Kleve: Diebe zerstörten bedeutendes Grabmal

Kleve: Diebe zerstörten bedeutendes Grabmal

Brachial wurden zehn von 14 Platten herausgebrochen und abtransportiert. Die pro Stück 50 Kilogramm schweren Bronzen werden wohl eingeschmolzen und sind für immer verloren. Diskussion über die Sicherheit des Friedhofes.

Der Engel hält die Posaune, die am jüngsten Tage die Toten ruft, sein Gewand breitet sich über eine steinerne Tumba. Der Engel schaut in die Ferne, bietet Ruhe und Trost zugleich. Still wartet er auf den Tag des jüngsten Gerichtes, wenn die Toten aus den Gräbern steigen, das Weltenende gekommen ist und die Ewigkeit der Herrschaft Gottes beginnt. Carl Janssen schuf 1888 den wunderbaren Engel, der auf dem Klever Friedhof über das Grab der Familie Hiby-Werth wacht. Dort ruhen nicht nur die Namensträger Hiby mit ihren Familien, sondern auch die Erbauerin des Hauses Wylerberg Marie Schuster und ihre Tochter, die Sängerin Alice, mit ihrer Lebensgefährtin, der Pianistin und Schoenberg-Schülerin Else C. Kraus. Älteren Klevern sind sie noch ein Begriff mit ihren privaten Konzerten im eleganten Haus in Wyler, bevor sie nach Ascona verzogen. Ebenso sind dort die Eheleute Joachim und Erika Werth beigesetzt, die nach dem Kriege an der Nassauerallee die Gärtnerei Bellevue betrieben. Ein jeder von ihnen bekam seine eigene Bronzetafel, zuletzt vierzehn an der Zahl, sagt Peter Werth, Nachkomme der Familie.

Doch der Engel wachte vergebens: Das Grab ist jetzt geschändet. Buntmetalldiebe haben zehn der Grabplatten mit brachialer Gewalt aus dem Stein gerissen. Jede der Platten wiegt 50 Kilogramm. Rund eine halbe Tonne Bronze haben die Diebe so zusammen gerafft - ein Metallwert von rund 2000 Euro, rechnet Werth.

Der Nachkomme der Familie lebt in München, ist noch sichtlich geschockt, dass das Grab in großen Teilen geradezu zerstört wurde. "Das ist ein Trauerspiel. Zum Glück blieb der Engel unversehrt", sagt Werth. Denn die skrupellosen Verbrecher plünderten eine Grabstätte, die die Bombardierungen des Krieges überstand. Sie zerstörten für 2000 Euro eines der wichtigsten kulturhistorischen und künstlerischen Zeugnisse des im Denkmalverfahren stehenden Friedhofes der Stadt. Der Klever Künstler Jupp Brüx hat es auf dem neuen Friedhof neu eingerichtet. Es ist eine Grabstätte, die fast alle Klever kennen, der versonnen gen Himmel schauende Engel ist sozusagen Allgemeingut: Ziel für die gut besuchten Friedhofsführungen, Ziel von Zeichnern, Ziel auch von Flaneuren über den so wunderbar angelegten Friedhof, Ziel für Menschen, die in ihm Trost suchen. "Wäre der Engel beschädigt worden, ich hätte geweint", sagt eine Kleverin. Doch erst die gestohlenen Grabplatten vollendeten das im Ganzen künstlerisch wertvolle Grabmal. Die Texte und Daten sind dokumentiert. Werth überlegt, die Platten nur noch in Stein wiederherstellen zu lassen. "Stein stehlen die nicht", sinniert der Münchner.

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"Ich bin erschüttert", sagt Stadtführerin Wiltrud Schnütgen, die regelmäßig die beliebten Friedhofsführungen anbietet. Sie hat Verständnis für das Ansinnen der Familie, die Texte in Stein schlagen zu lassen. Dennoch müssten Stadt und Politik diskutieren, ob - wegen der Bedeutung des Grabes - man nicht zusammen doch den Originalzustand wiederherstellen könne, sagt sie. Das möchte auch Wolfgang Gebing, Fraktionschef der CDU, diskutieren. Vielleicht schon im nächsten Kulturausschuss.

Vor allem aber muss man, so Karsten Koppetsch, Geschäftsführer der Umweltbetriebe der Stadt Kleve auf Nachfrage, über eine bessere Sicherung des Friedhofes nachdenken.

(mgr)
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