Die Verkehrswacht Kreis Kleve hat einen Pedelec-Simulator angeschafft.

Fahrsicherheit : Ein Simulator fürs E-Bike

Die Verkehrswacht Kreis Kleve hat einen Pedelec-Simulator angeschafft. Dieser soll bei Aktionen zum Einsatz kommen. Ältere Menschen können ihre Reaktionszeit testen und erhalten ein Gefühl für die Geschwindigkeit der E-Bikes.

Als neuer Direktionsleiter Verkehr der Kreispolizei Kleve kennt Achim Jaspers die Tücken von Pedelecs und E-Bikes genau. Mit den von einem Elektromotor unterstützen Fahrrädern kommen selbst ältere Menschen schnell auf hohe Geschwindigkeiten. Wenn dann etwas Unvorhergesehenes passiert, ist es für die Senioren enorm schwer, noch rechtzeitig zu reagieren. Die Folge: „Die Pedelecs sind für uns seit Jahren ein Thema. Der Boom wird sich noch weiter fortsetzen. Es gibt eine traurige Entwicklung mit steigenden Unfallzahlen. Viele Unfälle führen zu gefährlichen Verletzungen, manche enden sogar tödlich“, sagt Jaspers. Dem wollen Polizei und Verkehrswacht des Kreises Kleve nun entgegenwirken – mit einem Pedelec-Simulator.

Das 14.000 Euro teure Gerät wurde mit Unterstützung des Kreises Kleve, der Sparkassen im Kreis Kleve, den Stadtwerken Goch und Kleve, der Volksbank Kleverland und der Fahrrad Lörper GmbH angeschafft. Es besteht aus einem normalen Pedelec, einem Monitor, einem Rollenstand und viel zusätzlicher Elektronik. Das Prinzip: Senioren können auf dem neuen Pedelec ihre Reaktionszeit testen und erhalten ein Gefühl für die Geschwindigkeit der Fahrzeuge. Das soll helfen, schwere Unfälle zu vermeiden.

Der Pedelec-Simulator soll bei verschiedenen Gelegenheiten zum Einsatz kommen. „Die Polizei wird ihn bei ihren Fahrsicherheitstrainings einsetzen, die Verkehrswacht bei Schwerpunkteinsätzen wie Verkehrssicherheitsaktionen“, sagt Peter Baumgarten, Vorsitzender der Verkehrswacht Kreis Kleve. Achim Jaspers ist sich sicher: „Das wird eine gute Ergänzung unserer Trainings.“

Mehr als 90 verschiedene Gefahren-Situationen im Straßenverkehr können mit dem Gerät simuliert werden. Wenn die Senioren, die Zielgruppe ist 65 Plus, auf dem Pedelec Platz nehmen, treten sie in die Pedale und auf dem Bildschirm wird ihnen die virtuelle Fahrstrecke angezeigt. Typische Situationen sind: Plötzlich roll ein Ball auf die Straße, ein Kind springt hinter einem Lkw hervor oder ein von rechts kommendes Auto nimmt dem E-Bike-Fahrer die Vorfahrt. Dann gilt es schnell zu reagieren. „Das ist für Senioren aber alles nicht mehr so einfach.Es besteht oft eine große Unsicherheit bei der Handhabung eines Pedelecs. Der Schulterblick funktioniert nicht mehr so gut und die Reaktionszeit ist geringer als in jungen Jahren“, erläutert Baumgarten.

Sobald die Fahrer auf dem Simulator in die Bremsen greifen, zeigt das Gerät ihnen an, wie schnell sie reagiert haben, sprich die Reaktionszeit, den Reaktionsweg und den Bremsweg. „Diese Werte sind erheblich geringer, wenn man auf einem normalen Fahrrad mit einer Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern fährt, im Vergleich zu einem E-Bike mit 45 Stundenkilometern“, sagt Falk Neutzer, Geschäftsführer der Verkehrswacht Kreis Kleve. „Der Simulator ist für Senioren auch unabhängig vom Radfahren eine gute Gelegenheit, ihre Reaktionszeit zu testen“, ergänzt Norbert van den Sand von der Verkehrswacht.

Bei welcher Gelegenheit der Pedelec-Simulator zum ersten Mal zum Einsatz kommt, steht noch nicht genau fest, möglicherweise ist das bei der Veranstaltung „fahrRad-Pause“ auf dem Peter-Plümpe-Platz in Kevelaer am 26. April kommenden Jahres der Fall. Größere Seniorengruppen, die den Simulator einfach mal testen möchten, können sich an die Polizei oder die Verkehrswacht wenden und einen Termin dafür vereinbaren.