Kreis Kleve: Die neue Campus-Stadt im Hafen

Kreis Kleve: Die neue Campus-Stadt im Hafen

Mit dem Hamburger Büro nps tchoban voss wurde das Architekturbüro ausgewählt, das die neue Fachhochschule in Kleve bauen könnte. Die RP stellt die Planung vor. Landrat Wolfgang Spreen versprach, dass der 122,3-Millionen-Euro-Bau auch ein Konjunkturprogramm für den Kreis Kleve sei.

Endlich ist die neue Hochschule Rhein-Waal (HRW) für den Kreis Kleve greifbar, hat sie ein Gesicht. Ein Gesicht, das Moderne wie Tradition, Geschichte wie Zukunft miteinander vereinen soll. Nach dem europaweiten vergaberechtlichen Verfahren wurde jetzt ein Siegerentwurf vorgestellt, der von der "Jury" unter Federführung des Düsseldorfer Planungsbüros Niemann+Steege als der Geeignetste – sowohl nach wirtschaftlichen, als auch nach architektonischen und städtebaulichen Gründen – ausgewählt wurde.

Das 140 Mitarbeiter starke Hamburger Architekturbüro nps tchoban voss schuf für die Kreisstadt einen Hafencampus, der Aushängeschild für den Kreis Kleve als Hochschulstandort werden kann. Er steht auch als typisches Beispiel für den Wandel, den der Kreis und mit ihm die 50 000-Einwohner-Kreisstadt Kleve mitgemacht haben. Die industriell geprägte Stadt wandelt sich zum Wissensstandort: Symbolisiert in der Veränderung des alten Backsteinbaus im Hafen, der, zwar denkmalgeschützt, dennoch dunkel und ziemlich nutzlos, im Hafen stand. Er wird der künftigen Bibliothek der Hochschule Heimat geben und zum Wissensspeicher umfunktioniert. nps nehmen dem alten Speichergebäude seine dunkle Trutzigkeit, indem sie ihm ein Muster verschieden großer quadratischer Fenster in die Fassade schneiden und neues Licht ins Innere lassen. Es ist dieser Speicherturm, der das mit den neuen Fenstern jetzt freundliche Gesicht der Hochschule werden kann.

Oder das große Hörsaalgebäude mit dem 500 Personen fassenden Audimax und zwei 180 Personen fassenden Hörsälen. Neben dem Speicher ist dieses große Gebäude der zweite Schwerpunkt auf dem Hafencampus. Deshalb haben die Planer den Bau auch aus der Achse der anderen Gebäude herausgedreht. Damit durchbricht dieser Bau die klare, einfache Reihung, in der die Hamburger Architekten die Gebäude der Hochschule angeordnet haben.

Bei den modernen neuen Gebäuden ist das Modul das Maß der Dinge: 1,25 Meter misst es. Jeder Bau ist ein Vielfaches dieses Maßes. Die Gebäude sind klar und modern, genauso einfach gezeichnet wie das Prinzip der aneinander gereihten Komplexe. Die horizontalen Fensterreihen bekommen durch wechselnde Brüstungs- und Sturzhöhen einen regelrechten Schwung – oder wie Architekt Ekkehard Voss, Geschäftsführer von nps tchoban voss, es formuliert: "Die Fassaden unterliegen ebenfalls dem strengen 1,25-Meter-Rhythmus, der durch elementierte Metallpaneele in den Brüstungen und Sturzhöhen variiert, dennoch ein differenziertes Gesamtbild erzeugt."

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Die Bauten sind drei- bis viergeschossig und nehmen die verschiedenen Fachbereiche der Hochschule auf. Verbunden sind diese Fachbereichs-Bauten durch überdachte Gänge, ihre "Gesichter" öffnen sich zur Kanalseite hin. Sie sind so auf das Grundstück gestellt, dass zwischen dem Ufer und den aufgereihten Gebäuden der Hochschule genügend Raum für eine Uferpromenade bleibt.

Nach den ersten drei langgestreckten Gebäuden von der Stadtseite aus springen die nächsten drei so zurück, dass der Wissensspeicher von einem großen Platz freigehalten wird. "Es entsteht ein langgestreckter Campus – wie eine kleine Stadt. Der Bibliotheksspeicher symbolisiert das Rathaus in der Stadt, das gedrehte Hörsaalzentrum im Osten stellt sich als besonderer Ort der Kommunikation und Begegnung mit viel Öffentlichkeit dar", beschreibt Architekt Ekkehard Voss das Prinzip der beiderseits des Kanals angeordneten Gebäude. Wobei, so verrieten die ebenfalls am Bau beteiligten Klever Architekten Hülsmann und Thieme, das Hörsaalzentrum multifunktional sein soll.

Ein besonderer Gag der Planung ist auch der alte Güterschuppen ohne Dach: Hier soll ein von den beteiligten Gartenbauarchitekten Prof. Dirk Junker gestalteter, von den alten Mauern umfriedeter Park entstehen, in Ruhe abgeschottet vom Leben ringsum auf dem Campus.

Ein Stück weiter, auf der anderen Seite des Wendehafens, liegt schließlich die Mensa, die einen Blick über Hafenbecken und Kanal, am Speicher vorbei auf die Schwanenburg bietet. Gegenüber der Mensa und gegenüber dem Hörsaalzentrum soll jeweils eine breite Brücke über den Kanal führen, so dass auch ein Rundlauf möglich wird.

(RP)
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