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Kleve: Die Energiewende in Kleve

Kleve : Die Energiewende in Kleve

Der CDU-Stadtverband Kleve und die Deutsche Atlantische Gesellschaft hatten zum Frühschoppen mit Weißwürsten und Brezeln in die Wasserburg eingeladen. Thema: "Energiewende, was bedeutet sie für uns".

Die Stadtwerke Kleve redeten bis jetzt nur von einer großen Windkraftanlage, hatten auch gleich die Genossen der Volksbank im Boot, um dieses Kraftwerk als Bürgerkraftwerk bauen zu können. Greifbare Ergebnisse sind noch nicht zu sehen. Da waren die Landwirte schneller: Sie bauten Windkraftwerke in der Niederung, erzeugen den nach der Energiewende so dringend benötigten Strom. Und das ist sinnvoll, sagt Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Kottnik, Professor für "Energiewirtschaft" an der Hochschule Mannheim.

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Jörg Cosar (l.) und Festredner Prof. Dr. Wolfgang Kottnik. Foto: Klaus-Dieter Stade

"Wir brauchen, wenn wir die Energiewende auch nur annähernd umsetzen wollen, jährlich einen Zubau von 1500 Megawatt Leistung an regenerativen Energien, an Windenergie", sagte der Ingenieur. Und das nicht nur Off-Shore auf hoher See, sondern auch hier am Niederrhein, wie er im Gespräch mit der RP nach seinem Vortrag in der Wasserburg erklärte.

Griffige Vergleiche

Dort hielt der Kraftwerkstechniker einen spannenden Vortrag beim Frühschoppen des Stadtverbands der Klever CDU und der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Ein Vortrag, gespickt mit Zahlen und griffigen Vergleichen. So verbrauchen die Haushalte nicht nur mehr Energie als die Industrie - während Letztere ihren Energiebedarf immer effizienter und sparsamer gestaltet, nimmt der von Otto Normalverbraucher stetig zu. Aber, so sagt Kottnik zu Recht: "Der Verbraucher weiß doch oft gar nicht, wo er sparen kann, der hat ja keinen ,Strom-Tacho', wo er wie beim Auto ablesen kann, dass er bei 50 Km/h deutlich weniger verbraucht". Und er listet auf: So spart man, wenn man ein Jahr auf den Wäschetrockner verzichtet, 3000 Kilowattstunden Strom. Oder: Die Energieerzeuger müssen jährlich 850 Megawatt liefern, um alle Stand-by-Lämpchen leuchten zu lassen. Dagegen zieht allein die Flutlichtanlage des Hamburger Volksparkstadions 400 000 Kilowattstunden aus dem Netz. Da lag seine Frage auf der Hand: "Können wir denn nicht bei Tageslicht spielen?"

Auch hier muss der Verbraucher letztlich investieren: Für die Zukunft brauche man intelligente Stromverbraucher, die dann "anspringen", wenn beispielsweise der Wind weht, wenn der Strom da ist. Der Bürger müsse aber auch erkennen, dass der Strom, der auf hoher See erzeugt wird, dort hin muss, wo die Atomkraftwerke geschlossen werden: vom Norden in den Süden. "Wir werden Trassen bauen müssen", so Kottnik.

Dazu seien Stadtwerke gefordert, Verbünde zu bieten. Kraft-Wärme-Kopplung besser zu nutzen, Fernwärmeanlagen auszunutzen. Hier verwies er auch die KISS-Initiative in Speyer, wo Stadt und Stadtwerke gemeinsam mit den Bürgern die Wende schaffen wollen. Auch für Kleve ein Beispiel. "Zeit können wir uns dabei aber nicht viel lassen, wenn 2022 alle AKW vom Netz gehen sollen", riet Kottnik zum zügigen Umdenken.

(RP/jul)