Kalkar: Don Quichotte und Rosinante in Teak

Kalkar: Don Quichotte und Rosinante in Teak

Das Museum Kalkar zeigt eine Werkübersicht über das Schaffen der Bildhauerin Rota Blanck. Die Ausstellung wird am Sonntag im alten Stufengiebelhaus eröffnet. Über 60 Arbeiten, Keramik, Skulptur und Malerei sind zu sehen.

Die Holzfigur mit der samtenen Oberfläche ist klein, etwas größer als ein aufgestelltes DIN-A4-Heft. Vorne das liegende Pferd, dahinter der Reiter mit Lanze und Schild. Die Lanze stößt an den tellerförmigen Helm des "Ritters": Das ist Don Quichotte von La Mancha, der dort mit hochgezogenen Schultern seine traurige Gestalt abgibt. Die kleine Holzskulptur von Ritter und Pferd ist reduziert - und doch ist das berühmte Paar sofort erkennbar. Schlank-schlacksig der Mann, eher breit, unbeholfen das Pferd Rosinante.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die Bildhauerin Rota Blanck hat Ross und Reiter 1963 ins harte Teak-Holz geschnitten, die Oberfläche solange poliert und geschliffen, bis sie den typischen an Matarés Skulpturen erinnernden Samtglanz bekommen hat. Eine Arbeit, die zeigt, wie sehr die damals 23-jährige Künstlerin Matarés Arbeiten bewundert haben muss, schreibt die Kölner Kunsthistorikerin Christiane Heiser.

Jetzt sind Don Quichotte und rund 60 weitere Arbeiten der 2011 gestorbenen Künstlerin im Kalkarer Museum zu sehen. Am morgigen Sonntag, 12 Uhr, wird nach der Begrüßung durch Karl-Ludwig van Dornick, Vorsitzender der Freunde Kalkars, Dr. Christiane Heiser in das Werk einführen.

Die Ausstellung in Kalkar ist eine gewisse Offenbarung - hatte Rota Blanck ihre Werke bis dahin eher selten gezeigt und vorwiegend im Verborgenen gearbeitet. Im Vorwort des zur Ausstellung herausgegebenen Katalogs schreibt Prof. Frank Günter Zehnder vom "Glück der Wiederentdeckung", von einem Werk, das unbedingt einer weiteren Auseinandersetzung und Verbreitung bedürfe. Es war eine spannende, eigenwillige Sammlung, die Blanck in ihrem Haus hinterlassen hat, aus der das Kalkarer Museum jetzt eine schöne Zusammenstellung zeigen kann - mit einem Katalog zur Ausstellung. Die Ausstellung "Rota Blanck" zeigt einen schönen Querschnitt des Schaffens, in dessen Mittelpunkt die Skulptur steht, aber auch feine Zeichnungen, Studien und Malerei. (Teile der Sammlung können erworben werden).

1940 geboren, kommt Roswitha Blanck 1954 nach Kleve, als die Familie mit den Kindern in die zerstörte Stadt zieht. Ihr Vater, der Architekt Blanck, hofft hier auf Aufträge. Sie verlässt das damalige Mädchengymnasium (später Sebus) nach der mittleren Reife und besucht ab 1959 die Klasse für Druckgestaltung an der renommierten Textilingenieurschule Krefeld, schreibt Heiser.

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Nach einer Parisreise steht für die junge Kleverin fest: Sie wird Bildhauerin. Dabei wird sie einen ähnlichen Weg einschlagen, wie zuvor der heute in Frankreich lebende Pierre Theunissen: Auch sie geht bei Alfred Sabisch in die Lehre, auch sie wird in Berlin Bildhauerei studieren. Sabisch soll sie später, so van Dornick, sogar in einem Relief für das Klever Rathaus verewigt haben: als junges Mädchen mit Zopf.

Doch zunächst schließt sie als Jahrgangsbeste ihre Ausbildung zur Musterzeichnerin ab. Dann radelt sie Tag für Tag nach Kalkar und lernt die Grundlagen der Stein- und Holzbildhauerei, bevor sie in Berlin die Klasse von Paul Dierkes besucht. Die zierliche Rota Blanck kennt beim Holz oder beim Stein kein Pardon: "Wenn ihr jemand sagte, mit diesem Stein oder mit diesem Holz kann man nichts anfangen, dann wählte sie das Stück erst Recht", erzählt ihre Tochter Linna Treuheit, die die Aufarbeitung des Werkes unterstützt und einen Verein zum Erhalt des Werks gegründet hat (www.rotablanck.de).

Blanck beherrscht die Arbeit mit Holz, wählt schwierige Tropenhölzer, Meranti und Teak, für ihre Skulpturen. Perfekt arbeitet sie mit der Maserung, die die Formen der Figuren unterstützen sollte. Heiser weist auf einen makelosen weiblichen Torso aus Eichenholz. Auch wenn man einigen Arbeiten noch die Verehrung für Mataré oder die Schule Sabischs ansieht, entwickelt sie bald ihre ganz eigene Formsprache. Sie bleibt gegen den damaligen Zeitgeist figurativ. Später kombiniert sie Fundstücke, arme Materialien mit besonderem Stein, fügt eine Katze aus Stuhlfragmenten oder aus Dachlatten und Basalt 1990 das "Schwarze Schaf".

Nach ihrer Hochzeit und der Geburt der beiden Töchter zieht sie sich zurück. 1969 folgt sie ihrem Mann Werner Treuheit in den Westerwald. Erst 1984 stellt sie in einer Gruppenausstellung wieder aus - mit Horst Janssen. 1985 wird sie geschieden. Blanck richtete eine Keramik-Werkstatt ein, von der sie lebte, so Linna Treuheit. Wunderbare Beispiele dieser Arbeit stehen im Obergeschoss im Mittelpunkt.

(RP)
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