Kalkar/Niederrhein Die tiefe Frömmigkeit der Inder

Kalkar/Niederrhein · Der Kalkarer Pater George Kalachirayil hatte seine indischen Mitbrüder zur Messe in die St.-Nicolai-Kirche eingeladen.

 Anlass der Eucharistiefeier mit den indischen Glaubensbrüdern war die Heiligsprechung des Ordensgründers der Karmeliter.

Anlass der Eucharistiefeier mit den indischen Glaubensbrüdern war die Heiligsprechung des Ordensgründers der Karmeliter.

Foto: Gottfried Evers

Man fühlte sich in eine andere Welt versetzt. Aus der Eucharistiefeier der Thomas-Christen aus Indien, die 90 Minuten dauerte, sprach eine tiefe Frömmigkeit. Der in Kalkar als Seelsorger wirkende Pater George Kalachirayil hatte seine indischen Mitbrüder in die St.-Nicolai-Kirche zur "Heiligen Qurbana" der Syro-Malabarischen Kirche eingeladen. Anlass war die Heiligsprechung des Ordensgründers der Karmeliter der Unbefleckten Empfängnis Mariens (CMI), Kuriakose Elias Chavara, und der Schwester des Ordens der Mutter vom Carmel (CMC), Euphrasia vom Heiligsten Herzen Jesu. Die Bildnisse der beiden neuen Heiligen waren an der Stirnseite des Kalkarer Gotteshauses angebracht. Es war ein prächtiges Bild, als die 18 Priester, begleitet von acht "Muthukuda", roten Schirmen mit Silberbesatz, in St.-Nicolai einzogen.

Hauptzelebrant war Pater George in Konzelebration mit vier Geistlichen. Die übrigen 13 Priester fanden im Chorgestühl Platz. Weitere fünf Patres folgten der Liturgie mit den zahlreichen Gläubigen vom Kirchenraum aus. Die große Schar der Priester trug wunderbare weiß-goldene Chormäntel, dazu blaue und rote Stolen. Großen Anteil an der ergreifenden Liturgie hatten vier Schwestern und zwei Patres, die instrumental und gesanglich die "Qurbana" als eine ständige Darbringung von Lob, Ruhm, Ehre, Dank und Anbetung an den dreieinigen Gott zum Ausdruck brachten. Auffallend war die große Schar der Ministranten, die mit Kerzen in den Händen die Liturgie begleiteten, wobei mit Weihrauch, der zum Himmel stieg, nicht gespart wurde. Während die Gesänge überwiegend in Malayalam vorgetragen wurden, unterstützt von einer großen Schwesternschar, waren die übrigen Texte, von einer Lektorin gesprochen, in deutsch.

Pfarrer Heinrich Bösing aus Moers beleuchtete in seiner Predigt das Leben des heiligen Chavara, der 1805 in Kerala im Süden Indiens geboren wurde, 1818 ins Priesterseminar eintrat und 1829 zum Priester geweiht wurde. 1831 gründete er die Kongregation der Karmeliter. Sein religiöses Gelübde legte er 1855 ab und gründete 1866 die Kongregation der Karmeliterinnen. Er starb 1871 im Alter von 66 Jahren. 1986 wurde er selig gesprochen, und am 23. November dieses Jahres war seine Heiligsprechung. "Er war ein großer Beter und Marienverehrer", sagte Pfarrer Bösing. Herausragend waren seine Leistungen als fortschrittlicher und weit blickender Sozialreformer. Er betrachtete Bildung als Mittel gegen Armut und für sozialen Aufschwung. Er gründete erstmalig Schulen, die alle Menschen, unabhängig von Kaste, Glaube oder Hautfarbe, gemeinsam besuchen konnten. Auch die Gründung von Seminaren und Heimen für alte, kranke und mittellose Menschen lagen ihm am Herzen. In Deutschland sind über 100 Priester aus diesem Orden in der Seelsorge in verschiedenen Bistümern tätig, darunter im Bistum Münster 16 Patres und zahlreiche Ordensschwestern. "Wir spüren die Wurzeln des heiligen Thomas", sagte Ortspfarrer Alois van Doornick.

Im Gemeindezentrum wurde das Leben der beiden Heiligen durch einen Filmbeitrag vertieft, und dann gab es ein wohlschmeckendes indisches Essen.

(RP)
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