Kranenburg/Anholt: Diebstähle im Haus des Herrn

Kranenburg/Anholt: Diebstähle im Haus des Herrn

Diebstähle in und an den Gotteshäusern nehmen zu: In der Kranenburger Wallfahrtskirche St. Peter und Paul sind innerhalb kürzester Zeit drei sakrale Gegenstände gestohlen worden. In Anholt fehlt seit Dienstag ein Altarkreuz.

Dirk Willemsen ist seit 34 Jahren Organist in der Gemeinde St. Peter und Paul. Derzeit läuft er jeden Tag mit bangem Blick durch die Wallfahrtskirche, statt mit dem ihm gegebenen Gottvertrauen. "Was hier seit einigen Wochen passiert, ist mir in meinen mehr als drei Jahrzehnten noch nicht vorgekommen", sagt Willemsen. In der Kranenburger Kirche wird nämlich gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Wenn Willemsen durch das Gotteshaus geht, geschieht dies immer mit der Furcht davor, wieder eine Ecke zu entdecken, wo einen Tag zuvor noch etwas stand oder hing. Mittlerweile sind zwei Kreuze, eine Wandlungsschelle und Kupferrohre an der Außenfassade gestohlen worden.

Doch nicht nur in Kranenburg werden in Gotteshäusern sakrale Gegenstände geklaut. Auf der anderen Rheinseite in Anholt ist in St. Pankratius ein 81 Zentimeter großes Kreuz, das auf dem Hochaltar stand, entwendet worden. Es ist mit Halbedelsteinen und Bergkristallen besetzt und mehr als 100 Jahre alt. Vor zwei Jahren hatten hier Diebe bereits die Altarschellen und ein Evangeliar mitgehen lassen.

Kreuze im Wert von 6000 Euro

Es deutet nicht wenig daraufhin, dass die Diebstähle auch auf eine Gesellschaft zurückzuführen sind, deren Respekt vor Recht und Gesetz immer schwächer ausgeprägt ist. Die Diebe werden immer dreister. Polizei-Sprecher Manfred Jakobi sagt, dass die Kreuz-Klau-Aktionen eine ganz andere Qualität hätten als etwa abmontierte Kupferrohre: "Bei den Rohren geht es allein um das Metall. Ob die nun an einem Einfamilienhaus hängen oder an der Kirche, spielt für den Dieb eine untergeordnete Rolle. Der Klau in Kirchen deutet darauf hin, dass die Hemmschwelle geringer wird."

  • Emmerich : Diebe: Kirche denkt über Videoüberwachung nach

Die zwei in Kranenburg gestohlenen Kreuze sind beide etwa 150 Jahre alt und zwischen 72 und 70 Zentimeter groß. Sie besitzen einen Wert von je 3000 Euro. Die Wandlungsschelle dürfte einen Wiederbeschaffungswert von etwa 250 Euro haben. Da die Gegenstände nicht versichert sind, muss die Gemeinde die Wiederbeschaffung selbst übernehmen. Von einem Kruzifix lag kein Foto mehr vor, das hat Organist Willemsen, der auch als Künstler arbeitet, gezeichnet (siehe Bild rechts).

Die Diskussion, wie die sakralen Gegenstände in der Kirche besser geschützt werden können, ist im Gang. In Kranenburg, so Willemsen, könne man es sich nicht leisten die Kirche nur für den Gottesdienst zu öffnen: "Wir sind eine Wallfahrtskirche, die muss Besuchern offen stehen." Worüber man im Kranenburger Kirchenvorstand bereits nachgedacht hat, ist eine Kamera zu installieren.

Ob es so weit kommen wird, ist noch nicht geklärt, da man die Privatsphäre der Gläubigen in der Kirche schützen möchte. In der Anholter Pfarrei St. Pankratius ist man einen Schritt weitergegangen. Außerhalb der Gottesdienstzeiten wird das Haus des Herrn geschlossen. Über die Videoüberwachung wird ebenfalls nachgedacht. Der Pfarrer wird jedenfalls beim Bistum die Überwachung per Kamera beantragen.

Dirk Willemsen kann sich auf Anhieb nicht daran erinnern, dass jemals derart wertvolle Gegenstände aus St. Peter und Paul gestohlen wurden. Doch fällt ihm dann das Kreuz ein, wodurch die Pfarre erst berühmt wurde. "Vor meiner Zeit hat jemand mal das Wundertätige Kreuz, als dies noch frei zugänglich war, geraubt und es anschließend in den Bach geschmissen.

Dort ist es von zwei Messdienern entdeckt worden, weil es völlig unverhofft an einem Zweig hängengeblieben war. Sonst wäre es weg gewesen." Womit sich wieder gezeigt hätte: Dieses Kreuz ist eben ein ganz besonderes.

(RP)
Mehr von RP ONLINE