Drogendealer und Mutter vor dem Klever Landgericht

Prozess : Ein „Krämerladen für Betäubungsmittel“

Landgericht Kleve: 37-jähriger Klever zu fünf Jahren Haft verurteilt. Geldstrafe für die Mutter.

Ein 37-jähriger Mann aus Kleve ist am Mittwoch wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt worden. Die 2. große Strafkammer des Klever Landgerichts verhing die Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren gegen den Angeklagten, zudem muss er 20.000 Euro zahlen. Die Mutter des 37-Jährigen wurde wegen Beihilfe zum Besitz von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt.

Die Polizei hatte bei einer Durchsuchung des von Sohn und Mutter bewohnten Klever Reihenhauses im November 2018 Rauschmittel sichergestellt: gut 1400 Gramm Cannabis, 800 Gramm Amphetamin, 200 Gramm MDMA und 20 Gramm Kokain. Zudem fanden die Beamten eine griffbereite Machete, einen Teleskopschlagstock, Pfefferspray, sowie Utensilien zur Drogenaufzucht und -verpackung.

Der Angeklagte, der sich am ersten Prozesstag noch nicht zu den Anklagevorwürfen geäußert hatte, ließ am Mittwoch über seine Verteidiger erklären, dass er die Drogen zum Eigenkonsum besessen habe. Ein ihm bekannter Dealer habe aufhören wollen – da habe sich der Angeklagte bereiterklärt, dessen Restbestand an sich zu nehmen. Auch die hohen Bargeldeinzahlungen auf sein Konto – 2018 waren es fast 50.000 Euro – seien legalen Ursprungs, ließ der Angeklagte erklären. Er habe regelmäßig an Glücksspielautomaten gespielt und die Gewinne dann eingezahlt.

Die Staatsanwaltschaft schenkte der Einlassung keinen Glauben: Der „vielfach vorbestrafte“ Angeklagte habe vielmehr „einen kompletten Krämerladen für Betäubungsmittel in seinem Haus geführt“. Fünf Jahre beantragte der Anklagevertreter wegen bewaffneten Handeltreibens, die Verteidiger des 37-Jährigen hingegen eine geringere Freiheitsstrafe, lediglich wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln. Schließlich gebe es keine Beweise für Kundenverkehr im Haus, etwa durch Zeugenaussagen. Die Strafkammer jedoch entschied letztlich auf bewaffnetes Handeltreiben. „Die Gesamtschau der vielen Indizien spricht dafür, dass das Rauschgift ganz überwiegend verkauft werden sollte“, sagte der Vorsitzende Richter Gerhard van Gemmeren. Die Menge der Betäubungsmittel beispielsweise, die enormen Bargeldeinzahlungen, oder die zahlreichen Verpackungsutensilien und verkaufsbereit verpackten Drogeneinheiten.

Ein weiteres Indiz sei ein anonymes Schreiben, so der Vorsitzende. Ein Brief, der mit der Unterschrift „Silent Investigator“ bei den Behörden einging und  zur Durchsuchung im Haus der Angeklagten führte. Der anonyme Absender stellte sich darin als Vater eines 17-jährigen Jungen vor, welcher bei dem Angeklagten Drogen gekauft habe. Der „Silent Investigator“ erklärte, daraufhin auf eigene Faust ermittelt zu haben. Er benannte unter anderem konkret ein Eisfach in der Küche der Angeklagten als Aufbewahrungsort für Drogen – bestätigt durch die spätere Durchsuchung.

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