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Die IG naturnahes Kalkar setzt zahlreiche grüne Projekte um

Für mehr Grün in Kalkar : Naturschutz – eine Gemeinschaftsaufgabe

Vieles können Bürger allein erreichen, manchmal tut fachlicher Rat gut. Immer aber lohnt es sich, gemeinsam an einer Aufgabe zu arbeiten. So wie die Interessengemeinschaft naturnahes Kalkar.

Mit Politik hat die Gruppe nichts zu tun, mal abgesehen davon, dass einige Ratsmitglieder unter den Akteuren sind und dass Detlev Schulz, einer der Hauptakteure, der Ehemann der Bürgermeisterin ist. „Das ist nicht schädlich, weil ich ihr schon mal zusetze, bis sie sich ein Bild vor Ort macht“, sagt Schulz schmunzelnd. Aber zur Interessengemeinschaft naturnahes Kalkar gehören Vertreter verschiedener Fraktionen, und ganz normale Bürger. Solche, die daran mitarbeiten wollen, dass ihre Heimatstadt lebenswert ist, wozu eine gesunde Natur unbedingt gehört. In der Corona-Zeit haben vielleicht nicht ganz so viele Veranstaltungen stattgefunden wie es ohne die Kontaktbeschränkungen der Fall gewesen wäre, aber das Programm für 2021 kann sich dennoch sehen lassen.

Ein Blick zurück darf vorab sein. Susanne Schleuter aus Appeldorn und Bernd Schölmann aus Kalkar haben mal zusammengefasst, was alles seit der Gründung der Initiative im Juli 2019 passiert ist: 42.000 Krokusse und Winterlinge wurden im ganzen Stadtgebiet gepflanzt, später 15.000 Narzissen. Vier Obstbaumwiesen wurden auf Flächen beider Kirchen angelegt, wobei der Verein LiKK, mit dem auch weiter zusammengearbeitet wird, half.  Vor Corona gab es Vortragsveranstaltungen zum Naturschutz, zwei Gärtnereien übernahmen es, Kreisverkehre zu bepflanzen, diverse Blumenkästen und -behälter in der Innenstadt können sich jetzt sehen lassen. Cleanday und Rhine Clean Up wurden genutzt, um den Müll aufzusammeln, viele Spaziergänger freuen sich an dem Anblick des Dominikaner Bongert, wo es neben 80 Obstbäumen teils alter Sorten ein großes Bienenhotel und ein Storchennest zu bewundern gibt.

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Inzwischen befinden sich weitere Pläne bereits in der Umsetzung und helfen gerade in dieser Zeit, in der die Menschen meist in der eigenen Wohnumgebung bleiben, so manchem, die gute Stimmung zu bewahren. Da ist zum Beispiel die Umgebung des Ehrenmals in Niedermörmter. Das war ein dunkler, wenig einladender Ort mit verwilderten Pflanzen. Nikolai Sawitzki und einige Helfer aus dem Dorf haben daraus inzwischen eine echte Parkanlage gemacht. „Im Herbst wurde die Fläche erstmal weitgehend geräumt, damit man die Struktur wieder erkannte. Jetzt haben wir Rasenstücke, aber vor allem Platz für Stauden und andere Blumen.“ Da sie spät gesetzt wurden, blühen die Tulpen noch in großer Pracht und formen in ihrem Beet sogar das Wappen Niedermörmters, den Schlüssel. Sawitzki, hauptberuflich Gärtner der Burg Boetzelaer, geht auch von Haus zu Haus und sammelt für das Projekt Spenden. „Die meisten Leute finden es toll, was wir machen, einige wenige aber murren: ,Soll sich doch die Stadt kümmern’.“ Aber genau das sehen die Mitglieder der IG anders. Sie alle sind doch Kalkar!

 Nikolai Sawitzki lebt selbst in Niedermörmter und freut sich,  den Mitbürgern jetzt einen echten Park bieten zu können.
Nikolai Sawitzki lebt selbst in Niedermörmter und freut sich,  den Mitbürgern jetzt einen echten Park bieten zu können. Foto: Anja Settnik

Bestens angekommen ist auch die Idee, Privatleuten hinter der alten Molkerei in Hönnepel kleine Ackerstücke anzubieten. Norbert und Agnes Remy leiten das Projekt „Gemüsezeiten“ und beraten, falls gewünscht, die Hobbygärtner. Norbert Remy, der als Gartenbautechniker sein ganzes aktives Berufsleben mit der Thematik zu tun hatte, freut sich, dass so viele Leute ihre eigenen Kartoffeln, Kohlrabi und Salate anbauen wollen. Gerade mal 45 Quadratmeter groß ist ein Pflanzbeet, „aber was da wächst, kann eine Famiie allein kaum aufessen“, weiß auch Detlev Schulz. Natürlich werden keine chemischen Mittel gegen Schädlnge oder Unkraut benutzt und der Dünger muss organisch sein. „Dafür setzen wir Knoblauchsud gegen Falschen Mehltau ein, pflanzen Tagetes gegen Schnecken und setzen Zwiebeln neben den Kohl, damit der Kohlweißling Reißaus nimmt“,  erzählt Remy.