Kleve: Die Flügel im Wind

Kleve : Die Flügel im Wind

Beim Deutschen Mühlentag haben auch Mühlen aus dem Kleverland ihre Tore für Interessierte geöffnet. Bei bestem Ausflugswetter erhielten tausende Besucher Einblick in das alte Handwerk des Mahlens.

Der Deutsche Mühlentag begann für viele Besucher in Donsbrüggen am Pfingstmontag mit einer Messe. Mit einer Mühlenmesse im Freien, um genau zu sein. Denn so fand dort um 10 Uhr der Auftakt des Mühlentages statt — und das schon zum 19. Mal. Mehr als 400 Menschen aus Donsbrüggen und Umgebung nahmen an der traditionellen Eröffnung am historischen Bauwerk teil.

1824 als sogenannte Wallholländer Mühle erbaut, arbeitet die Alte Mühle nach modernstem Standard. "Wir haben hier eine richtige Hightech Mühle", pflegt der Vorsitzende des Förderkreises der Mühle, Norbert Schmitz, zu sagen.

Hightech komplett aus Holz. Denn bis auf das gemauerte Fundament und die Flügel besteht sie aus Balken und Brettern. "Sie wurde nahezu komplett in einer Schreinerei vorgefertigt, durchnummeriert und dann hier aufgebaut", erzählt Beate Hugo, stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises.

Gemahlen wird hier noch heute und das Vollkornmehl in der Backstube zu echtem Mühlenbrot weiterverarbeitet. Oder zu den sogenannten "Möppkes", einer Mischung aus Stuten und Kuchen, die es ausschließlich am Pfingstmontag gibt. "Die sind bei unseren Besuchern der Renner und etwas ganz Besonderes speziell für den Mühlentag", sagt Hugo. Neben frischgebackenem Brot und Kuchen gab es eine Greifvogel-Vorführung und natürlich standen in und um die Mühle herum fachkundige Förderkreismitglieder, die über die Geschichte und Technik der Mühle berichten konnten.

In Kalkar gab es für diejenigen, die bei bestem Ausflugswetter nicht mit dem Auto angereist waren, erst einmal ein selbst gebrautes Mühlen-Bier. Und wer das nicht nur genießen, sondern auch sehen wollte, wie es gemacht wird, hatte bei dem Show-Brauen in alten Kesseln die Möglichkeit dazu.

Acht sogenannte Söller (Stockwerke) zählt die höchste Windmühle am Niederrhein. "Wenn der Wind mitspielt, mahlen wir auch für die Besucher", sagt Gerd Hagel. Er ist einer von acht ausgebildeten Müllern in Kalkar. Damit das gut funktioniert, bedarf es aber schon der Windstärke 3. "Wir erklären, wie die Mühle funktioniert. Dafür haben wir am Morgen aufgesegelt und die Flügel in den Wind gedreht", so Hagel.

1770 von einem Franzosen namens Guerin erbaut, war die Mühle in Kalkar zunächst für das Gerben von Leder gedacht. Der tüchtige Geschäftsmann kaufte damals das baufällige Hanselaerer Tor, die Ostpforte der Stadt, riss es ab und errichtete mit dem Abbruchmaterial in unmittelbarer Nähe die Mühle. Guerin verließ wegen Steuerschulden Kalkar heimlich, die Mühle wurde um 1800 von Gerhard van der Grinden übernommen und diente die Jahrhunderte danach verschiedenen Müllern zum Mahlen von Getreide.

Heute noch hat man von der Galerie einen prächtigen Blick über die Stadt. Zum Abschied gibt es immer den Müllergruß: "Glück zu!"

(lukra)
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