1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Drei Taxi-Raubüberfälle in zwei Tagen

Kleve : Drei Taxi-Raubüberfälle in zwei Tagen

Die Polizei im Kreis Kleve hat eine Ermittlungskommission zur Aufklärung der Serie eingesetzt. Taxiunternehmer wollen ihre Wagen mit Videokameras überwachen lassen. Dagegen hat der NRW-Datenschutzbeauftragte Bedenken.

Die tollen Tagen stehen bevor – Hochsaison für Taxifahrer im Kreis Kleve. Doch trotz der zu erwartenden hohen Einnahmen blicken die Taxi-Unternehmer besorgt auf die kommenden Tage – besorgt um die Sicherheit ihrer Fahrer. Auslöser der Angst: Am vergangenen Sonntag und Montag sind in Kleve und Kalkar drei Taxis von jeweils mit Messern bewaffneten Tätern ausgeraubt worden. Die Kreispolizeibehörde hat inzwischen eine Ermittlungskommission "Taxi" gebildet, um die Serie rasch aufzuklären.

Die Serie begann am Sonntag gegen 10.20 Uhr am Deichweg in Kalkar. Dorthin wurde eine 55-jährige Taxifahrerin aus Kleve bestellt. Als sie in Kalkar ankam, stieg ein 18 bis 22 Jahre alter Mann ein, bedrohte die 55-Jährige mit einem Fleischermesser, erpresste die Herausgabe der Geldbörse und flüchtete zu Fuß.

Der zweite Überfall geschah Sonntag gegen 22 Uhr auf der Klever Haydnstraße. Dort bedrohten zwei 20 bis 25 Jahre alte Männer Taxifahrerin Monika V. mit einem etwa 30 Zentimeter langen Messer und entkamen mit dem so erpressten Portemonnaie. Da die 56-Jährige nach eigenen Angaben in einem "Funkloch" war, konnte sie erst nach Minuten die Polizei alarmieren.

Zu dem dritten Überfall kam es am Montagabend gegen 19.45 Uhr. Nachdem ein etwa 20-Jähriger sich per Taxi von Kleve in die Nähe des Kalkarer Friedhofs hatte fahren lassen, stieg ein etwa gleichaltriger Mann zu und bedrohte den 55-jährigen Taxifahrer aus Emmerich mit einem Messer. Als der Emmericher sich weigerte, den Tätern die Geldbörse zu geben, schlugen sie ihm mehrfach ins Gesicht. Die Räuber entkamen mit dem Portemonnaie.

Der Emmericher, der seit Jahrzehnten Taxifahrer ist, war für das Klever Unternehmen "Kletax Taxi" von Silke Wenz unterwegs. Die 34-Jährige schockieren die Brutalität und Dreistigkeit, mit der die Taxi-Räuber vorgegangen sind. "Die schlagen ja sogar am helllichten Tag zu", sagt die Unternehmerin. Auch der Gocher Michael Tünnißen (48) ist einer der Taxiunternehmer, deren Fahrer Opfer der Überfälle geworden sind. Bereits seit 15 Jahren ist er in der Branche tätig, derzeit fahren 70 Wagen in seinem Auftrag. Doch drei Überfälle in zwei Tagen hat der 48-Jährige noch nicht erlebt.

Die Serie mag beim Blick auf die Statistik überraschen. Die Zahl der Raubüberfälle auf Taxifahrer ist in NRW laut den Daten des Landeskriminalamtes rückläufig: 2009 waren es 89, 2010 dann 87 und 2011 nur noch 65. Doch die Statistik beruhigt Holger Goldberg, Geschäftsführer der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein, Taxi-Mietwagen, in dem etwa 80 Prozent der Taxi-Unternehmen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln organisiert sind, nicht. "Seit 1985 sind 84 Taxifahrer in Deutschland getötet, Tausende verletzt worden. Solch ein Risiko gibt es in keiner anderen Branche", meint Holger Goldberg. Nicht immer handele es sich um Raubdelikte, immer öfter seien Verletzungen Ergebnis eskalierender Gewalt.

Sicherungssysteme wie GPS-Ortung, stille und laute Alarmanlagen reichen laut Holger Goldberg nicht aus. Mehr Sicherheit (durch Abschreckung) biete eine Videoüberwachung der Taxi-Innenräume. "Doch die wird in NRW vom Datenschutzbeauftragten nur unter erheblichen Einschränkungen gestattet", kritisiert Goldberg. Dabei zeige das Beispiel Bremen, wo Videoüberwachung erlaubt werde, wie effektiv sie sei. "Seither hat es nur zwei Überfälle gegeben, beide wurden aufgeklärt", sagt der Geschäftsführer der Fachvereinigung. Die Organisation der Taxi-Unternehmer erwäge deshalb, einen Musterprozess zu führen, um Videoüberwachung von Taxis in NRW umfassender möglich zu machen.

Der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband (BZP) schließt sich der Forderung nach Videoüberwachung an. "Es ist sehr befremdlich, dass sie in Bus und Bahn möglich ist, um Vandalismus zu verhindern, aber in Taxis, wo es um Leben geht, nicht gestattet wird", sagt Frederik Wilhelmsmeyer vom BZP.

Auch Silke Wenz, Arbeitgeberin des in Kalkar am Montag überfallenen Fahrers, plant, Videokameras in ihre zehn Taxen einbauen zu lassen – trotz finanzieller Belastung. Die Unternehmerin hofft, dass entsprechende Aufkleber, die an den Taxen dann vorgeschrieben sind, abschreckend auf Täter wirken. Doch Silke Wenz sagt auch: "Wenn Fahrern ein Messer an den Hals gehalten wird – was sollen die dann machen?"

Solange die Taxi-Räuber nicht gefasst sind, raten Silke Wenz, Michael Tünnißen und auch andere Taxi-Unternehmer im Kreis ihren Fahrern, dreimal hinzuschauen, wer in den Wagen steigen will. Silke Wenz meint: "Sie sollen jeden stehenlassen, bei dem sie den geringsten Verdacht haben."

(RP/jco)