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Kleve: Die Freudenberg-Post kommt

Kleve : Die Freudenberg-Post kommt

In der Einrichtung der Lebenshilfe am Freudenberg arbeitet eine kleine Gruppe geistig behinderter Bewohner an ihrer eigenen Zeitung. Schließlich gehört eine Zeitung zum normalen Alltag dazu – auch am Freudenberg.

Wenn Adelgunde Wohlgemuth die Zeitung aufschlägt, dann greift sie sich bevorzugt den Sportteil. Sie liest „nur Fußball“, sagt sie, „weil ich Bayern-Fan bin“. Reiner Hafiz will wissen, was in den Städten und Gemeinden los ist. Gerda Jansen mag bunte Geschichten, besonders aus Kranenburg, da kommt sie nämlich her. Mit Sport kann man sie aber jagen. Und Ulrich Felten findet die schlichten Nachrichten am spannendsten.

Die vier wohnen in der Einrichtung der Lebenshilfe am Freudenberg, und sie machen mit beim Projekt „Wir machen Zeitung“. Sie sind geistig behindert, aber nicht ohne Interesse für die Welt um sie herum, erklärt Bettina Vermeulen.

Die 21-jährige Praktikantin in der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin hat das Projekt ins Leben gerufen. „Wir wollen eine hausinterne Zeitung machen, in der die Bewohner ausdrücken, was ihrer Meinung nach wichtig ist“, erklärt ihr Kollege, Lebenshilfe-Mitarbeiter Robert Heiße. Das Konzept: Es soll einen Teil mit Nachrichten von allgemeinem Interesse geben. Erste Vorschläge hat das Freudenberg-Redaktionsteam schon zur Collage zusammengestellt „Nena singt am Airport“ steht da, „Bahn verliert den Niers-Express“, dazwischen ist ein Bild vom Bayern-Spiel.

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Im zweiten Teil sollen Nachrichten stehen, die das Haus und seine 20 Bewohner betreffen. Etwa, wer wann Geburtstag hat, oder was für die Karnevalsparty geplant ist. Arbeitstitel der neuen Zeitung, die erstmal zwei DinA-4-Seiten füllen soll: „Freudenberg-Post“.

So normal wie möglich

Die Bewohner sollen so normal wie möglich leben, und da gehöre eine Zeitung dazu, erzählt Robert Heiße weiter, was hinter der Idee steckt: „Wir wollen, dass sein Austausch stattfindet über Dinge, die gesellschaftlich interessieren.“ Und: „Die Bewohner sind an dem Medium Zeitung interessiert. Sie kaufen sie sich selbst. Wenn wir unterwegs sind, wird am Kiosk angehalten. Und hier wird ständig in irgendwas geblättert.“ Wenn er ein aktuelles Thema anspricht, kommt es vor, dass ein Bewohner losgeht und den Artikel dazu heraussucht.

Die meisten Bewohner reizen, so Reiner Hafiz: „Die Bilder“. Da unterscheiden sie sich noch nicht sehr vom Durchschnittsleser: Laut Untersuchungen wandert der Blick normalerweise erstmal zum Bild.

Informiert sein und entscheiden

Davon abgesehen haben die behinderten Menschen aber doch eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung, je nach ihren Fähigkeiten und Interessen. „Für einige ist die Zeitung wirklich eine Art Bildband. Es kann aber auch um die Information gehen, die dahinter steckt“, sagt Robert Heiße.

Das Zeitung-Machen kann den Freudenberg-Redakteuren viel bringen, hofft Bettina Vermeulen: „Sie produzieren etwas. Sie sehen, was sie geschafft haben. Sie bekommen mit, was in der Welt passiert. Und sie können etwas beeinflussen: Sie selbst entscheiden, was in der Freudenberg-Post steht.“

(RP)