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Kleve: Die Hochschule will Kleve bewegen

Kleve : Die Hochschule will Kleve bewegen

Von Bürgerbus bis Carsharing - die Hochschule Rhein-Waal untersucht neue Mobilitätskonzepte für die Stadt Kleve. Das Projekt benötigt die Mitarbeit der Bewohner, die erste Resonanz war aber deutlich schwächer als erwartet.

Teilt sich die Klever Rentnerin mit einem Studenten ein Auto? Und wie können Fahrgemeinschaften sinnvoll organisiert werden? Wissenschaftler der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie an der Hochschule Rhein-Waal gehen derzeit der Frage nach, wie sich Kleve in Zukunft fortbewegt. "Projekt: Anreiz und Informationsstrukturen im Bereich multimodale Verkehrs und Mobilitätskonzepte" lautet der sperrige Arbeitstitel. Finanziert wird das Projekt, kurz "Promuove" genannt, vom Ministerium für Forschung. "Wir untersuchen die Bereitschaft von Klevern, neue Verkehrswege und -mittel zu nutzen", sagt Swantje Klein, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts. Auch welche Anreize man Klever Bürgern geben könnte, alternative Verkehrsmittel zu nutzen, untersuchen die Forscher.

"Schnittbrötchen" gehören anscheinend nicht dazu. Die nämlich sollten Teilnehmer einer Umfrage als Aufwandsentschädigung bekommen, die Mitte Dezember der Zeitung beilag. "Ihr Auto steht ungenutzt vor der Tür und nebenan schleppt ein Student seine Wasserkisten? Das wollen wir ändern. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe und Ihre Meinung", heißt es in dem Schreiben. "Wir wollen die Bürger mit ins Boot nehmen und nicht nur in unserem stillen Kämmerlein sitzen", sagt Swantje Klein.

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Die Resonanz war dabei allerdings nicht so wie erwartet. "Wir haben mit etwa 1000 Rücksendungen gerechnet, am Ende waren es 66", sagt sie. Entmutigen lassen möchte man sich aber nicht. "Auch im Internet hat das Projekt für einiges Aufsehen gesorgt. Wir werten jetzt erst einmal aus, was uns die Bürger geschrieben haben", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Die Spanne ist groß: Von komplett begeisterten bis entsetzten Klevern sei alles dabei gewesen. "Die Frage nach der Mobilität ist für uns als Hochschule natürlich eine entscheidende", sagt Klein. "Und in Kleve muss man fast schon ein Auto haben, um wirklich mobil zu sein." Das haben aber längst nicht alle - vor allem nicht Studenten, die aus anderen Städten oder gar Ländern an den Niederrhein kommen. "Den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, ist erfahrungsgemäß schwierig. Dafür Alternativen zu finden, ist spannend", sagt Swantje Klein.

Alternativen wie das sogenannte Carsharing. Dabei teilen sich mehrere Bürger ein Auto - in großen Städten werden die mittlerweile von Unternehmen wie BMW und Daimler geboten. Und das mit steigendem Erfolg: Der TÜV-Rheinland geht nach einer vor kurzem veröffentlichten Studie davon aus, dass sich die Zahl der Carsharing-Nutzer bis 2020 auf drei Millionen erhöht hat. "Das Problem an der Sache ist, dass wir aber wohl kein großes Carsharing-Unternehmen nach Kleve bekommen werden. Das rechnet sich für die Firmen einfach nicht", sagt Swantje Klein. Die Alternative sei privates Carsharing von Bürgern für Bürger. Und tatsächlich bieten bereits vereinzelt Autofahrer in Kleve, Kranenburg oder Emmerich ihr Fahrzeug über das Internet an. Die Gebühren liegen zwischen 25 und 50 Euro inklusive Versicherung und zuzüglich Benzin. "Die Frage ist, ob man das so groß aufziehen muss, oder ob es auch Projekte wie ein Nachbarschaftsauto geben kann", sagt Swantje Klein.

Eine andere Alternative wären Bürgerbusse, wie es sie schon seit Jahren in Uedem oder Kevelaer gibt. Dabei fahren Ehrenamtler Bus, Fahrgäste bezahlen einen sehr moderaten Fahrpreis. "Wir fragen, ob so etwas auch in Kleve möglich ist, oder die Stadt einfach zu groß dafür ist", sagt Swantje Klein. Im Frühling möchte man erneut auf die Bürger zugehen. "Wir wollen in Kleve schließlich etwas bewegen", sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

(lukra)