Kleve: Drehorgeln verwandelten City

Kleve : Drehorgeln verwandelten City

Das Drehorgelfest zum verkaufsoffenen Sonntag im November gilt als das umsatzstärkste im Jahr. Auch gestern begleitete der Klang von 27 Leierkästen und drei großen Orgeln die vielen Gäste beim Bummel durch die Stadt.

Julian Boßmann macht sich warm, tritt von einem Fuß auf den anderen, dehnt sich. Der 12-Jährige hat einen langen vor sich: Er wird vor dem Klever Kaufhof die Drehorgel spielen, das freundliche Stoffäffchen neben sich, der galante Handgruß für die klingende Münze im Blechdöschen perfekt eingeübt, wenn das traditionelle Anorgeln auf dem Klever Fischmarkt beendet ist.

Jetzt gilt: Warm machen für den langen Tag, während Kaspar Ulrich für die Leierkastenmänner und -frauen und 2. Bürgermeister Dr. Artur Leenders die Orgelspieler begrüßten.

27 Drehorgeln und drei große Orgeln erfüllten gestern die City beim 13. Klever Drehorgelfest mit Musik, die immer wie aus einer anderen Zeit klingt, auch wenn's neue Melodien sind. Seit 13 Jahren reisen aus ganz Deutschland und Umgebung die Orgelspieler an. Im Schlepptau ihren altes, oft liebevoll gepflegtes Schätzchen. Orgeln, die oft älter sind als ihre Spieler. Die von der Zeit erzählen, die heute gemeinhin als die "gute alte" gilt.

Wie aus Zilles Zeiten

Auch wenn gerade die Drehorgeln zeigen, dass das nicht so war — weil der Drehorgler von den Pfennigen, die geflogen kam, lebte. Oft als staatlich unterstützter Broterwerb für Invaliden. Kaiserin Maria Theresia soll die Erste gewesen sein, die Kriegsinvaliden nach dem Siebenjährigen Krieg solche Lizenzen erteilte.

Aber die Drehorgler sorgten auch für die Abwechslung, für das Tänzchen bei eingängiger Musik in schwieriger Zeit. Keiner zeichnete die so schön wie Zille. Und wie aus Zilles Zeiten kamen auch die Liebhaber der Orgeln daher, die Leierkastenmänner und -frauen. Zylinder auf dem Kopf, Frack und Fliege , lange schwarze Röcke und den richtigen Schwung im Arm, um ihren Leierkästen die schönen Melodien zu entlocken, die die vielen Besucher beim City-Bummel durchgängig begleiteten: Jede Orgel übergaben ihren Klang an die Nächste.

Und dabei auch die richtigen Klassiker: von der rechten Gunst, die Gott erweist über die Berliner Luft bis zum zackigen Radetzky-Marsch. Mittendrin stand Erich Penner aus Bochum, der jüngst in Ede niederländischer Drehorgel-Meister wurde und in Kleve mit kräftiger Stimme kölsche Tön' von sich gab.

"Das Drehorgelfest gehört zu den umsatzstärksten Sonntagen", sagte gestern Manfred Dreis vom Einzelhandelsverband. Deshalb sei die Entscheidung, diese Tradition des weiterzuführen, richtig gewesen. "Das ist ein schönes Aushängeschild, das uns viele Besucher in die Stadt lockt", sagt er.

Das unterstrich auch Klaus Fischer, Geschäftsführer von Alexander-Moden, der mit Jörg Hopmans das Fest organisiert hat. "Wir haben beim Klever Citynetzwerk lange diskutiert - und uns schließlich für das Drehorgelfest entschieden", sagte er. Schließlich hat das jetzt eine richtige Tradition in der Schwanenstadt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die schönsten Bilder vom Drehorgelfest 2011 in Kleve

(RP/jul)