Kleve: Die Entdeckung der Langsamkeit

Kleve : Die Entdeckung der Langsamkeit

Der ehemalige Stadtdirektor und NRW-Staatssekretär Manfred Palmen nennt die Geschichte um den Adler auf dem Kupfernen Knopf einen "Skandal". Seit zwei Jahren fehlt der Vogel auf dem Obelisken, vielleicht wird er 2018 fertig.

Für die Kindergartenkinder, die ihren Ausflug in den sonnendurchfluteten Wald machten, ist der Obelisk oben überm Amphitheater auch ein bisschen Tummelplatz. Man kann den abgeschrägten Sockel schön runter rutschen, man erfährt, dass der Weg hier zu Ende ist. Aber, das sagt Leon: "Es sind auch Menschen gestorben". Die Kinder haben nämlich gerade über die dortige Platte zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 gesprochen.

Leon guckt hoch an der Stele entlang in den tiefblauen Himmel und saust davon in Richtung Waldspielplatz. Dass oben auf dem Obelisken, der in Kleve "Kupferner Knopf" heißt, Wesentliches fehlt, kann Leon nicht wissen. Denn seit gut zwei Jahren ist der Platz oben auf der Stele leer - die Geschichte ist nämlich so etwas wie die Entdeckung der Langsamkeit. Der ehemalige Klever Stadtdirektor und spätere NRW-Staatssekretär Manfred Palmen nennt das einen "Skandal". Es könne nicht sein, dass die Verwaltung im Grunde untätig sei und die Bürgermeisterin das tolertiere, sagt er beim Bürgermonitor.

Leon ist noch zu klein, um sich daran erinnern zu können, dass oben auf die Spitze der steinernen Landschaftsmarke eine goldene Kugel gehört, die der Krone des Amphitheaters den Namen gab. Seitdem Preußen-König Friedrich-Wilhelm die Stele 1856 als Obelisk aufstellen ließ, thronte ein Adler auf dieser Kugel. Der wurde zwar Ende des Zweiten Weltkrieges abgeschossen, kurze Zeit später aber durch einen schnörkellosen Adler ersetzt, den der Kellener Bildhauer Joseph Kopetzky schuf.

Kopetzkys Adler musste im Mai 2016 abmontiert werden. "Die Sanierung wird von der Firma BauArt in Bedburg-Hau durchgeführt. Zurzeit können wir noch nicht abschätzen, wie hoch der Zeitaufwand sein wird. Es wird wohl mehrere Monate dauern", sagte damals Jörg Boltersdorf, Sprecher der Stadt Kleve. Aus Monaten wurde Jahre. Denn es geschah zunächst einmal nichts.

Nach über vier Monaten verkündete im September 2016 Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer, dass man den Adler gar nicht mehr aufstellen wolle. Aufgrund heftiger Kritik aus der Politik erklärte Bürgermeisterin Sonja Northing wenig später: "Derzeit werden in Abstimmung mit der Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Rheinland genaue Untersuchungen durchgeführt, um anschließend Sanierungsvorschläge unterbreiten zu können."

Auch danach passierte nicht viel. Eineinhalb Jahre zogen ins Land. Im Dezember 2017 beschloss der Rat, den Vogel jetzt aber endlich wieder auf das Denkmal zu setzen und stellte sogar 30.000 Euro bereit. Jürgen Rauer erklärte, dass sich die Ausschreibung für die Sanierung des Denkmals so lange verzögert habe, weil man unter akuter Personalnot gelitten habe und der mit dem "Fall" beauftragte Mitarbeiter ausgefallen sei.

Nochmal ein viertel Jahr später, im März 2018, verkündete Rauer, dass es gelungen sei, ein Scan von dem Vogel zu machen. Dieser Scan scheint jetzt, Mai 2018, fertig zu sein, denn im Hauptausschuss erklärte Rauer, man stehe jetzt in Verhandlungen mit dem Landschaftsverband über das Material, aus dem der Vogel gemacht werden soll. Das kommt dem geneigten Leser bekannt vor - Verhandlungen mit dem LVR hatte die Bürgermeisterin schon Ende 2016 ins Feld geführt.

Vielleicht ist aber auch ein Ende in Sicht: Im Hauptausschuss der Stadt teilte der Technische Beigeordnete mit, er hoffe, dass der Adler noch in diesem Jahr, also 2018, wieder auf die Spitze des Obelisken kommen soll. Zuvor hatte Friedrich Teigelkötter nach dem Sachstand gefragt und Jörg Cosar (beide CDU) das zweijährige Jubiläum der Abwesenheit des Wappenvogels verkündet.

Gelänge es der Stadt, den Adler 2018 wirklich wieder über dem Amphitheater zu installieren, hätte sie es geschafft, den Vogel in weniger als drei Jahren wieder an seinen Platz zu bekommen. Für das ganze Areal benötigte König Friedrich Wilhelm übrigens drei Jahre - von 1853 bis 1856: Für Fundamente, Aufbau des steinernen Obelisken und schließlich die Kugel mit Vogel obendrauf.

"Bürgermonitor" - damit beschreiben wir Defizite, decken Missstände auf, erinnern Politik an Versprechen. Wir bleiben dran! E-Mail mit dem Stichwort "Bürgermonitor" an die Adresse kleve@rheinische-post.de oder per Formular online unter www.rp-online.de/buergermonitor oder per Brief an die Rheinische Post, Redaktion, Nassauerstraße 1, 47533 Kleve.

(mgr)
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