Kleve: Die katholische Hochburg

Kleve: Die katholische Hochburg

So wechselvoll wie die Geschichte des Niederrheins ist auch die Geschichte der katholischen Kirche in der Region: Der Niederrhein kam 1821 zum Bistum Münster, nachdem die Franzosen ihn von Köln getrennt hatten. 1930 gab der Niederrhein Pfarren im Kreis Kempen an das Bistum Aachen ab.

KREIS KLEVE Das Amt des Kreisdechanten übernimmt mit seiner Einführung am 15. September der neue Pfarrer an der Klever Propsteikirche Johannes Mecking. Zum Kreisdekanat gehören alle katholischen Gemeinden, die auch dem politischen Kreis Kleve angehören.

Der Wechsel des Amtsinhabers ist aber nur eine kleine Veränderung, verglichen mit der wechselvollen Geschichte der katholischen Kirche am Niederrhein: Rund 1500 Jahre gehörten weite Teile des Niederrheins zu Köln. Römische Soldaten hatten als erste die christliche Botschaft an den Rhein gebracht. Strukturierte Gemeinden bildeten sich in der Zeit des Benediktinermönches Willibrord, seit 695 erster Bischof von Utrecht. In diesem Bistum gab es zeitweilig ein Dekanat Zyfflich. Emmerich war seit dem frühen zwölften Jahrhundert bis 1821 Teil der Erzdiözese Utrecht und unterstand auch während der Aufhebung 1568 (bis 1853) niederländischer Kirchenverwaltung.

  • Fall Ahmed A. in Kleve : SPD im NRW-Landtag fordert Untersuchungsausschuss zu totem Syrer

Der erste Umbruch der Jahrhunderte geltenden kirchlichen Organisation erfolgte 1801, als Pius VII. nach der Ostverschiebung der deutsch-französischen Grenze durch Napoleon das Bistum Aachen gründete. Bischof auch für den linken Niederrhein wurde der Elsässer Markus Berdolet, sein Generalvikar Martin-Franz Fonck stammte aus Goch. Die rechte Rheinseite blieb bei Köln. Aus dem Wiener Kongress ging Preußen politisch gestärkt hervor. So gehörte ihm nun unter anderem der gesamte, weithin von Katholiken bewohnte Niederrhein an. Die Neuordnung der Bistümer orientierte sich an den neuen Grenzen. Die katholischen Pfarreien am Niederrhein – auch die in und um Emmerich – wurden allesamt der Diözese Münster zugeteilt. Dem absolutistisch herrschenden Preußenkönig schwebte vor, aus dem bunten Vielerlei seiner Untertanen ein Staatsvolk mit einer Art Einheitschristentum zu machen. Diesem Streben standen die Katholiken skeptisch gegenüber.

Um deren Einfluss zu mindern, schwächte die Regierung vor allem die "katholische Hochburg" Köln. Das Erzbistum wurde kleiner, Hauptstadt der Rheinprovinz wurde Koblenz. In konfessionsverschiedenen Ehen sollten die Kinder die Religion des Vaters annehmen. Da viele evangelische Offiziere und Beamte ins Rheinland versetzt wurden, profitierte der Protestantismus. Die Spannungen erhöhten sich noch einmal während des Kulturkampfes unter Bismarck. Frei gewordene katholische Pfarrstellen blieben unbesetzt. Ein verständnisvolles ökumenisches Miteinander entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert. 1930 gab der Niederrhein Pfarren im Kreis Kempen an das wiedererrichtete Bistum Aachen ab, 1958 gingen Dekanate in Duisburg und Oberhausen an die neue Diözese Essen. Wohl nicht das letzte Kapitel in der langen Geschichte der Kirche am Niederrhein.

(l)
Mehr von RP ONLINE