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Drogenprozess: Elf Stunden Verhandlung am Montag, noch kein Urteil​

Hunderte Kilos harter Drogen : Elf Stunden Verhandlung bei Drogenprozess in Kleve - noch kein Urteil

Zwei der Angeklagten gaben am Montag an, nichts von Drogengeschäften gewusst zu haben. Ein Zollfahnder wurde intensiv befragt. Elf Stunden wurde am Montag verhandelt, Fortsetzung ist am Mittwoch.

Drei Männer aus Kleve und Kranenburg (40, 36 und 33 Jahre alt) müssen sich seit vergangener Woche wegen bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln vor der ersten großen Strafkammer des Klever Landgerichtes verantworten (wir berichteten). Sie sollen im Auftrag zweier Hintermänner eine Lagerhalle in Goch genutzt haben, um Betäubungsmittel in Baumaschinen zu verstecken, die dann nach Großbritannien transportiert worden sein sollen.

Laut Klever Staatsanwaltschaft geht es um harte Drogen – Heroin und/oder Kokain – im dreistelligen Kilogrammbereich. Anfang August 2021 wurden in Irland in einer Hebebühne 88 Kilogramm Heroin gefunden – das Rauschgift soll zuvor in Goch in das Kontergewicht der Maschine verbaut worden sein. Der Aufgriff erfolgte auf Betreiben des deutschen Zolls.

Im Dezember wurden die drei Angeklagten – zwei Brüder und ein Cousin – festgenommen. Der heute 40-jährige Angeklagte machte daraufhin umfangreiche Angaben zu seiner Tatbeteiligung, belastete mutmaßliche Hinterleute und andere Beteiligte – auch seinen Bruder und seinen Cousin. Er wurde Kronzeuge und steht seitdem unter Zeugenschutz. Auch am ersten Prozesstag machte er geständige Angaben und belastete die Mitangeklagten.

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Der zweite Verhandlungstag fand am Montag in den Räumlichkeiten des Oberlandesgerichtes Düsseldorf statt, weil in Kleve kein ausreichend großer Saal frei war. Diesmal äußerten sich die anderen beiden Angeklagten zur Sache. Sie gaben an, die Halle angemietet beziehungsweise dort gearbeitet zu haben – von Drogengeschäften hätten sie aber nichts gewusst. „Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich in vielerlei Hinsicht sehr enttäuscht von meinem Bruder bin“, sagte der 36-Jährige. Seine Mutter sei schließlich an Heroin zugrunde gegangen, eine eigene Beteiligung an Heroinschmuggel wäre daher nie für ihn infrage gekommen.

Am Montag wurde ein Zollfahnder als Zeuge befragt, der weitreichend in die Ermittlungen involviert war. Er sagte aus, dass die Aufklärungshilfe des unter Zeugenschutz stehenden Angeklagten zur Identifizierung mutmaßlicher hochrangiger Hinterleute und zahlreicher anderer Beteiligter geführt habe. Ermittlungsverfahren und Festnahmen seien daraus erwachsen. So habe man nach Hinweis des Kronzeugen in einem niederländischen Entwässerungsgraben zwei Schusswaffen gefunden, die einer seiner Hintermänner dort nach einem Mord entsorgt haben soll. Zudem fanden die Zollfahnder nach Hinweis des Angeklagten zehn Kilogramm Heroin in einem Versteck.

Ein Verteidiger des mitangeklagten Bruders unterzog den Zollfahnder am Montag ebenfalls einer ausführlichen Befragung. Dabei klang reichlich Kritik durch: Die Protokolle der Vernehmungen des Kronzeugen etwa seien „für die Katz‘“, so der Anwalt – dort seien nicht mal die gestellten Fragen protokolliert. Elf Stunden dauerte der zweite Prozesstag. Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt, dann wieder in Kleve.