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Kleve: Die Operationssäle im Klever Hospital

Kleve : Die Operationssäle im Klever Hospital

In einer unregelmäßig erscheinenden Serie stellen wir Orte vor, die nicht jedem zugänglich sind - heute die OP-Säle des St.-Antonius-Hospitals. Patienten bekommen die Säle nicht zu Gesicht - sie werden unter Narkose in den Raum gefahren.

Normalerweise bekommen nur wenige Menschen diesen Saal zu Gesicht. Denn, wenn sie dort hereingerollt werden, befinden sie sich im Tiefschlaf - ihnen steht eine Operation bevor. "Die Narkose wird in einem Vorraum eingeleitet. Erst dann werden die Patienten hier in den OP gefahren", sagt Dr. Hubert Terheiden, Oberarzt für Anästhesie und Intensivmedizin und OP-Koordinator im St.-Antonius-Hospital.

Am Operationstisch ist dann bereits alles für den Eingriff vorbereitet. "Die Körperstelle, an der die Maßnahme vorgenommen wird, wird desinfiziert, bevor der Operateur den ersten Schnitt setzt", erklärt Terheiden. Vom sogenannten "Schleusen" des Patienten in den OP-Trakt über die Vorbereitung, Lagerung und zehnminütige Einleitung der Narkose bis zum Beginn der Operation plane er eine knappe Stunde ein, so der Anästhesist. "Wenn der Patient zu uns kommt, befragen wir ihn zunächst anhand einer Checkliste auch nach der Operation, die durchgeführt werden soll. Damit sind Identität und Art der OP sicher geklärt, eine Verwechslung praktisch unmöglich", so Terheiden. Anschließend leitet der Facharzt über einen Venenzugang die Narkose ein. Dosiert wird das Mittel unter anderem nach Körpergewicht, Alter und Geschlecht des Patienten. Sobald die Narkose wirkt, schließt er den Patienten an ein Beatmungsgerät an, schiebt ihn in den OP-Saal. Terheiden muss sich dabei auf ein gut funktionierendes Team verlassen können: Neben zwei Operateuren sind eine Anästhesiepflegekraft und zwei OP-Pflegekräfte im Einsatz.

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Hubert Terheiden bleibt während der gesamten Operation am Kopfende des Patienten, überwacht während der Narkose sämtliche Kreislauf- und Beatmungsparameter. "Das Narkosemittel sowie Schmerzmittel können jederzeit über die Beatmung oder Vene nachgereicht werden", sagt Terheiden. Bei Komplikationen, zum Beispiel einem plötzlichen Abfall des Blutdrucks, muss der Anästhesist zügig die Ursache finden und entsprechende Maßnahmen einleiten. "Das kann beispielsweise durch die Zugabe eines weiteren Medikaments erfolgen", erklärt der OP-Koordinator. Kurz bevor die Ärzte und Schwestern den OP-Bereich betreten, müssen sie sterile Kleidung anlegen. Dazu zählen Handschuhe, Mundschutz und eine Haube für den Kopf. In einem Waschraum am Saal werden die Hände desinfiziert. Sobald sie den Saal verlassen, muss bei ihrer Rückkehr das Prozedere erneut durchgeführt werden.

Vier Operationssäle im Zentral-OP und sechs weitere dezentrale "operative Arbeitsplätze" gibt es im St.-Antonius-Hospital Kleve. Jeder würde für unterschiedliche Eingriffe genutzt, so Terheiden: "Für eine gynäkologische Operation werden andere Geräte benötigt als für einen neurochirurgischen Eingriff. Die Säle sind also unterschiedlich bestückt." In jedem Saal liegen zudem Instrumente für einen Notfall bereit: "Wir müssen immer damit rechnen, dass ein Rettungswagen einen Patienten bringt. Deshalb müssen wir stets gewappnet sein", sagt der Oberarzt. Allgemeinchirurgische Operationen wie etwa große Darm-OPs, Operationen am Herzen und an der Lunge werden nicht in Kleve durchgeführt: "Die werden verlegt." In der Regel sei ein anderer Standort des katholische Karl-Leisner-Klinikums zuständig - die Patienten würden nach Goch oder Kevelaer gebracht.

Am Tag werden pro Saal mehrere Operationen durchgeführt, durchschnittlich seien es in allen OPs zusammen rund 30 Eingriffe täglich. Manche dauern nur wenige Minuten, andere mitunter mehrere Stunden. "Das Entfernen von Mandeln oder eine Operation am Karpaltunnel an der Hand dauert meist nur 20 Minuten", erklärt Terheiden. Für eine Knie-Prothese hingegen müsse mehr Zeit eingeplant werden.

Sei erkennbar, dass die Operation kurz vor dem Abschluss stehe, bereite er die Aufwachphase vor: "In der Regel sorgen wir dafür, dass der Patient etwa fünf Minuten nach der Operation aus der Narkose erwacht." Man würde sofort ein kurzes Gespräch mit dem Patienten führen. Oft genüge es bereits, ihn nach dem Namen zu fragen. "Die meisten schlafen dann sofort wieder ein, können sich an das Gespräch auch häufig nicht mehr erinnern." Danach kämen die Patienten in einen Aufwachraum.

Zur selben Zeit ist ein Reinigungstrupp im Saal, desinfiziert den Boden. OP-Schwestern tauschen die Instrumente aus. Nebenan bereitet Terheiden schon den nächsten Patienten auf seinen Eingriff vor.

(csc)