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Kleve-Kellen: Die bunte Eierwelt von Haus Riswick

Kleve-Kellen : Die bunte Eierwelt von Haus Riswick

Am Wochenende hat der Ostermarkt von Haus Riswick zum 30. Mal seine Tore geöffnet. An 40 Ständen boten die Händler Handwerksarbeiten, Frühlingsdekorationen, viel Selbstgemachtes und vor allem: Eier, Eier, Eier.

Jürgen Brinkmann fliegen die Holzspäne nur so um die Ohren. Der Drechsler hat eines seiner rund 80 verschiedenen Edelhölzer in der Drehbank befestigt, langsam formt sich aus dem groben Klotz ein Holz-Ei. Auftragsarbeit, 20 Minuten mit Polieren, die Kunden bummeln derweil an den anderen Ständen vorbei.

Eierkunst aus Osteuropa: Auch auf dem Ostermarkt in Riswick waren die kunstvoll verzierten Stücke ein absoluter Hingucker. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Der Ostermarkt von Haus Riswick hat am Wochenende zum 30. Mal die Tore geöffnet. Und auch wenn das Wetter nicht so mitspielen wollte, wie noch im vergangenen Jahr, kamen trotzdem wieder zahlreiche Besucher zum Landwirtschaftszentrum nach Kellen. Um den Handwerkern bei ihrer Arbeit zuzuschauen, sich mit der neuesten Frühlingsdekoration einzudecken oder schlicht auf der Suche nach dem Oster-Artikel Nummer eins: Eier. Zwar immer in der typischen Form, ansonsten aber in allen Farben und Variationen. Rot gefärbt war einmal.

Heute sind Eier belesen, behäkelt oder aus Wachs. Sie können schmilzen, sind aus Nougat oder Glas. "Wir kommen gerne zum Haus Riswick, weil nicht nur viele Besucher hier, sondern diese auch noch sehr interessiert sind", sagt Katharina Brinkmann, die Frau des Holz-Ei-Meisters. Jedes ihrer Arbeiten sei ein Einzelstück, sagt Brinkmann. "Allein durch die Jahresringe erzählen alle eine eigene Geschichte." Ein Baum, der durch eine Gerölllawine hindurchgewachsen ist, Zapfen aus Australien oder die Tagua-Nuss, die auch vegetarisches Elfenbein genannt wird, weil sie verarbeitet von eben jenem kaum zu unterscheiden ist. Zumindest vom Laien. "Wir sind immer auf der Suche nach etwas Verrücktem", sagt Brinkmann. Genau wie die Markt-Besucher.

Am Stand der Landfrauen Huisberden, Emmericher Eyland, Bylerward werden Geschichten auf eine ganz andere Art und Weise erzählt: durch Literatur-Eier. "Wir haben sie mit Seiten eines alten preußischen Buchs beklebt. Kaufen Sie sich ein paar Eier, dann können sie eine ganze Geschichte lesen", sagt Landfrau Margret Küsters und lacht. Wer nicht ganz so ambitioniert ist, für den machen die Eier aber auch als Oster-Dekoration einiges her. Kordel drum, Feder dran. "Die Leute wollen ja auch nicht jedes Jahr das Gleiche dekorieren. Sie sind auf der Suche nach etwas Besonderem - so wie unsere Literatur-Eier", sagt Küsters. 75 Mitglieder hat die Landfrauen-Gruppe, an ihrem Stand bieten sie auch Apfelkraut, selbstgebrannte Mandeln oder Liköre. "Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz. Und das, obwohl es deutlich kühler ist, als im vergangenen Jahr", sagt Küsters. Allerdings haben die Frauen auch ein Plätzchen im warmen Innenbereich gefunden.

Genau wie Margot Jansen, die es sich mit ihrer Klöppelspitze in einer Ecke gemütlich gemacht hat. "Seit 17 Jahren mache ich das schon, man lernt immer wieder was Neues", sagt sie. Mit ihrer Klöppelspitze beklebt Jansen Eier oder fertigt Schals. "Für 1,80 Meter brauche ich ungefähr 400 Stunden", sagt sie trocken. Dafür braucht man dann vor allem eines: Ruhe.

Nicht minder kunstvoll - dann aber wohl doch etwas schneller in der Produktion: die Ei-Verzierungen aus Osteuropa. Die Traditionen der Ukraine und Rumänien suchen auf dem Ostermarkt in Riswick Ihresgleichen und sind beliebter denn je. Zwar noch nicht ganz Fabergé, aber trotzdem beeindruckend. Allzu lange sollte man sich an einem Stand dann aber nicht festgucken, schließlich gab es noch 39 weitere zu entdecken: mit Kräutern, Flechtkörben, Tonwaren, Vogelhäusern...

(RP)