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Kreis Kleve: Die Frucht der Hexen und Schamanen

Kreis Kleve : Die Frucht der Hexen und Schamanen

Zweiter Tag des Klimahauses an der Hochschule Rhein-Waal: Am Dienstag werden der Arzt Roman Dähne und die Hochschullehrer Professor Jens Gebauer und Stefan Weber die Merkmale und Wirkung des Stechapfels vorstellen.

Die Blüte ist schön, das Gewächs manchmal krautig, und die Frucht hat ihre ganz eigene Wirkung: Schon Hexen und Schamanen sowie indianische Medizinmänner nutzten die Wirkung des Stechapfels. Eine Wirkung, die von Trance-Zuständen bis zur völligen Verwirrtheit führt. "Daher stammt auch der Name Nachtschattengewächse", sagt Dr. Roman Dähne. Stechäpfel sind das Hobby des Facharztes für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde und Schlafmedizin am Wilhelm-Anton-Hospital der KKiKK in Goch. Es habe nichts mit der Nacht zu tun, in der die Pflanzen wachsen oder gedeihen, sondern mit dem "Nachtschaden" oder "Schatten", wie man im Mittelalter die Wirkung der psychoaktiven Substanzen umschrieb.

Für Dähne ist das Hobby längst zur Profession geworden: Seit acht Jahren forscht er über die Frucht und ihre Wirkung, versucht sie einzuordnen, zu taxieren. Zunächst allein an der Radboud-Universität in Nimwegen, die in ihrem botanischen Garten eine der größten Nachtschattengewächs-Sammlungen weltweit hat. Inzwischen haben Dr. Dähne und Prof. Jens Gebauer, Professor für nachhaltige Agrarproduktionssysteme insbesondere im Gartenbau an der Hochschule Rhein-Waal, eine grenzüberschreitende Kooperation mit einem Studentenaustausch zwischen Radboud und Hochschule Rhein-Waal organisiert. Gerne greift Dähne auf die gute Ausstattung der HRW zurück, um die Grundlagenforschung zum Stechapfel weiter voranzubringen.

Die Hochschule im Kreis Kleve hat jetzt das Nachtschattengewächs in den Mittelpunkt des "Zweiten Tags des Klimahauses" gestellt, zu dem Studieninteressierte, Botaniker oder einfach nur Neugierige auf den Campus Kleve am Dienstag, 10. Dezember, ab 18 Uhr, eingeladen sind. Hier kann man in die Welt der Nachtschattengewächse eintauchen. Denn das Klimahaus der Hochschule Rhein-Waal soll Treffpunkt für alle Botanik-Freunde des Kreises Kleve werden. Regelmäßig lädt das Team um Jens Gebauer ein, um über Pflanzen und Pflänzchen zu informieren. "Der zweite Tag des Klimahauses widmet sich dem Stechapfel und erläutert Wissenswertes zu seiner medizinischen, ethnologischen und ornamentalen Verwendung", sagt Gebauer. Die bekanntesten Vertreter der Nachtschattengewächse seien Tomaten, Kartoffeln, Auberginen, Physalis, Chili, Paprika aber auch Tabak, Tollkirsche, Bilsenkraut, Alraune und eben Stechäpfel, erklärt der Gartenbau-Professor und ergänzt: "Viele dieser Pflanzen sind von pharmakologischem Interesse und Basis altbewährter Medikamente wie Atropin oder Scopolamin, die zur Behandlung von Reisekrankheit sowie in der Intensivmedizin eingesetzt werden können."

Dähne wird an dem Abend die spezielle Nachtschattengattung der Stechäpfel einordnen, in ihrer Vielfalt darstellen und den Besuchern des Klimahauses anhand ihrer Bestimmungsmerkmale erläutern. Denn es gibt viele verschiedene Spezies der Pflanze, erst vor wenigen Wochen wurde wieder eine neue entdeckt, erzählt Dähne. Er wird sich ganz auf die Beschreibung der Pflanze konzentrieren. Die Erklärung der Wirkung der Pflanze überlässt der Arzt dem Rhein-Waal-Chemiker Dr. Stefan Weber. Der wird über die Inhaltsstoffe dieser Pflanzen referieren, ihre chemische Analyse erklären und ihre Bedeutung in der Forschung aufzeigen.

Zuvor wird Gebauer die Besucher begrüßen und das Klimahaus kurz erklärt — denn das nachts so warm übern Campus leuchtende Haus ist mehr als nur ein Treibhaus und kann verschiedene Klimazonen abbilden. Natürlich sind auch die Stechapfelsorten zu sehen: "Alle bekannten Stechapfelarten sowie andere Exoten der Pflanzenwelt sind im Klimahaus zur Demonstration ausgestellt und werden allen Interessierten im Rahmen von Führungen vorgestellt", sagt Gebauer.

(RP)