP)